Auch die Trainer aus Kempen und Krefeld sind zumindest mal skeptisch.
Auch die Trainer aus Kempen und Krefeld sind zumindest mal skeptisch. – Foto: Volkhard Patten

WM in Katar: "Eine richtige Katastrophe"

Am Sonntag beginnt die Weltmeisterschaft in Katar. Die Vorfreude hält sich im Gegensatz zu den vergangenen Turnieren bei den Fußball-Trainern in Kempen-Krefeld in Grenzen.

WM-Boykott oder nicht? Mit dieser Frage beschäftigt sich sein Wochen die auch Spieler und Trainer aus dem Fußball-Kreis Kempen-Krefeld. Von „ich gucke nicht“, bis „ich freue mich drauf“, reichten die Antworten bei einer Umfrage unserer beiden Mitarbeiter der Sportredaktion Krefeld.

Stefan G. Rex (VfB Uerdingen): Dies ist echt ein schwieriges Thema, was polarisiert. Man kann nur hoffen, dass, was in diesem Zusammenhang mit den Menschenrechten zu tun hat, im Nachhinein etwas hängen bleibt. Der Zeitpunkt für eine WM ist so ungewöhnlich, dass es nicht einfach ist, in das dafür übliche Fieber zu kommen.

WM-Tipp: Frankreich.

Daniel Klinger (SC Schiefbahn): Bei mir sind sie da genau richtig, weil ich nicht gucken werde. Dies ist das erste Mal in der Geschichte. Aber bei dieser WM-Vergabe ging es nur um Kohle. In einem Land zu kicken mit knapp drei Millionen Einwohnern und keiner Fußballkultur - unverständlich. Überall auf der Welt wäre es besser gewesen.

WM-Tipp: Belgien.

Tino Reucher (TSV Bockum): Eine WM im Winter, und dann auch noch wo sie stattfindet, ist eine richtige Katastrophe. Alles, was jetzt hochkommt und diskutiert wird, hätte bei der Vergabe passieren müssen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist es eigentlich viel zu spät. Aber als leidenschaftlicher Fußballer schaue ich mir natürlich auch das ein oder andere Spiel an.

WM-Tipp: Frankreich.

Fatih Polat (SC Viktoria Anrath): Ich bin ja bekanntlich Türke und mein Landist nicht dabei. Eine WM im Winter, ganz ehrlich: kaum zu fassen. Auch deshalb glaube ich an einen Gewinner, den aktuell kaum einer auf der Rechnung hat.

WM-Tipp: Dänemark.

Michael Dürrwald (Borussia Oedt): Was der Zeitpunkt betrifft, bin ich absolut dagegen. Doch nun ein großes Fass aufzumachen, wo es losgeht, ist viel zu spät; typisch deutsch. Natürlich werde ich die WM gucken. Es bringt keinem was, wenn ich den Fernseher auslasse.

WM-Tipp: Frankreich.

Sebastian Suski (VfR Fischeln III): Die Haltung in Katar gegenüber Frauen und Homosexuelle ist verwerflich. Dort darf keine WM stattfinden. Im Winter zu spielen, die Bundesliga und die Ligen darunter zu unterbrechen, ist unmöglich. Doch im Umkehrschluss sollte klar sein, dass wir unsere Elf unterstützen und das ein oder andere Spiel gucken sollten.

WM-Tipp: Belgien.

Andreas Voss (C-Junioren, SC Bayer Uerdingen) Aus sportlicher Sicht ist das schon sehr eigenartig und ungewohnt. Eine Winter-WM hatten wir noch nie. Zu dem Ereignis die richtige Spannung aufzubauen, ist gewöhnunsgbedürftig. Nach einer kurzen Vorbereitung geht nun alles Schlag auf Schlag.

WM-Tipp: Frankreich.

Andre Wienes (Hülser SV): Kein einfaches Thema, aber ich werde wohl gucken. Doch von Vorfreude oder gar von Euphorie kann ich nicht sprechen. Ferner hoffe ich ganz stark, dass die Gelegenheiten und Möglichkeiten weltweit genutzt werden, auf die Probleme in diesem Land hinzuweisen.

WM-Tipp: Spanien.

Roland Glasmacher (VfL Willich): Seiddem ich mich für Fußball interessiere, und das ist fast mein ganzes Leben, ist dies die uninteressanteste WM. Zeitpunkt, Land, Geld, Krieg und Machenschaften ist ein Sammelsurium aus allem. Ich bin kein Boykottler. Für die Jungs, die da sind, ist es vielleicht das einzige Mal, sich auf solch einer Bühne zu präsentieren.

WM-Tipp: Brasilien.

Ronny Kockel (VfR Fischeln): Ich freue mich in erster Linie auf die WM. Natürlich gibt es aktuell viel Kritik. Ein Zug, auf den andere aufspringen, das mache ich nicht. Das hätte man früher machen sollen. Dass es im Fußball nur noch ums Geld geht, ist doch nichts Neues. Der deutschen Mannschaft traue ich viel zu. Mal sehen, wie sich die kurze Vorbereitungsphase auswirkt. Aber die Spieler müssten eigentlich im Rhythmus sein.

WM-Tipp: Deutschland.

Alexander Thamm (SC St. Tönis): Über den Gastgeber wurde ausreichend gesprochen und es gab verständlicherweise viele kritische Worte. Fakt ist aber, dass es ein Verfahren um die Vergabe gab. Und jetzt geht es um das Wesentliche. Das ist jetzt der Sport. Bei den Bayern fragt ja auch keiner, woher das Geld kommt. Von daher freue ich mich auf die WM. Dass die deutsche Mannschaft einen Spieler wie Gündogan auf der Bank hat, zeigt ihre brutale Qualität. Übersteht sie die Vorrunde, ist alles möglich.

WM-Tipp: Frankreich.

David Machnik (VfL Tönisberg): Es hätte erst gar nicht so weit kommen dürfen, dass Katar die WM ausrichtet. Dass es ein Skandal war, darüber sind sich sicher alle einig. Aber ich werde die WM sehen und möchte mir den Fußball nicht kaputt machen lassen. Die deutsche Mannschaft ist in der Offensive sehr gut aufgestellt, hat aber Schwächen in der Defensive und wird oft ausgekontert. Von daher zählt sie für mich nicht zu den Favoriten.

WM-Tipp: Argentinien.

Kalli Himmelmann (vereinslos): Meiner Meinung nach darf die WM nicht stattfinden, wenn man zuletzt in Berichten gesehen hat, was da so los ist. Außerdem geht es eigentlich nur noch um Geld und Macht. Von der deutschen Mannschaft glaube ich, dass sie das Turnier gewinnen kann. Aber das gilt für sieben bis acht andere auch. Entscheidend könnte sein, welches Team sich am schnellsten findet.

WM-Tipp: Einen klaren Favoriten habe ich aber nicht.

André Meier (SV Thomasstadt Kempen): Es gibt durchaus viele Blickwinkel, aus denen die WM kritisch zu betrachten ist. Das ist auch der Grund, warum bei mir bisher keine rechte WM-Stimmung aufgekommen ist. Ich werde mir sicher kein Bein ausreißen, um Spiele sehen zu können. Es wird nicht so sein wie bisher. Ich bin gespannt, wie sich die deutsche Mannschaft schlägt. Zu den Top-Favoriten zähle ich sie aber nicht.

WM-Tipp: Frankreich oder Brasilien wird’s.

Aufrufe: 020.11.2022, 08:00 Uhr
RP / Uwe Worringer und Werner FuckAutor