
Die Endrunde der 41. Hallenstadtmeisterschaft in Mönchengladbach hatte am Samstag einen unrühmlichen Höhepunkt. Im siebten Spiel der Gruppenphase gegen 18 Uhr kam es auf der Tribüne zu einem Tumult, der letztlich für eine Unterbrechung von rund einer Stunde sorgte. Der Auslöser dafür war eine Kleinigkeit, aus der dann am Ende leider viel mehr wurde, als dies dem Verlauf des Abends guttat.
Gut drei Minuten vor dem Ende der Partie zwischen dem Polizei SV und Türkiyemspor kam es zu einer Zeitstrafe, die auf der Tribüne offenbar unterschiedlich bewertet wurde. Innerhalb von Sekunden, so berichtete ein Zuschauer, der genau zwischen den beiden Streithähnen saß, brach ein Streit vom Zaun, der dann handgreiflich wurde und auch auf die Spieler auf den Hallenboden überschwappte, zwei Spieler des PSV sprangen in der Folge sogar in den Zuschauerbereich.
Danach unterbrach Schiedsrichter Ümit Göksu die Partie, als es dann weitergehen sollten, wollten einige der daran unbeteiligten Vereine nicht mehr weiterspielen. Letztlich zog aber nur Blau-Weiß Wickrathhahn, zu diesem Zeitpunkt bereits ausgeschieden, das auch durch. Der Stadtsportbund als Ausrichter sprach letztlich mit allen beteiligten Vereinen und sorgte so wohl auch dafür, dass es weitergehen konnte.
Mit ein wenig Abstand haben wir dann aber das Gespräch mit dem PSV und Türkiyemspor noch einmal gesucht. Mittendrin im Geschehen war als PSV-Trainer nicht zuletzt Erhan Kuralay. Der findet zunächst einmal lobende Worte für den Türkiyemspor-Vorsitzenden Onur Canbolat und den Trainer Ufuk Isik: "Beide haben die gesamte Zeit über versucht, das Geschehen zu beruhigen und dazu sicher auch eine ganze Menge beigetragen", lobt er. Auch am Tag nach den Geschehnissen sei er noch nachdenklich gewesen. "Wenn die Sicherheit der eigenen Fans nicht mehr gewährleistet ist, wenn das Leben bedroht wird, auch wenn das zum Glück ja oft verbal bleibt, dann habe ich schon sehr gemischte Gefühle." Zwischen den beiden Vereinen gab es zudem auch eine Vorgeschichte, die bei einem Duell in der Meisterschaft vor drei Jahren offenbar ihren Anfang fand.
Was sich letztlich genau wie abgespielt hat, lässt sich nur anhand von Aussagen Dritter darstellen. Kuralay erzählt, PSV-Zuschauer seien von Türkiyemspor-Anhängern beleidigt und bedroht worden, sagt aber auch, dass die Mannschaften sich zwar in diesen Disput hätten ein stückweit hineinziehen lassen, miteinander aber eigentlich kein echtes Problem gehabt. "Bei den Zuschauern, die man auch auf den Bildern bei FuPa sehen kann, sind Personen zu erkennen, bei denen das nicht das erste Mal ist. Ich weiß auch nicht, wie man da die Reißleine ziehen kann", räumt er ein. In der Tat hat der Verein nur insoweit Einfluss auf die Anhänger in seinem "Fanblock", als dass er selbst als Endrunden-Teilnehmer 20 Tickets erhält. Wer sich sonst dazugesellt, ist kaum zu kontrollieren.
Weiterspielen wollte auch Kuralay eigentlich nicht. "Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, war ich eigentlich dagegen." Doch ein Abbruch hätte die Veranstaltung wohl nachhaltig beschädigt, und vielleicht erst recht weitere Tumulte hervorgerufen. "Ich gebe auch offen zu, dass ich selbst auch aufgebracht war, weil auch mein Sohn mit dabei war. Aber es war auch die Familie von Ufuk Isik im Block, und die hatten auch Angst bei dem, was da passiert ist. Das kann ich einfach nicht verstehen." Im Bereich der Kabinen, und da hat kein Verein bisher etwas anderes behauptet, hat sich nichts mehr ereignet, anders, als sich dies zunächst darstellte.
Auf der Gegenseite beklagt der Türkiyemspor-Vorsitzende Onur Canbolat vor allem, dass alle Vorwürfe grundsätzlich seinem Verein angelastet würden. "Ich bin seit 2017 Vorsitzender, und es war das zweite Mal, dass aus unserem Anhang etwas passiert ist. In fast allen Vereinen gibt es Spieler mit türkischen Wurzeln, am Ende wird das dann immer uns angelastet. Vor ein paar Jahren ist auch mal ein Böller gezündet worden. Wenn wir an dem Tag dabei gewesen wären, hätte man uns das sicher auch zugeschoben", erklärt er. Manchmal sind Zuschauer in der Halle dabei, die ich seit Jahren bei uns auf dem Platz nicht gesehen habe. Diese pauschale Kritik macht mich einfach sehr traurig, das hat mich persönlich getroffen. Da muss ich mich manchmal sogar echt bremsen, nichts zu sagen", fügt Canbolat an, der mit seinem Verein auch eine Reihe sozialer Projekte angestoßen und unterstützt hat.
Letztlich ist klar: Hat sich ein Spieler nicht richtig verhalten, muss er persönliche Konsequenzen akzeptieren. Das wird die Sportgerichtsbarkeit zu entscheiden haben. Der Stadtsportbund hat derweil durch seinen Vorsitzenden Hans Wilhelm Reiners angekündigt, intern aufzuarbeiten, wie in Zukunft bei einem solchen Vorfall reagiert werden soll und wie eine Unterbrechung kürzer gehalten werden kann. Eines ist aber auch klar: Viele Menschen bilden sich zu den Vorgängen eine Meinung, ohne die Vorgänge wirklich bewerten zu können. Auch in unserem YouTube-Chat beim Livestream gab es Kommentare, die sich so einfach nicht gehören und die wir, um das mal ganz klarzustellen, in unserem Chat nicht haben wollen. Dann wären alle schon ein ganzes Stück weiter. Und so wie sich jetzt alles darstellt, wäre ein Turnierausschluss, von wem auch immer, nicht sachgerecht gewesen. Und letztlich ist weit mehr Vernunft von den Beteiligten zu hören, als teils auf den Rängen zu erkennen war.
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