Kirchheimer SC: De Brito trotzt zahlreichen Verletzungsrückschlägen
Mittwoch 30.12.20 09:50 Uhr|Autor: Münchner Merkur (Nord) / Guido Verstegen544
KSC-Jubel in der Kabine nach dem 3:0 beim FC Schwabing am 7. April 2019. Thomas Branco De Brito ist mit seinen Krücken mittendrin statt nur dabei. Foto: Kirchheimer SC

Kirchheimer SC: De Brito trotzt zahlreichen Verletzungsrückschlägen

KSC-Mittelfeldmann im Interview
Seinen letzten Pflichtspiel-Einsatz im Trikot des Kirchheimer SC hatte Thomas Branco De Brito am 3. Oktober 2018 in der Bezirksliga-Partie beim FSV Pfaffenhofen (2:3). Inzwischen spielt der KSC – wieder – in der Landesliga, und der 23-Jährige ist trotz vieler Verletzungen ganz nah dran an der Mannschaft. Wie er die Wirren des Corona-Jahres erlebt hat, wie er auf 2021 blickt.


Kirchheim – Gerade einmal drei Partien hat Thomas Branco De Brito in den vergangenen beiden Spielzeiten absolviert – bekanntlich dauert die aktuelle Saison 2019/2021 deutlich länger als geplant. Der Mittelfeldmann des Kirchheimer SC musste viele Rückschläge hinnehmen, in erster Linie setzte ihn ein Achillessehnen-Riss außer Gefecht. Als der erste Corona-Lockdown kam, sah er darin die Chance, in der Zwangspause verstärkt an seinem Comeback zu arbeiten. Einmal mehr lief es nicht nach Wunsch für ihn. „So schnell lässt sich Schiggy aber nicht unterkriegen“, sagt KSC-Spielertrainer Steven Toy über seinen Schützling, „er ist ein wahnsinnig positiver Typ!“

Herr De Brito, seit einer gefühlten Ewigkeit sind Sie nun schon zum Zuschauen verdammt, schuften unermüdlich für Ihre Rückkehr ins Team, mussten einiges an Nackenschlägen einstecken. Wie geht es Ihnen denn gerade?

Mein Ziel war es eigentlich gewesen, in diesem Jahr noch ein Spiel zu bestreiten – daraus ist leider nichts geworden. Aber jetzt fühlt sich mein Knie super an. Ich gehe tatsächlich wieder beschwerdefrei regelmäßig joggen.

Was ist passiert? Und warum sprechen Sie von Ihrem Knie?

Ich wollte unbedingt fit werden, habe viel individuell gearbeitet und konnte im Herbst endlich wieder mit der Mannschaft trainieren. Da habe ich einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen, vier Zentimeter über dem Knie hat sich ein großer blauer Fleck gebildet, dann wurde der Oberschenkel taub und das Knie schlabberig. Mary (KSC-Physiotherapeutin Maria Hübner) hat dann Flüssigkeit im Knie festgestellt und damit begonnen, sie raus zu massieren. Es wurde aber einfach nicht besser. Auch zweimal Kernspin brachten keine Aufklärung, und dann hatte ich auch noch Schmerzen in der Hüfte.

Wie ging’s weiter?

Seitdem ich bei Florian Baerend in Vaterstetten in Behandlung bin, geht’s aufwärts. Er ist Physiotherapeut, aber auch Kung-Fu-Großmeister. Er hat mit Bambusstangen auf die entzündeten Stellen geschlagen. Das Gewebe steigt dabei nach oben, und Selbstheilungskräfte erledigen dann den Rest. „Der Körper muss selbst reagieren“, sagt er.

Florian Baerend wendet Ti ta tuina an, eine Behandlungsmethode aus dem Kung Fu – dabei behandelt er erkranktes Gewebe wie Muskeln, Sehnen und Bänder mittels Reibe- Druck- und Klopftechniken. Geht es nach der chinesischen Medizin, sind die meisten Erkrankungen des Bewegungsapparates auf eventuell lange zurückliegende Verletzungen und Überanstrengungen zurückzuführen. Klingt sehr nach dem Fall Thomas Branco De Brito.

Allerdings. Ich muss einfach mehr auf meinen Körper hören und weiß jetzt besser, woran ich arbeiten muss. Ich bin lange genug weg gewesen…

…der 12. Januar 2019 muss der schlimmste Tag in Ihrem Fußballer-Leben gewesen sein. Damals riss Ihnen im ersten Training nach der Weihnachtspause beim Socca Five in Heimstetten die Achillessehne – nur eine knappe Viertelstunde zuvor hatte sich ihr Teamkollege Luis Tasci einen Kreuzbandriss zugezogen, wie er verletzten Sie sich ohne jede gegnerische Einwirkung.

Es war mal wieder einiges zusammen gekommen bei mir: Nach einem Innenband-Anriss hatte ich schon länger Defizite in der Beweglichkeit gehabt – und dann das!

