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Sonntag 08.10.17 20:04 Uhr|Autor: Schwäbische Zeitung / Von Maximilian Kroh79
GER, DFB Pokal, SV Alberweiler vs FC Bayern München / 07.10.2017, Hessenbühl-Arena, Alberweiler, GER, DFB Pokal, SV Alberweiler vs FC Bayern München, im Bild Caroline Schad (Alberweiler 18), Jill Roord (Muenchen 10) nordphotoxHafner nph00200 Foto: Imago

Reif für die Champions League

Alberweiler / sz - Bereits in der dritten Minute kann alles vorbei sein. Nach einem Eckball fällt der Ball Jill Roord vor die Füße, die neue Spielerin des FC Bayern München zieht ab. Melanie Geiselhart im Tor des SV Alberweiler kann einen frühen Rückstand nicht gebrauchen. Das Ziel der SVA-Damen ist klar: So lange wie möglich die Null halten gegen das Spitzenteam der Bundesliga. Melanie Geiselhart kann keinen frühen Rückstand gebrauchen, mit einem Klassereflex fischt sie den Schuss aus dem rechten oberen Eck. Es ist noch nichts vorbei. Alberweiler, der Regionalligist aus dem Landkreis Biberach, hat noch fast ein ganzes Spiel Zeit, die Sensation zu schaffen.



Am Ende dieses Samstags werden die Fußballerinnen des SV Alberweiler, derzeit Tabellenführer der drittklassigen Regionalliga Süd, das Zweitrundenspiel im DFB-Pokal gegen die Bayern zwar mit 0:3 verlieren. Die Bayern, Zweite in der abgelaufenen Bundesligasaison, werden es aber erst in der Schlussphase schaffen, den Sack zuzumachen.

2500 Zuschauer in Alberweiler

Noch am Mittwoch spielte der FCB in der Champions League beim FC Chelsea. Nun also Alberweiler, bevor es kommenden Mittwoch erneut gegen die Engländerinnen geht. Oberschwaben statt London, doch die Atmosphäre ist champions-league-reif, mindestens 2500 Zuschauer sind in die Hessenbühl-Arena gekommen, auch für die Bayern-Frauen ist das kein Alltag. Zum Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln vor zwei Wochen verirrten sich gerade einmal 410 Zuschauer. Eine Tribüne haben sie in Alberweiler nicht, dafür wird der Hügel neben dem Spielfeld zur großen Stehgerade umfunktioniert. 2500 Zuschauer, fast nur Stehplätze – ein Traum für jeden Fußballromantiker

Die Bayern wussten, was sie erwarten würde, Trainer Thomas Wörle hatte seine Spielerinnen vor dem "Hexenkessel" in Alberweiler gewarnt. Immerhin sechs Spielerinnen, die auch unter der Woche beim unglücklichen 0:1 in London spielten, stehen auch in Alberweiler in der Startelf. "Ich wusste natürlich, dass ich ordentlich was zu tun bekomme", wird SVA-Torhüterin Melanie Geiselhart nach dem Abpfiff sagen, "aber aufgeregt war ich eigentlich nicht."

Höflicher Beifall beim Gegentor

Tatsächlich steht sie im Blickpunkt, fast im Minutentakt spielt sich das Geschehen in ihrem Sechzehner ab. Nach zwanzig Minuten wird es plötzlich laut, Alberweiler ist im Angriff. Ein Raunen geht durchs Stadion, auch wenn nur ein Kullerschuss herauskommt. Trotzdem: "Da geht heute was", ist sich ein älterer Mann auf den Zuschauerrängen sicher. Zustimmendes Nicken rundum. In der 31. Minute fällt aber doch das 1:0 für die Favoritinnen. Geiselhart ist beim Tor von Lucie Vonkova machtlos. Höflicher Beifall macht die Runde, mehr aber auch nicht.

Halbzeitpause. "Die Mädels schlagen sich super", sagt Erwin Klauer. Er kommt aus Eggingen bei Ulm und hat einen guten Grund, hier zu sein: Seine Enkelin Selina Gaus steht bei Alberweiler in der Innenverteidigung, "wir müssen sie natürlich unterstützen". Klauer glaubt da sogar noch, dass die Sensation möglich ist. "Ein Tor schießen die Bayern zumindest nicht mehr", sagt er. Danach sieht es zunächst tatsächlich nicht aus, die Alberweilerinnen kämpfen und laufen wie verrückt.

Bis zur 87. Minute noch alles drin

Eine ähnlich undankbare Aufgabe wie Torhüterin Geiselhart hat dabei Annika Enderle erwischt. Die 17-Jährige ist die direkte Gegenspielerin von Melanie Behringer. Die hat 123 Länderspiele absolviert, ist Weltmeisterin, Olympiasiegerin und zweimalige Europameisterin. Trotzdem wird sie nach 90 Minuten gegen Chelsea nun erst in der 87. Minute ausgewechselt. Vielleicht das größte Kompliment, das der Regionalligist heute bekommt. "Wir sind sehr zufrieden mit uns", sagt Enderle später, "wir haben unsere Aufgaben erfüllt und gut mitgehalten." Trainer Peter Kalmbach bekommt da sein Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht: "Wenn mir einer gesagt hätte, dass ich 20 Minuten vor Schluss überlege, die Fünferkette aufzulösen und auf den Ausgleich zu gehen – den hätte ich für verrückt erklärt." Sagt es und erkundigt sich nach den Werten seiner Spielerinnen: "Mal sehen, ob jemand über elf Kilometer gerannt ist." Bayerns Coach Thomas Wörle, dessen Mannschaft erst mit dem 2:0 durch Fridolina Rolfö in der 87. Minute alles klarmacht – Lucie Vonkova sorgt in der Nachspielzeit per Foulelfmeter für das Endergebnis – steigt in das Lob ein: "Alberweiler hat das gut gemacht und sehr diszipliniert verteidigt."

Dass man sich als Regionalligist auch anders präsentieren kann, beweist zeitgleich der 1. FC Riegelsberg aus der Regionalliga Südwest, der gegen den SC Sand mit 0:13 untergeht. So überwiegt in Alberweiler die pure Freude. "Wir haben den Zuschauern gezeigt, dass wir kicken können", meint Stürmerin Alberina Syla. "Ich hatte zwischendurch echt das Gefühl, dass da was gehen könnte." Eine Stunde nach dem Abpfiff stehen die Spielerinnen noch kurzärmlig auf dem Platz, bei knapp zehn Grad Außentemperatur. Es gibt einfach zu viel zu erzählen. Kalmbach lässt das eine Weile durchgehen, dann spricht er ein Machtwort: "Geht duschen, nicht, dass ihr krank werdet."

 
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