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"Vor einigen Jahren wurde konsequent auf den Nachwuchs gesetzt"

Unser Fußball, unsere Vereine: Wie der VfB Scharnhorst Großgörschen zu neuer Blüte fand

Mit der Serie "Unser Fußball, unsere Vereine" wollen wir die Amateure während der Zeit der irrsinnigen WM in Katar noch mehr in den Fokus setzen, wollen euch Clubs aus den untersten Spielklassen des Bundeslandes und ihre Geschichten vorstellen. Im ersten Teil präsentieren wir den VfB Scharnhorst Großgörschen aus der Kreisliga 2 Burgenland.

Fußball im ländlichen Raum anzubieten, wird zunehmend schwieriger. Davon können viele Vereinsverantwortliche ein Liedchen singen. Die Mannschaften werden im Schnitt immer Älter, der Nachwuchs fehlt immer häufiger, nach und nach werden Teams zurückgezogen. "Die Zeiten, in denen jedes Dorf zwei Männermannschaften hatte, sind vorbei", weiß auch Martin Sichting. Und doch: Im Falle des VfB Scharnhorst Großgörschen ist die Zeit, in der es mehrere Mannschaften gibt, gerade erst gekommen.

Kluge Köpfe und eine klare Ausrichtung

Im Sommer meldete der Kreisligist aus dem 800-Seelen-Ort im Burgenlandkreis eine zweite Herrenmannschaft in der Kreisklasse, im vergangenen Jahr ein Frauenteam als Spielgemeinschaft mit der SG Räpitz aus Sachsen. "Bei uns ist der Trend in den vergangenen Jahren extrem positiv", freut sich also Martin Sichting, der Trainer der Kreisliga-Vertretung. "Das ist schon eine bemerkenswerte Entwicklung", betont der 32-Jährige, der zwei maßgebliche Schlüssel zum Erfolg sieht: "Natürlich steht und fällt es einerseits mit den Leuten, die sich dafür einsetzen. Wir haben das Glück, vier kluge Köpfe in der Sektionsleitung zu haben, die mit viel Herzblut dabei sind und das ganze sehr gut lenken. Andererseits hat der Club genau den richtigen Weg eingeschlagen. Vor einigen Jahren wurde konsequent auf den Nachwuchs gesetzt und davon profitieren wir heute."

14 Jahre lang war Tino Prößdorf (rechts) für den VfB verantwortlich, inzwischen unterstützt er Martin Sichting als Co-Trainer.
14 Jahre lang war Tino Prößdorf (rechts) für den VfB verantwortlich, inzwischen unterstützt er Martin Sichting als Co-Trainer. – Foto: Verein

So haben die Herren in den vergangenen Jahren in zwei großen Schüben jeweils viel frisches Blut aus dem eigenen Nachwuchs dazubekommen. "Das tat der Altersstruktur und der Qualität der Mannschaft gut", freut sich Sichting, der mit dem Kreisligisten aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz steht. Und ob des guten Unterbaus - auch in dieser Saison hat der VfB wieder fünf Nachwuchsteams im Spielbetrieb - blickt Sichting sehr positiv in die Zukunft. "Ich sehe bei uns das Potenzial, dass es eines Tages über die Kreisebene hinausgehen kann", sagt er und betont zugleich: "Dafür braucht es unsere Nachwuchsarbeit als tragende Säule."

Frauenmannschaft hat sich bestens etabliert

Jene engagierte Nachwuchsarbeit ermöglichte im vergangenen Sommer auch die Gründung des Frauenteams. "Wir hatten im Nachwuchs einige talentierte Mädels, denen wir über die B-Jugend hinaus eine Perspektive bei uns im Verein bieten wollten", erzählt Sichting. "Anfangs war das Vorhaben ein kleines Wagnis, aber es hat sich extrem positiv entwickelt." Nach dem dritten Platz in der Premierensaison führt SG Großgörschen/Räpitz das Tableau der Regionalklasse 4 in dieser Spielzeit sogar an.

Es gibt also nicht viel, worüber man sich beim VfB Scharnhorst Großgörschen dieser Tage beschweren könnte. "Vielleicht am ehesten noch darüber, dass es auf dem Platz ziemlich eng wird, wenn der ganze Nachwuchs trainiert", sagt Sichting mit einem Lachen - wohlwissend, dass es sich dabei um ein "Luxusproblem, das viele Vereine gerne hätten", handelt. Klar ist: "Wir wollen den eingeschlagenen Weg Schritt für Schritt weitergehen. Ich glaube, dass unsere erste Mannschaft reif ist für den Aufstieg in die Kreisoberliga." Und vielleicht wird im 800-Seelen-Ort Großgörschen ja eines Tages wieder Landesklasse-Fußball - so wie letztmalig in der Saison 2002/03. In einer Zeit, als viele Dörfer noch zwei Männermannschaften hatten.

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Aufrufe: 021.11.2022, 19:00 Uhr
Kevin GehringAutor