
Wasserburg-Torjäger Robin Ungerath hat eine lange Leidenszeit hinter sich. In der laufenden Saison ist der Ex-Profi nicht zu stoppen.
Robin Ungerath trifft derzeit fast nach Belieben. Mit 27 Saisontoren, davon 13 allein im März, hat der Angreifer den TSV 1880 Wasserburg an die Spitze der Landesliga Südost geschossen. Dass er dabei nach eigener Aussage „in der besten Form, in der ich jemals war“, ist, macht die Saison umso bemerkenswerter. Noch vor nicht allzu langer Zeit stand für ihn sogar die Frage im Raum, ob er überhaupt noch einmal Fußball spielen würde.
In seiner Karriere war der Angreifer verfolgt vom Verletzungspech. Ungerath startete seine Karriere beim TSV Bad Endorf, ehe es ihn erstmals zum TSV Wasserburg zog. Der ambitionierte Torjäger wechselte daraufhin zu Wacker Burghausen und von dort aus in die Österreichische Bundesliga zum SV Ried. Nach dem gescheiterten Intermezzo ging es zurück nach Wasserburg, wo er nach einer langen Leidenszeit endlich angreifen kann.
Für Ungerath ist die laufende Spielzeit viel mehr als nur seine erfolgreichste Saison. „Alles, was ich wollte, war einfach nochmal über einen längeren Zeitraum Fußball zu spielen“, sagt Ungerath im Gespräch mit Fussball Vorort/FuPa Oberbayern. Der Torjäger weiter: „Ich war mir nicht sicher, ob ich jemals noch Fußball spiele.“
Umso schöner ist für den Ex-Profi die aktuelle Phase. Dass Ungerath aktuell den besten Fußball seiner Karriere spielt, kann auch Trainer Florian Heller bestätigen. „Das kann durchaus sein“, sagt der Wasserburger Coach. „Er ist mit Sicherheit einer der Top-Stürmer, wenn nicht der Top-Stürmer in der Landesliga.“
Alles, was ich wollte, war einfach nochmal über einen längeren Zeitraum Fußball zu spielen.
Robin Ungerath über sein größtes Ziel nach der langen Leidenszeit
Dass er im März geradezu explodierte, überrascht Ungerath selbst. Fünferpack in Aubing, Dreierpack in Freilassing, dazu weitere wichtige Treffer in Spitzenspielen – bei Wasserburg geht aktuell fast alles über den Torjäger. „Natürlich geht gerade sehr viel auf“, sagt er. Gleichzeitig verweist Ungerath auf die Qualität des Tabellenführers: „Wir spielen gerade einfach einen soliden Fußball und ich bin gut in Form.“
Dass es aktuell so gut läuft, führt Coach Heller vor allem auf das neue Körpergefühl seines Stürmers zurück. „Er hat ein totales Vertrauen in seinen Körper, vor allem in sein Knie“, sagt der Trainer. Gerade nach der langen Verletzungshistorie sei das ein entscheidender Faktor.
Zur aktuellen Form trägt auch sein hohes Fitnesslevel bei. Seine Wintervorbereitung wirkt fast genauso außergewöhnlich wie seine Geschichte. Im Januar umrundete Ungerath Gran Canaria in vier Tagen zu Fuß – mehr als 230 Kilometer und 5000 Höhenmeter. Eine extreme Challenge, die zugleich Marketingaktion für seine eigene Supplementfirma war. „Ich mag extreme Sachen“, sagt er und lacht.
Extrem ist auch Ungeraths aktueller Lebensstil – rund 70 Stunden pro Woche investiert er in sein Startup, dazu Fußball, Spiele und Wochenendtermine. „Mein Leben besteht nur aus Sport und meinem Start-up“, sagt er. Dass Ungerath trotz dieses durchgetakteten Alltags die Lockerheit nicht verliert, zeigt auch ein Blick auf seinen Jubel. Den hat der VfB-Fan von Deniz Undav übernommen, dessen Unbekümmertheit und Spielstil ihn begeistern.
Dank der famosen letzten Wochen können Ungerath und der TSV Wasserburg nun vom Aufstieg träumen. Der Aufstieg mit den Löwen ist für den Stürmer ein großer Anreiz, trotzdem schaut er aktuell nur von Spiel zu Spiel. „Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, gegen wen wir übernächste Woche spielen oder gegen wen wir überhaupt noch spielen“, sagt er.
Dass Ungerath im Titelrennen sogar zum entscheidenden Faktor werden kann, daran hat auch Heller keine Zweifel. „Ja, kann er. Definitiv.“ Und Robin Ungerath selbst? Der will vor allem, dass die Quote weiter steigt. „Ich hoffe, dass der April ähnlich gut verläuft.“ Sollte das gelingen, könnte am Ende nicht nur die beste Saison seiner Karriere stehen – sondern auch der Aufstieg des TSV Wasserburg in die Bayernliga.