CORONA: Sport nur dort relevant, wo Milliarden verdient werden? 
Montag 09.11.20 11:28 Uhr|Autor: Holzkirchner Merkur / Reinhard Hübner2.097
Können die Jüngsten bald wieder so lachen? Corona hat etwas dagegen Foto: Stefan Rossmann

CORONA: Sport nur dort relevant, wo Milliarden verdient werden? 

Die Corona-Maßnahmen schaden unseren Kindern
Die Corona-Zwangs-Fußballpause bereitet Sorgen. Vor allem die Jüngsten leiden unter den Einschränkungen. Immer mehr Stimmen werden laut - Lockerungen her für die Kinder.


Zu den Mysterien der Corona-Krise zählt wohl die Frage, warum Gottesdienste erlaubt, Theater und Kino aber verboten sind (die natürlich nur gottlose Gesellen stellen können). Also anders: Warum darf man in überfüllten Bussen und Bahnen fahren, nicht aber in Cafés und Restaurants sitzen (wo der Abstand doch leichter einzuhalten ist)? Mehr noch aber irritiert, warum bayerische Kinder stundenlang gemeinsam im Klassenzimmer sitzen, nachmittags aber nicht – wie etwa in Berlin – zusammen trainieren dürfen. Es geht, wenn wir Söders Politik richtig verstanden haben, bei all den Maßnahmen doch vor allem darum, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Und dann schränkt man die Bewegung von Kindern derart massiv ein?

Corona-Lockdown ist katastrophal für die Kinder 

Könnte daran liegen, dass Sport nur dort als systemrelevant gilt, wo Milliarden umgesetzt werden. Nicht aber, wenn sich dramatische und für die Sozialträger kostenintensive Folgen halt nicht sofort, sondern vielleicht erst dann zeigen, wenn die aktuellen Politiker längst ihre Memoiren verfassen. Und nicht mehr verantwortlich gemacht werden für eine ziemlich kranke Generation, die nicht nur körperliche Defizite hat, sondern auch emotional beeinträchtigt ist und Empathie für eine böse Krankheit hält. Ja, der Sport, gerade der Teamsport, trägt viel bei zur Entwicklung unserer Kinder, verliert aber, trotz aller Mahnungen, weiter an Bedeutung.

Gerade sind die um unsere Gesundheit so besorgten Politiker dabei, dem Breitensport den Hahn noch weiter zuzudrehen. Vor verheerenden Folgen des neuerlichen Lockdowns warnen nun Verbände und Vereine, im Fernsehen stehen Menschen vor der Kamera, die über gravierende Mitgliederrückgänge gerade bei den Jüngsten klagen, die um unsere Vereinslandschaft fürchten. Dass das Infektionsrisiko beim Sport äußerst gering sei, sagen sie, und dass sie, ähnlich der Kultur und Gastronomie, alles getan hätten, um die Hygieneregeln akribisch einhalten zu können.

Reinhard Hübner schreibt über die Sorgen vieler. Wie geht es mit den Jüngsten und Corona weiter?

Reinhard Hübner schreibt über die Sorgen vieler. Wie geht es mit den Jüngsten und Corona weiter?

Kinder stehen vor trostloser und trüber Zeit 

Trotzdem wird der Amateursport wieder mal auf null gefahren, wo er sich doch gerade erst ein bisschen erholt hatte von der monatelangen Schließung seit März. Nicht einmal acht Wochen durften Kinder jetzt wieder Fußball spielen, nun ist Schluss bis zum Frühjahr, mindestens. Denn die Hallensaison, für junge Kicker immer ein Highlight, ist natürlich auch längst gestrichen. Wintersport ist wohl höchstens sehr eingeschränkt möglich, man schickt die Kids in eine trostlose und trübe Zeit, zumindest was Bewegung und Begegnung mit Freunden betrifft.

 

Ach ja, die Politik sorgt doch für gerechten Ausgleich für all die Beschränkungen, die Lufthansa wird gerettet und die Autobranche, Gastwirten und Kulturschaffenden wird eine Entschädigung immerhin mal versprochen, wer aber spannt den Rettungsschirm über unsere Jüngsten? Eltern sollen ein Corona-Kindergeld bekommen, das aber wird Kindern kaum unmittelbar zugutekommen und ihnen entgangene Lebensfreude nicht zurückbringen. Vielleicht wäre das Geld besser angelegt in spezielle musische und sportliche Programme, um Kindern ein bisschen von dem wiederzugeben, was ihnen die Corona-Maßnahmen genommen haben. Es geht um Gesundheit, um Empathie, um Emotion. Es geht um eine Generation, die nicht dauerhaft geschädigt sein soll durch dieses hundsgemeine Virus, das uns ja noch länger beschäftigen wird.

Corona: Vom Platz ins Internet

Der Bayerische Fußballverband jedenfalls hat dafür schon eine recht pragmatische Lösung parat. Wenn man die Kids schon an Playstation und das Spiel an der Konsole verliert, holt man sie halt als virtuelle Kicker zurück. Für dieses Wochenende war, ehe der Lockdown kam, ernsthaft eine Talentsichtung für eFootballer geplant. Fußball wird einfach vom grünen Rasen ins Netz verlagert. Schöne neue Welt.

(Reinhard Hübner)


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