Roxheims Coach Achim Reimann verpasste denkbar knapp den Aufstieg in die Bezirksliga.
Roxheims Coach Achim Reimann verpasste denkbar knapp den Aufstieg in die Bezirksliga. – Foto: stock.adobe/Mario Luge

Roxheim-Coach Reimann: Kopfkino bis in die Nacht

Roxheims Trainer Achim Reimann hat ein Spiel wie das 5:6 gegen Kirschweiler noch nie erlebt +++ Entgleisung des Zuschauers aufarbeiten

BAD KREUZNACH. Es hatte schon etwas von einem Jahrhundertspiel. Emotionen wie aus dem dritten Relegationsduell im Aufstiegsrennen zur Bezirksliga Nahe in Kirn zwischen der SG Kirschweiler und dem TuS Roxheim (6:5, siehe auch Bericht unten) erlebt ein Fußballer wahrscheinlich – wenn überhaupt – nur einmal im Leben. Auch der Roxheimer Trainer, Achim Reimann, konnte sich nicht an einen ähnlichen Spielverlauf erinnern. Es dauerte einige Zeit, bis der sonst so sprachgewandte TuS-Coach die Worte wiedergefunden hatte.

Herr Reimann, haben Sie so etwas wie am Freitagabend in Kirn schon einmal erlebt?

Nein, in meinen 34 Jahren Trainertätigkeit ist mir so etwas noch nicht passiert. Ich war danach absolut sprachlos, und das kommt selten vor. Wenn man etwas mit Leib und Seele betreibt, ist das aber auch normal, denke ich. Ich bin Vereinsmensch und daher emotional ganz dicht dran. Wichtig ist aber, dass man nach einem solchen Niederschlag wieder aufsteht und nicht liegen bleibt.

Wie haben Sie den Verlauf erlebt, was war aus Ihrer Sicht spielentscheidend?

Bis in die Nachtzeit ist bei mir Kopfkino gelaufen, habe ich versucht, eine Erklärung zu finden. Aber es ist eigentlich kaum zu erklären. Wir waren 75 Minuten die bessere Mannschaft, darin waren sich eigentlich alle einig. Drei schnelle Tore, den Anschluss zum 1:3 und das 2:4 direkt wieder mit eigenen Treffern beantwortet, und eine Viertelstunde vor Schluss mit drei Toren geführt. Ich gebe zu, da habe auch ich gedacht: „Das war‘s.“ Natürlich habe ich es nicht laut gesagt.

Einen Spielbericht lest ihr hier.

Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf...

Ja. Ich denke, wir waren uns alle zu sicher, und was Kirschweiler dann daraus gemacht hat, war natürlich auch top. Der Doppelschlag zum 5:3 und 5:4 hat uns richtig getroffen, diese beiden Tore haben wir zu einfach hergeschenkt. Und dadurch hat sich auch der Ausgleich fast schon angekündigt. Wir haben im Grunde eine totgeglaubte Mannschaft wiederbelebt. Dass das 5:5 durch ein Stolpertor in der Nachspielzeit fällt, passt irgendwie ins Bild. Dann darf man das Wetter nicht vergessen, da steckst Du so etwas nicht so einfach weg.

Eben aufgrund der hohen Temperaturen rechneten viele mit einer Entscheidung im Elfmeterschießen, oder?

Durchaus. Aber ein Standard kann immer etwas bewirken. Auch fünf Minuten vor Schluss. Und der hat dann leider den Weg flach durch viele Beine ins Tor gefunden. Auf der anderen Seite hat uns bei zwei dicken Chancen auch das Glück gefehlt.

SG Kirschweiler
6:5
TuS Roxheim

Das eine ist die sportliche Enttäuschung, zu der aber eine menschliche Entgleisung durch einen Zuschauer kam. Was haben Sie davon mitbekommen?

So richtig habe ich es nicht gesehen. Vorausgegangen war ein Platzverweis gegen einen unserer Spieler. Danach lief ein Zuschauer aufs Feld, der von den Ordnern aber schnell wieder runtergebracht wurde. Ein solches vereinsschädigendes Verhalten darf nicht sein. Ich bedauere das sehr und kann mich nur dafür entschuldigen. Als Verein distanzieren wir uns deutlich von einer solchen Aktion. Dafür steht der TuS Roxheim nicht. Wir werden das auch unabhängig von anderen Strafen vereinsintern aufarbeiten.

Was bleibt nach einem solchen Spiel?

Wir dürfen nicht nur das Negative sehen, es gibt letztlich auch ganz viel Positives aus einer langen Saison mitzunehmen. Natürlich haben wir das Kreispokalfinale nach Elfmeterschießen verloren und dann auch noch das dritte Relegationsspiel in der Verlängerung. Aber alleine, dass wir in diesen Wettbewerben so weit gekommen sind, ist ein Erfolg. Wir stellen nach zwei schwierigen Ereignissen doch nicht die Arbeit von sechs Jahren infrage. Die Ergebnisse sind schließlich nur Momentaufnahmen. Und mit etwas Abstand verarbeiten wir auch die Enttäuschung.

Hat ihre Mannschaft schon mit einer Aufarbeitung des letzten Saisonspiels begonnen?

Wir hatten eigentlich keine große Verweildauer in der Kirner Kabine. Normalerweise sitzt man nach einer Niederlage gerne schnell im Auto und fährt nach Hause. Am Freitag sind wir aber noch mit 20 Mann ins Klubheim gefahren. Das Team ist zusammengerückt und hat sich getröstet. Das war großartig.

Was bedeutet die Niederlage von Kirn für Planungen der neuen Saison?

Es ändert sich nichts. Wir werden einen neuen Anlauf nehmen. Es gibt keinen Aderlass, die Spieler haben unabhängig von der Liga zugesagt. Mein Sohn Julian kommt zurück und wird gemeinsam mit Nico Richter in den Trainerjob reinschnuppern. So können wir dieses Amt sanft und ohne Zeitdruck übergeben und ich kann mich langsam zurückziehen.

Das Interview führte Mario Luge.



Aufrufe: 021.6.2022, 17:30 Uhr
Mario LugeAutor