Von Rückraumknipsern und einem unbestrittenen Boss
Dienstag 17.11.20 22:24 Uhr|Autor: Josef Weirich813
Hey, wir sind Erster! Spielertrainer Andreas Theis (links) und die SG Daleiden sind aktuell der Liga-Primus. Foto: Alfred Weinandy

Von Rückraumknipsern und einem unbestrittenen Boss

Bezirksliga West: Wie es die SG Daleiden geschafft hat, nach gut einem Viertel der Saison noch ungeschlagen auf Platz eins der Tabelle zu stehen.
Mit einer überraschenden Zwischenbilanz wartet die Bezirksliga zur coronabedingten Spielpause auf. Nicht die ambitionierten Teams aus Schweich, von Rot-Weiß und der SG Wittlich oder Ehrang, denen zu Saisonbeginn die größten Titelchancen eingeräumt wurden, führen nach neun Spieltagen das Klassement der Liga an, sondern mit der SG Daleiden liegt ein eher unterschätztes Team auf Platz eins.


Die Westeifeler hatte bei einer Umfrage zu Saisonbeginn niemand auf der Titelrechnung, doch nach den ersten neun Spielen ist die Truppe von Spielertrainer Andreas Theis als einziges Team noch ungeschlagen. Durch sechs Siege und drei Remis versetzten die Vereinigten aus Daleiden, Arzfeld, Dasburg und Dahnen die Konkurrenz ins Staunen. Selbst bei der SG hatte man nicht mit dem Hurra-Start gerechnet. „Wir waren selbst überrascht, dass es so gut läuft. Die ersten drei Spiele standen auf der Kippe, ob es nach oben oder unten geht. Aber dann hat mein Team mit einer absolut tollen Mannschaftsleistung beeindruckt“, ist der 37-jährige Spielertrainer von seinen Jungs begeistert.

„Das fünfte Saisonspiel gegen Schweich, das wir mit 2:0 gewonnen haben, hat einen „Hallo-Wach-Effekt“ hervorgerufen. Wir haben gemerkt, dass wir gegen die vermeintlichen Schwergewichte in der Liga gut mithalten können. Wir haben hart gearbeitet, immer in dem Bewusstsein, dass wir Qualität in der Mannschaft haben. Nun müssen wir abwarten, ob wir bis zum Schluss oben mitspielen können“, planen Theis und seine Daleidener, weiterhin couragiert im Haifischbecken der Titelaspiranten mitzu­schwimmen.

Das Mittelfeld ist das Herzstück der Mannschaft, fast ausnahmslos waren  Spieler aus diesem Mannschaftsteil  auch für die Tore zuständig. Nur Marc Wollwert traf als einziger etatmäßiger Stürmer ebenfalls ins Schwarze. „Im Angriff haben wir nicht die großen Brecher, dafür ist aber das Mittelfeld äußerst effizient besetzt“, listet Theis mit Pascal Krämer, Marius Lempges, Joschka Trenz und Jan Mayers eine ganze Reihe gefährlicher Rückraumknipser auf. Fokussiert ist der Trainer auf ein funktionierendes Umschaltspiel, das seine Elf fast in Perfektion beherrscht.

Mit klugen Neuverpflichtungen, wie zum Beispiel Jan Mayers vom FC Bitburg oder Jannik Nosbisch von Eintracht Trier wertete man den Kader zusätzlich auf. Mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren befindet sich das Team in seiner „besten Fußballerphase“, zudem erkennt Theis gewisse Parallelen zum Aufsteiger aus Ehrang und Pfalzel: „Die FSG hat einige Jahre knapp den Aufstieg verpasst, dann hat es aber geklappt. Getragen von großem Zuschauerinteresse entfachen sie eine enorme Begeisterung.“ Ebenso wie sein Ehranger Kollege Kevin Schmitt will auch der Daleidener Trainer nicht  automatisch Ansprüche auf den Titel ableiten. „Ob es mutig ist, große Sprüche zu machen, sei dahingestellt. Wir wollen weiterhin gute Spiele machen. Wir wissen, dass wir dazu die ausreichende Qualität haben.“

Getragen werden die Eifeler auch von der Euphorie im Umfeld. So wurde das letzte Heimspiel vor der Corona-Pause gegen Schillingen via  Live-Stream im Internet übertragen. In der Spielgemeinschaft ist man sich bewusst, dass der Trainer zu den Hauptgaranten des Erfolges zählt. Auch wenn der bescheidene Theis nicht nur Trainer, sondern auch auf dem Spielfeld omnipräsent und ganz klar der Boss in der Truppe ist. In den gut fünf Jahren in Daleiden fuhr Theis mit seiner Elf 83 Siege ein und der Coach schoss 37 Tore selbst.  Während seiner Laufbahn erhielt er noch keine Ampelkarte, geschweige denn einen Platzverweis. Sieben Jahre kickte der gelernte Stürmer für die SG Großkampen in der Landes-  und Bezirksliga, genoss lehrreiche Jahre unter Trainerlegende Günter Bretz und fungierte dabei auch als dessen Assistent. Über die luxemburgischen Clubs FC Erpeldingen und Etzella Ettelbrück kehrte Theis dann wieder zurück auf die andere Seite der Our.

Ein Schmankerl aus seiner luxemburgischen Zeit bleibt unvergessen: Als Spieler in Ettelbrück wurde für ihn in einem Transferportal der stolze Marktwert von 50 000 Euro aufgerufen. „Ich bin in den Trainerjob eher reingerutscht. Nach meiner Zeit in Ettelbrück hatte ich eine schwere Verletzung, und es ergab keinen Sinn mehr, wieder in einer höheren Klasse aktiv zu spielen. Die SG Daleiden ist für mich ideal. Hier stimmt alles, ich bin heimatnah und verwurzelt.“ Schon bald nach seiner Verpflichtung führte Theis die Daleidener in die Bezirksliga und erreichte im Aufstiegsjahr (2017/18) einen guten vierten Tabellenrang. Die darauffolgende Runde schloss man als Neunter ab, und die zurückliegende Abbruchsaison beendete Daleiden auf Platz sechs.

Auch das gute Miteinander der Clubs in der Spielgemeinschaft wertet Theis als Grundlage für den Erfolg: „Die Vorstände harmonieren einwandfrei, wir überlegen ständig, was wir noch verbessern können. Es ist ein großes Team, das innovativ unterwegs ist. Im Moment läuft es gut.“ Wie sich die aktuelle Saison entwickelt, steht für Theis noch in den Sternen. „Ich glaube nicht daran, dass in diesem Jahr noch Punktspiele ausgetragen werden. Es wäre gut, wenn wir im neuen Jahr den Spielbetrieb wieder aufnehmen könnten und dass allmählich Normalität in die Vereine einkehrt“ (siehe Extra). Geduld ist also weiter gefragt. Bis dahin können sich die Fans am Anblick des aktuellen Tabellen-Rankings erfreuen oder den Traum vom Griff nach den Sternen beim Klick auf das Video vom letzten Heimsieg gegen Schillingen weiterträumen.


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