– Foto: Christopher Plischka

Sensenmann, Vaterfreuden & Zuschauerrolle

„Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass Oberheldrungen und Bad Frankenhausen mal in der Landesklasse gegeneinander spielen, hätte ich gefragt ob der Helm zu straff sitzt“, sagt Marcus Bödger mit Blick auf das erste Derby beider Vereine in der Landesklasse.

Darüber, dass er selber aufgrund einer Verletzung nicht dabei sein kann, ist der 31-Jährige sogar ein bisschen froh. Zudem freut sich Marcus Bödger darauf, wenn einer seiner besten Freunde nach dem Spiel das Portemonnaie öffnet.

Ein Ligaduell beider Vereine sucht der interessierte Statistiker im FuPa-Archiv bisher vergebens. Einzig in Testspielen standen sich beide Lokalrivalen in den letzten Jahren gegenüber. Hier gab es neben fünf klaren Siegen für BW 91 auch ein 2:2-Unentschieden im Jahr 2018. Dieses Ergebnis würde der Aufsteiger aus Oberheldrungen wohl auch im ersten Landesklasse-Duell gegen den Verbandsliga-Absteiger so nehmen.

Marcus Bödger, der die Trikots beider Vereine schon trug, wird hingegen nicht für die Kurstädter auflaufen. Eine Adduktoren- und Schambein-Entzündung zwingt den Mittelfeldspieler aktuell zur Pause. „Das ist echt ekelhaft und langwierig. Ich habe eine ganze Zeit mit Schmerzen gespielt. Aber zum Schluss war es eine Qual. Ich hoffe, dass ich zur Rückrunde wieder fit bin. Mario Basler hatte mal die gleiche Verletzung, aber wahrscheinlich kam es bei ihm nicht vom Fußball spielen (lacht)“, so „Bödi“.

"Sense nicht auspacken"

Erst letztes Wochenende war Marcus zur Stippvisite bei den ehemaligen Kollegen in Oberheldrungen und sah eine knappe 3:4-Niederlage der LSG. Natürlich war auch nach dem Spiel bereits das Derby Gesprächsthema am Tresen: „Auch wenn es sich vielleicht für manche komisch anhört, bin ich ein bisschen froh nicht spielen zu müssen. Ich mag es einfach nicht gegen Freunde zu spielen. Ich bin ja schon ein kleiner Heißsporn auf dem Platz und spiele körperbetont. Da könnte ich die Sense nicht auspacken.“ Fast täglich steht Marcus Bödger noch im engen Austausch mit vielen ehemaligen Spielern aus Oberheldrungen. Gute Freundschaften sind in den letzten Jahren entstanden. Und so schlagen auch zwei Herzen in Marcus' Brust.

Großen Respekt hat der 31-Jährige für das Erreichte bei der LSG 80. „Das ist wirklich sensationell, was da entstanden ist. Dass sie über Jahre schon vieles richtig machen, ist ja bekannt. Da gibt es ganz viele Beispiele u.a. die Nachwuchsarbeit oder auch die Ausrichtung des Pokalendspiels. Der Aufstieg war dann die Belohnung für die jahrelange gute Arbeit“, schickt Marcus lobende Worte in Richtung seines ehemaligen Vereins. Was den sportlichen Vergleich angeht, erwartet der verletzte Bödger aber klare Verhältnisse auf dem Platz: „Ich denke Bad Frankenhausen wird ganz viel Ballbesitz haben und das Spiel machen. Oberheldrungen wird sich auf das Verteidigen konzentrieren. Ich hoffe, dass es ein spannendes Spiel wird und sich niemand verletzt. Ich hoffe am Ende der Saison hält Oberheldrungen die Klasse und wir stehen so weit wie möglich oben.“

Genesungswünsche & Vaterfreuden

Zwei Sachen liegen Marcus zum Schluss aber noch am Herzen. Zum einen schickt er Genesungswünsche an LSG-Kapitän Sebastian Held, der sich letzte Woche eine Platzwunde zuzog. Er wird also wie Marcus nur in der Zuschauerrolle sein. Freuen dürfen sich aber beide auf ein Bier nach dem Spiel gemeinsam mit Christopher Plischka. „Er soll am Samstag das Portemonnaie nicht vergessen. Ich gratuliere ihn auf jeden Fall ganz herzlich zum Vaterglück“, sagt „Bödi“ abschließend nicht ganz uneigennützig.

Aufrufe: 010.11.2022, 15:00 Uhr
André HofmannAutor