Ausgelassene Jubelszenen bei den Kürnbachern nach Schlusspfiff.
Ausgelassene Jubelszenen bei den Kürnbachern nach Schlusspfiff. – Foto: Siegfried Lörz

Der perfekte Abschied

Landesliga Rhein-Neckar +++ Andreas Macelski hinterlässt große Fußstapfen in Kürnbach

Andreas Macelski weiß genau, wie er eine Gruppe zum Erfolg führen kann. Als am Samstag um 17 Uhr der TSV Kürnbach seinen Kreis vor dem Anpfiff mit sämtlichen Kaderspielern und Betreuern auf dem Feld machte, war es eben nicht der Spielertrainer, der das Wort ergriff, sondern sein wichtigster Kollege. "Armin Bauer ist unschätzbar wertvoll für mich gewesen und hat mich unfassbar stark unterstützt", zog Macelski sprichwörtlich seinen Hut vor dem Kürnbacher Urgestein, der der Mannschaft in dieser Ansprache den letzten emotionalen Schliff verpasste.

Acht Minuten später führte der TSV 1:0 im Relegationsfinale gegen den VfB Leimen und war ein Mann mehr auf dem Platz. Es lief über 90 Minuten beängstigend gut für Kürnbach, was nur bedingt etwas mit Glück zu tun hatte. "Wir waren komplett fokussiert und wollten einfach. Leimen mag in gewissen Phasen spielerisch gut gewesen sein, aber die hätten auch so keine Chance gehabt", hätte Macelski auch im elf gegen elf keinerlei Zweifel am Sieg seiner Mannschaft gehabt.

Anpeitscht von gut und gerne 300 Kürnbacher Zuschauern, die zu den 921 Besuchern auf dem Sportgelände des TSV Waldangelloch gehörten, bewies der TSV mal wieder, was ihn seit so vielen Jahren auszeichnet. Jeder lief für seinen Nebenmann, defensiv agierten die Kürnbacher extrem kompakt und kamen nur in Bredouille, wenn sie im Aufbauspiel den Ball verloren haben. An Glückwünschen im Vorfeld mangelte es nicht. "Die Neckarauer und Horrenberger haben uns extra Videos geschickt und viel Glück gewünscht", erzählte Macelski.

Auf dem Feld war er, wie in der kompletten Rückrunde, der lautstarke Organisator aus der defensiven Zentrale. „Ich hätte mir keinen schöneren Abschluss vorstellen können“, konstatierte er und verriet eine ganz besondere Anekdote, die er lange für sich behalten hat. "In der E-Jugend habe 1991 auch mein allererstes Spiel für Kürnbach gemacht unter dem Trainer Aydin Genc."

Beide lagen sich am Samstagabend in den Armen und kamen dabei auch auf ihr erstes Aufeinandertreffen zu sprechen. "Das stimmt, als Andi mit seiner Familie nach Kürnbach gezogen ist, hat er bei uns seine ersten Schritte auf dem Fußballplatz gemacht", erzählte Abteilungsleiter Genc. Ein Jahr lang hatten die beiden das Vergnügen, ehe Macelski mit seinen Eltern nach Oberderdingen weiterzog.

28 Jahre später, im Sommer 2020 erfolgte die Rückkehr. Macelski übernahm den TSV von Daniel Kreuzer, der in seinen acht Jahren als Coach gleich zwei Landesliga-Aufstiege feiern durfte. Alles andere als ein leichtes Erbe für den Neuen, der aber dank seiner großen Empathie und fachlichen Kompetenz schnell den kompletten Verein hinter sich wusste. Das Lob gab er sofort zurück: "Der TSV Kürnbach ist ein Verein, den man lange suchen muss. Hier wird das Allerbeste aus wenig Möglichkeiten herausgeholt und man kann in Ruhe arbeiten. Deshalb ziehe ich meinen Hut vor Marcel und Aydin, sie haben mir das Vertrauen geschenkt und Recht behalten."

Mit dem Klassenerhalt endet die Zusammenarbeit. Macelski hat eine große berufliche Chance bekommen und leitet für die kommenden Jahren einen großen deutschen Küchenarmaturen-Hersteller in der Schweiz. "Ich habe alle Termine so gelegt, dass es am Montag direkt losgehen kann", geht es für den 39-Jährigen nach den Feierlichkeiten in Kürnbach sofort Richtung Schweiz.

Was weiterhin bestehen bleiben wird, ist der Kontakt zum TSV. "Ich werde aufmerksam verfolgen, wie es weitergeht. Ich habe hier nicht einfach nur Spieler, sondern auch viele Freunde kennengelernt", sagte er. Seinen Trainerjob verstand er stets als zeitlich aufwendige Arbeit, zweimal die Woche ins Training und danach gleich nach Hause, war nie sein Ding. "Mir ist bewusst, dass so etwas nicht möglich wäre, wenn meine Frau nicht zu 100 Prozent dahinerstehen würde", hob er sich die wichtigsten Personen bis zum Schluss auf, "neben meiner Frau ist mein Vater sicherlich mein größter Fan und immer mit Feuereifer bei den Spielen dabei gewesen."

Als Spieler werden sie ihren Andi zwar nicht mehr unterstützen können, aber als Trainer will er definitiv zurückkehren. Er verspricht: "Das habe ich fest vor."

Aufrufe: 023.6.2022, 15:00 Uhr
red.Autor