Sie sind anschließend trotzdem mit der Mannschaft im Februar ins Trainingslager gefahren, auch Anfang dieses Jahres waren Sie am Start, als sich der Kader im kroatischen Rovinj auf die Restrunde vorbereitete.

Das war jedes Mal super – weil mit David Schittenhelm eben auch ein super Osteopath mit dabei war, der mir wahnsinnig viel geholfen hat. Ich muss zugeben, dass ich immer wieder zu viel gemacht habe, die Belastung gerne auch mal unterschätze. Steven musste mich da manchmal einbremsen – aber ich wollte eben unbedingt so schnell wie möglich fit werden.

Die Reha lief Anfang 2020 ausnehmend gut für Sie. Dann kam im Frühjahr der erste Corona-Lockdown, Liga und Training standen still. Wie haben Sie das empfunden?

Ich dachte tatsächlich, dass das für mich persönlich gar nicht mal so schlecht ist: Die Zwangspause verschaffte mir mehr Luft – und die Chancen, in diesem Jahr noch einmal aufzulaufen, stiegen so ja deutlich an. Klar, als sich das Ganze dann hinzog und ich so lange nicht bei der Mannschaft sein konnte, sah das schon anders aus.

Ein Tief?

Ja, schon … im Juni/Juli etwa. Ich fühlte mich an die Zeit unmittelbar nach dem Achillessehnen-Riss erinnert – da war ich einen Monat lang komplett im Loch. Meine Eltern mussten mich überall hinfahren, und es war nach der OP echt mühsam mit diesem Schuh – und es gab damals jede Menge Schnee. Es tat mir gut, dass sich meine Mannschaftskameraden ständig gemeldet und mir ihre Hilfe angeboten haben. In Kirchheim spiele ich eben mit meinen Freunden zusammen, es ist super familiär da.

Wer steht Ihnen denn besonders nah in der Mannschaft?

Marco Flohrs, Luca Eckerl und Noel Pfeiffer haben mir viel geholfen, und mit Ricardo Jacobi telefoniere ich fast täglich. Wir reden viel, da besteht ein sehr enger Kontakt.

Was hat Sie denn im Sommer am meisten bedrückt?

Es macht dich auf Dauer einfach kaputt, wenn du der Mannschaft nicht aktiv helfen kannst. Und dann hab‘ ich nach der Corona-Zwangspause auch nicht mit den Jungs trainiert, weil da die Gruppen genau eingeteilt waren und wir auch kein Risiko eingehen wollten.

Sie sind immer da, wenn das Team spielt – beim wichtigen 2:1-Heimsieg gegen die SpVgg Landshut sind Sie voll abgegangen…

Da hatte ich am nächsten Tag tatsächlich keine Stimme mehr. Gegen Landshut haben wir wieder einmal bewiesen, dass wir vielleicht nicht die besten Spieler haben, aber auf jeden Fall ein tolles Team sind, in dem jeder für den anderen da ist. Kaan Aygün vom VfB Hallbergmoos – wir kennen uns schon lange – meinte mal, es sei die Hölle gegen uns zu spielen (lacht). Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir die Liga halten und bestimmt noch den einen oder anderen spielerisch besseren Gegner ärgern.

Was nehmen Sie an persönlichen Erkenntnissen aus diesem Corona-Jahr mit?

Dass ich manchmal übermotiviert bin. Dass es mich mental kaputt machen kann, wenn es nicht voran geht oder ich nicht weiß, warum genau ich diese oder jene Schmerzen habe. Inzwischen kenne ich meinen Körper schon wesentlich besser, suche auch gezielt mein Gleichgewicht. Die Nähe zu meinen Mannschaftskameraden hat mir sehr gefehlt in der Corona-Zwangspause. Und jetzt müssen wir da wieder irgendwie durch.

Auch beruflich hat sich bei Ihnen in diesem Jahr ein bisschen was getan.

Ja, ich habe meine Ausbildung als Speditionskaufmann abgeschlossen und arbeite jetzt als Vertriebsassistent für eine große Leasingfirma.

Ihre Ziele für 2021?

Endlich wieder Fußball spielen, endlich wieder für den KSC auf dem Platz stehen – egal auf welcher Position. Verletzungsfrei bleiben und natürlich den Klassenerhalt feiern! Ein ruhigeres und Corona-freies Jahr erleben, beruflich weiter entwickeln.


Das Gespräch führte
Guido Verstegen.


Verlinkte Inhalte

Interessante Artikel

Mathias Willmerdinger - vor
Bezirksliga Unterfranken West
Bundeskanzlerin Angela Merkel (li.)und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erklären die bis 14. Februar getroffenen Beschlüsse.
Amateursport weiter im Abseits: Stillstand bis 14. Februar ausgeweitet

Harte Geduldsprobe: Der Lockdown wird wieder einmal verlängert

Mittlerweile ist es traurige Gewohnheit: Der sogenannte "Lockdown" ist erneut verlängert worden. Bis zum 14. Februar soll die Bevölkerung weiterhin Kontakte auf ein Minimum herunterfahren ...

