Die Löwen leben
Samstag 01.08.20 15:00 Uhr|Autor: Mario Luge982
Führen das Löwen-Rudel jetzt an (von links): Onur Goekten, Trainer Burak Tasci, Cihad Senel und Cumhur Tasci. Foto: Mario Luge

Die Löwen leben

Im April fast vor dem Aus, im Juli mit einer Vision: Karadeniz Kreuznach und das Vier-Säulen-Modell für die Zukunft

BAD KREUZNACH. Der Löwe lebt in Gruppen, dort fühlt er sich wohl. Das gibt ihm Halt, macht ihn aber auch gefährlich. Im April dieses Jahres war das Karadeniz-Rudel auf acht „Raubkatzen“ geschrumpft. Trainer Beytullah Kurtoglu hatte dem Fußball-Bezirksligisten bereits im Winter mitgeteilt, dass er den Verein verlassen würde, bis ins Frühjahr folgten nicht nur die Langmähnen, Serkan Kural und Ercan Oduncu, sondern auch die meisten der Bad Kreuznacher Fußballer. „Wir standen vor dem Aus“, erinnert sich Cumhur Tasci, der dem alten Vorstand ein „großes Dankeschön“ aussprach, in der Phase des Umbruchs aber wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Fast zeitgleich mit der Talfahrt von Türkgücü Ippesheim ging es auch für Karadeniz Gümüshanespor ums nackte Überleben in der Fußballwelt an der Nahe. Gemeinsam mit Cihad Senel, Onur Goekten und einigen weiteren Mitstreitern hieß es: „Wir müssen den Laden irgendwie am Laufen halten.“ Im Gegensatz zu Türkgücü geht es bei Gümüshanespor weiter. Mehr noch. Der Verein setzt sich neue Ziele, hat einen Plan. „Wir wollen die ,Marke Karadeniz‘ am Leben erhalten“, sagt Goekten. Hinter den neuen „Ober-Löwen“ liegen Wochen der Gespräche, der Planung. „Die  Treffen gingen in den ersten Tagen bis in die frühen Morgenstunden. Wir haben viel Tee und Kaffee verbraucht.“




Mit Burak Tasci kam die Planungssicherheit

Cihad Senel erinnert sich noch gut: „Kein Trainer, keine Mannschaft. Wie sollten wir in Corona-Zeiten Gespräche führen, erst Recht, wenn wir keinen Coach haben?“ Erst mit der Verpflichtung von Burak Tasci als Coach – an der Linie, nicht als Spielertrainer – kam Klarheit in die Planung, nachdem die Vorbereitung im Winter komplett flachgefallen war. „Burak kennt den Verein und ist gut in der Region vernetzt. Er hat die Herausforderung angenommen“, erklärt Senel den ersten wichtigen Meilenstein auf dem neuen Weg. Inzwischen ist der Kader auf 25 Spieler angewachsen, mit etwa 20 will Karadeniz in die Runde starten.

Dabei geht es bei dem neuen „Projekt Karadeniz“ nicht nur um Fußball, und dort nicht nur um Punkte und Tore. Leistung, Spaß, Erfolg – das sind die Eckpfeiler im sportlichen Bereich. Dieser wiederum ist eine von insgesamt vier Säulen im Gesamtkonzept der Löwen. Auch wenn Cumhur Tasci betont, „dass wir unerfahren in der Vereinsarbeit sind“, die neuen „Macher“ haben schon einmal einen Plan. Eine Vision. Es geht um „Karadeniz als Konzept“.

Dazu zählt neben dem Aktivenbereich auch die Jugendarbeit als zweite Säule. „Wir werden zunächst keine eigene Jugend haben, aber wir unterstützen den TSV Degenia im Trainerstab“, erklärt Onur Goekten. „Natürlich wollen wir irgendwann auch wieder eigene Mannschaften im Spielbetrieb. Aber erst einmal müssen wir einzahlen, bevor wir etwas rausbekommen können.“

Verein will soziale Verantwortung wahrnehmen

Dritte – und vielleicht wichtigste – Säule wird die soziale Komponente der Vereinsarbeit. Gemeinsam mit den Sponsoren will sich Karadeniz um Weiterbildung und Entwicklung der jungen Fußballer kümmern. Dazu gehören etwa individuelles Coaching, Workshops, Weiterbildung oder Ausbildungsplätze. Die sozialen Projekte liegen den Verantwortlichen im opertaiven Bereich am Herzen. „Wir wollen unserer sozialen Verantwortung nachkommen“, sagt Goekten. „Den jungen Menschen eine Perspektive bieten.“

Das sogenannte „Partnering“, die Zusammenarbeit mit den Werbepartnern, soll auch eine wirtschaftliche Grundlage der Vereinsarbeit schaffen. Onur Goekten unterstreicht: „Wir verstehen uns dabei als regionale, nicht nur als türkische Mannschaft.“

Ganz wichtig ist, darin sind sich die neuen Vorstandsmitglieder einig, dass die Entwicklung lieber langsam, aber dafür gesund abläuft. Fünf Jahre haben sie sich als ersten Zeitraum gesetzt, es dabei aber unterlassen, sportliche Ziele zu definieren. Sicher sei die Bezirksliga eine gute und interessante Klasse für Karadeniz, „aber jeder will Meister werden und aufsteigen“. Jedoch alles zu seiner Zeit.

Erst einmal steht auch Karadeniz vor einer besonderen Herausforderung. Eine kurze Saison in einer äußerst knackigen Bezirksliga-Staffel, in der alles möglich scheint. „Eigentlich optimal. Es werden kurze Sonntage mit interessanten Gegnern“, sagt Cumhur Tasci. Und: „Wir werden kämpfen müssen.“ Aber wenn das einer kann, dann die Löwen.

 

Der neue, operative Karadeniz-Vorstand: Cumhur Tasci, Onur Goekten, Cihad Senel, Abdulkerim Senel, Harun Aka, Ilyas Tasci, Fehmi Bayir, Mehmet Senel, Bahri Bastürk.

 

ZITAT:

Als Ziel setzen wir uns nur eine hohe Trainingsbeteiligung und einen Platz unter den ersten Fünf – in der Fairnesstabelle.

Cihad Senel, Vorstandsmitglied Karadeniz Gümüshanespor



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