
Nach fünf Jahren beim USC Paloma II wird Mohamed-Ali Snoussi sein Amt als Cheftrainer zum Saisonende niederlegen. Im Interview wird deutlich: Die Entscheidung ist das Ergebnis eines längeren Prozesses - und kein kurzfristiger Entschluss.
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Wann hast du für dich gemerkt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, bei Paloma II zum Saisonende aufzuhören?
Snoussi: „Der Gedanke war immer mal wieder da und ist dann in dieser Saison gereift. Es gab dabei nicht den einen ausschlaggebenden Grund, sondern eher ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Vorweg muss ich sagen, dass der Verein uns immer sehr unterstützt hat. Sowohl von Vereinsseite als auch innerhalb der Mannschaft und im gesamten Umfeld hat das alles wirklich sehr gut funktioniert. Am Ende sind es dann aber persönliche Entscheidungen, die dazu führen. Ein wesentlicher Punkt ist sicherlich, dass wir das große Ziel, den Aufstieg in die Landesliga, erreicht haben. Das war das klare Ziel des Vereins und das haben wir geschafft. Dass wir jetzt weiterhin eine verhältnismäßig stabile Rolle in der Landesliga spielen, freut mich besonders und erfüllt mich auch.
Der zweite Punkt ist die besondere Herausforderung in einer zweiten Mannschaft. Man hat alle sechs Monate kleinere und jedes Jahr größere Umbrüche im Kader. Dabei war es bei uns gar nicht so, dass viele Spieler bewusst den Verein gewechselt haben, das wäre planbarer gewesen. Die größere Schwierigkeit waren spontane Ausfälle, häufig aus beruflichen, privaten oder familiären Gründen, auch mitten in der Saison. Das erschwert die sportliche Entwicklung enorm. Gerade das Spiel mit dem Ball braucht Zeit, Struktur und eine klare Herangehensweise, um sich kontinuierlich zu entwickeln. Das ist unter solchen Bedingungen schwer umzusetzen. Das Spiel gegen den Ball lässt sich deutlich schneller vermitteln, aber gerade die Arbeit mit dem Ball ist das, worin ich als Trainer besonders aufgehe. Wenn das nicht in der Form möglich ist, macht es den Job für mich deutlich anspruchsvoller, weil es ein innerer Abnutzungskampf wird. Hinzu kommt, dass der Spielerpool für Neuzugänge für eine zweite Mannschaft sehr begrenzt ist und man solche Dynamiken nicht immer kompensieren kann.
Der dritte Punkt betrifft meine persönliche Situation. Ich habe gemerkt, dass durch die genannten Herausforderungen die Belastung zunehmend der in meinem Beruf als Lehrer ähnelt, sowohl vom Stresslevel als auch von den organisatorischen Aufgaben. Die daraus resultierende hohe und für mich gefühlt doppelte Entscheidungsdichte bei gleichzeitiger Führungsverantwortung darf dabei nicht unterschätzt werden. Dadurch konnte ich mich weniger auf die rein sportliche Arbeit konzentrieren. Mir war diese Herausforderung bewusst und ich habe die Aufgabe auch immer sehr gerne gemacht, aber es kostet auf Dauer viel Energie. Nach fünf Jahren ist für mich deshalb der Zeitpunkt gekommen, zu sagen, dass es jetzt der richtige Moment ist, am Ende der Saison eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit beim USC Paloma zu beenden.“
Wie du bereits erwähnt hast, seid ihr gemeinsam in die Landesliga aufstiegen und ihr habt euch auch schnell konsolidiert. Worauf blickst du besonders gern zurück?
Snoussi: „Definitiv die erstmalige Meisterschaft und der damalige erstmalige Landesliga-Aufstieg in einer sehr starken Bezirksliga-Staffel, als wir mit Eintracht Norderstedt II, FC St. Pauli III und SC Sperber zu viert über einen langen Zeitraum um den Aufstieg gespielt haben. Alle vier Teams haben kaum Punkte liegen lassen, das war schon besonders. Neben dem Holsten-Pokalsieg blicke ich auch sehr gerne auf die vergangene Landesliga-Saison zurück. Als Tabellenvierter war das die erfolgreichste Saison dieser Mannschaft, mit vielen richtig spannenden Spielen.
Das waren auch Spiele, in denen man als Trainer unter der Woche die richtigen Schwerpunkte gesetzt hat und die Jungs schnell verstanden haben, worauf es ankommt. Für uns war eigentlich weniger der Gegner an sich entscheidend, sondern vor allem das gegnerische System. Und wir haben es geschafft, für die Systeme in der Liga Lösungen zu entwickeln, um zumindest einen guten taktischen Zugriff zu bekommen. Das hat in der Saison einfach richtig gut funktioniert und darauf blicke ich sehr gerne zurück.“
Gibt es ein Spiel, das dir für immer in Erinnerung bleiben wird?
Snoussi: „Puh, es gab schon einige Spiele. Ich würde sagen, das Finale im Holsten-Pokal vor über 500 zahlenden Zuschauern, die damals in den Vereinsfarben beider Teams für einen besonderen Moment gesorgt haben. Spontan erinnere ich mich aber auch sehr gerne an unseren 4:0-Auswärtssieg beim Bramfelder SV in der vergangenen Saison.
Freitagabend an der Ellernreihe, ein guter Gegner, coole Atmosphäre, ein intensives Landesliga-Spiel auf hohem Niveau und wir haben eine überragende, gnadenlose Performance gezeigt. Das war schon besonders. Vor allem, wenn man danach die Freude der Jungs gesehen hat, das bleibt einfach hängen.“
Du bist ab Sommer aktuell noch vereinslos - welche neue Aufgabe könntest du dir vorstellen? Gibt es eine Wunschliga?
Snoussi: „Der USC Paloma ist einfach mein Verein. Ich war hier schon in der Jugend als Trainer aktiv und deshalb fällt mir der Abgang und auch der Gedanke an einen möglichen neuen Verein überhaupt nicht leicht. Ich muss glücklicherweise erstmal nichts überstürzen, weil mir eine Pause genauso guttun kann wie eine neue passende Aufgabe.
Ich möchte definitiv als hauptverantwortlicher Trainer im Herrenbereich weitermachen. Die Bedingungen für eine zweite Mannschaft beim USC Paloma waren schon richtig gut, aber ich möchte in Zukunft gerne die Privilegien einer ersten Mannschaft genießen.
Ich bin eigentlich eher bescheiden und zurückhaltend, wenn es um meine Fähigkeiten und Leistungen geht, aber ich glaube, ich kann inzwischen mit all dem Feedback, das ich über die fünf Jahre bekommen habe und den erzielten Erfolgen mit einer zweiten Mannschaft von einer Bezirksliga-Meisterschaft über einen Abstiegskampf in der Landesliga bis hin zu einer starken Landesliga-Saison schon selbstbewusst an zukünftige Aufgaben in der Landes- oder Oberliga herangehen.“
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