Münchner Merkur (Nord) / Nico Bauer - vor
Landesliga Bayern Südost
Maxi Lüftl
Vom FC Unterföhring zur TSG Hoffenheim - Maxi Lüftl schafft den Sprung

Maxi Lüftl schafft den Sprung vom FC Unterföhring in den großen Fußball.

Holzkirchner Merkur / Markus Eham - vor
Landesliga Bayern Südost
Ab sofort im Trikot des TuS: Michael Vitzthum (l.) wird vom Sportlichen Leiter Markus Müller begrüßt. 
TuS Holzkirchen angelt sich Ex-Profi Vitzthum als Taktgeber

Rückkehr in die Heimat

Fußball-Landesligisten TuS Holzkirchen ist ein echter Transfercoup gekommen: Ex-Profi Michael Vitzthum kommt an die Haidstraße.

PM BFV - vor
Regionalliga Bayern
Verbandsspielleiter Josef Janker (re.) ist derzeit um seinen Posten nicht zu beneiden
Janker: »Die Deadline setzt die Pandemie«

Verbands-Spielleiter Josef Janker gibt einen Einblick in die Gedankenspiele des Bayerischen Fußball-Verbands

Das öffentliche und gesellschaftliche Leben bleibt hierzulande pandemiebedingt bis mindestens 14. Februar 2021 stark eingeschränkt. Verbandss ...

red - vor
Regionalliga Bayern
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (neben Bundeskanzlerin Angela Merkel) verteidigt die gemeinsam getroffenen Maßnahmen von Bund und Ländern.
Kein Amateurfußball im Januar: Lockdown wird verschärft

Bund und Länder einigen sich auf Verlängerung der geltenden Einschränkungen bis zum 31. Januar und weitere lokal-geltende Verschärfungen +++ Amateurfußball muss weiter pausieren

Die aktuell geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie w ...

Thomas Seidl - vor
Regionalliga Bayern
Wann wieder Fußball gespielt werden darf, ist aktuell nicht absehbar
BFV plant Anpassung: Keine Corona-Absagen mehr auf Verdacht

Wie FuPa erfahren hat, soll Ausfällen aufgrund von Corona-Verdachtsfällen der Riegel vorgeschoben werden ++++ Nächste Woche will Verbandsspitze “Grundsätzliches zum weiteren Fortgang” besprechen

Wann wieder Fußball gespielt werden darf, steht ...

Münchner Merkur (Nord) / Nico Bauer - vor
Landesliga Bayern Südost
Andreas Faber blickt auf „seinen“ Fußballplatz nahe der Isar, mitten in Unterföhring.
Andreas Faber - Sportpark ist der schönste Fußballplatz der Welt

Er lebt den FC Unterföhring wie kein Zweiter und ist das Gesicht des Vereins. Andreas Faber lebt für den Fußball und seinen Heimatverein. Im Interview spricht er über seine Liebe zum Fußball, Ziele und das Karriereende.

Michael Eder - vor
Regionalliga Bayern
Gewinne einen 1.000€-Gutschein für den Teammanager des Jahres

Stanno präsentiert: Nenne uns den Teammanager eures Vereins, der diesen Titel eurer Meinung nach verdient hat +++ Hauptgewinn: 1.000€-Gutschein in der Stanno-Vereinswelt für euren Club

Er führt permanent Spielergespräche und ist das Bindeglied zwi ...

Freisinger Tagblatt / Matthias Spanrad - vor
Landesliga Bayern Südost
Maximilian Thalhammer: Von der Savoyer Au in den Profifußball

Mittlerweile Stammspieler beim SC Paderborn

Fußballprofi Maximilian Thalhammer aus Freising startet beim SC Paderborn richtig durch. Mit dem Pokalhit gegen Dortmund steht ihm ein echtes Highlight bevor.

PM BFV / red - vor
Regionalliga Bayern
Meinungsumfrage: Sorgen, Nöte, Zustimmung

BFV hat erneut eine Umfrage durchführen lassen, an der 1664 Vereinsfunktionäre teilgenommen haben

Der große Zuspruch der Vereine für die BFV-Entscheidung im Frühjahr 2020, die Saison 2019/20 nicht abzubrechen, sondern bis Sommer 2021 sportlich zu E ...

Tabelle
1. Karlsfeld 2821 52
2. Hallbergmoos 2724 52
3. SV Erlbach 2520 47
4. Grünwald 285 45
5. Traunstein 27-6 44
6. SE Freising 2714 43
7. FC Passau 282 40
8. FC Töging 263 39
9. Unterföhring (Ab) 27-1 38
10. Kirchheim (Auf) 281 37
11. TSV Kastl 28-10 35
12. Hauzenberg 261 34
13. Holzkirchen (Ab) 256 32
14. SpV Landshut 26-8 32
15. SB Rosenheim 26-16 32
16. TSV Ampfing (Auf) 27-21 26
17. ASV Dachau 26-10 23
18. Waldkirchen 25-25 19
Wertung gemäß Direkter Vergleich
ausführliche Tabelle anzeigen

FuPa Hilfebereich