2024-06-24T10:12:48.875Z

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Das Verhältnis zu seinen Spielern bezeichnet Schmöller als „sehr gutes, fast väterlich.“
Das Verhältnis zu seinen Spielern bezeichnet Schmöller als „sehr gutes, fast väterlich.“ – Foto: IMAGO/Ulrich Wagner

Schmöller-Comeback als Co-Trainer von Giannikis? „Könnte ich mir sogar vorstellen“

Junglöwen-Trainer im Interview

Im Interview spricht Frank Schmöller über die Arbeit beim TSV 1860 München, Vergleiche mit der SpVgg Unterhaching und seine Zukunft.

München – Frank Schmöller hat sich beim TSV 1860 schnell einen guten Ruf erarbeitet. Als Cheftrainer der U21 arbeitet Schmöller an der Schnittstelle zwischen Profi-Fußball und dem renommierten Nachwuchsleistungszentrum. Zuletzt betreute der einstige Bundesliga-Stürmer das Drittliga-Team. Im Interview mit Fussball Vorort/FuPa Oberbayern spricht Schmöller nun über die Arbeit mit den Junglöwen, besondere Spiele und Vergleiche zur SpVgg Unterhaching. Außerdem hält der erfahrene Cheftrainer trotz fehlender Trainerlizenz eine Hintertür zu den Profis offen.

Hallo Herr Schmöller, nach der starken Hinserie und Rang vier in der Bayernliga hatte die Mannschaft in der Rückrunde Probleme. Wie bewerten Sie den Start?

Das war nicht der Start, den wir uns vorgestellt haben. Dafür gibt es Erklärungen, aber nie eine Entschuldigung. Das Problem ist: Im Grunde genommen kannst du Niederlagen nicht wiedergutmachen, weil die drei Punkte sind weg.

Frank Schmöller setzt beim TSV 1860 München auf „Siegermentalität“

Solange die Löwen in der 3. Liga sind, kann auch die zweite Mannschaft nicht aufsteigen. Fehlt es deshalb vielleicht manchmal am letzten Biss?

Ich konnte mit Pullach und Ismaning nicht aufsteigen, trotzdem sind wir Meister geworden. Unser Hauptziel bei 1860 ist es zwar, Spieler zu entwickeln, aber ich hasse es, zu verlieren. Im deutschen Fußball und der Nationalmannschaft findet gerade ein Umbruch statt. Weiterentwicklung heißt nicht nur, ein Spieler kann Hacke, Spitze eins, zwei, drei, sondern es gilt, eine Siegermentalität zu entwickeln. Ich gehe auf den Platz und ich weiß, dass ich gewinne. Das fördere ich bei den Jungs brutal.

Bei den Niederlagen waren teilweise auch Spieler aus dem Drittliga-Kader wie Eliot Muteba und Milos Cocic im Einsatz. Wie kriegt man solche Spieler motiviert, die eigentlich im Profi-Fußball ihre Spuren hinterlassen wollen?

Warum sollte ich diese Spieler gesondert motivieren müssen? Sie wissen genau: Argirios Giannikis und ich tauschen uns aus. Da sollte sich ein Spieler in jeder Partie entsprechend präsentieren wollen. Bleibt einmal die Leistung aus, dann gibt es ein entsprechendes Feedback. Wir verlangen ein professionelles Verhalten und eine entsprechende Einstellung.

„Wenn jemand nicht performt oder die falsche Einstellung an den Tag legt, habe ich alle Freiheiten und kann darauf reagieren.“

Frank Schmöller über den Einsatz von Profis bei der U21 des TSV 1860.

Haben Spieler aus der Drittliga-Mannschaft Priorität in der Aufstellung oder entscheiden Sie das selbst?

Wenn ein Spieler aus der Profi-Mannschaft zu uns kommt, kannst du ihn nicht auf die Bank setzen, denn die brauchen Spielpraxis. Im Spiel herrscht dann aber das Leistungsprinzip. Das heißt, wenn jemand nicht performt oder die falsche Einstellung an den Tag legt, habe ich alle Freiheiten und kann darauf reagieren.

Im Winter hat euch Kapitän Mason Judge verlassen. Insgesamt herrscht jedes Jahr eine hohe Fluktuation im Kader. Fehlt es in schwächeren Phasen an Führungsspielern?

Das muss man getrennt betrachten. Mason hatte Ambitionen und ein Angebot aus der 2. Liga in Österreich. Für ganz oben hat es bei uns leider nicht gereicht. Er war ein Führungsspieler. Wir legen einen großen Wert auf Hierarchie. Das darf aber keine Ausrede sein. Der entscheidende Führungsspieler ist der Trainer und der sitzt draußen auf der Bank. Mit 18 oder 19 Jahren ist noch nicht jeder so weit.

Die meisten Jungs träumen bei 1860 von der Profi-Karriere. Oft klappt es nicht, wie gehen Trainer und Mannschaft damit um?

Das Entscheidende muss für die Spieler sein, dass wir eine gute Gemeinschaft haben. Und es ist nicht das Schlechteste, 1860 auf der Visitenkarte zu haben. Das öffnet weitere Türen. Die Jungs können unter sehr guten Bedingungen trainieren und mit tollen Physiotherapeuten und Athletiktrainern arbeiten. Nicht jeder wird den Sprung in den höheren Profifußball schaffen, aber mit einer guten Leistung bei der U21 von Sechzig ist die Tür für den höheren Fußball weit geöffnet. 1860 ist ein Sprungbrett.

„Zwischen Lenzi und mich hat nichts dazwischen gepasst. Wir waren im stetigen Austausch.“

Frank Schmöller über den zum TSV Landsberg abgewanderten Lorenz Knöferl.

Mit Ouro-Tagba hat zuletzt wieder ein junger Spieler aus der zweiten Mannschaft den Sprung geschafft. Als Interimstrainer, haben Sie ihn gegen Waldhof Mannheim gebracht, inzwischen bekommt er auch unter Giannikis regelmäßig Minuten und ist togolesischer Nationalspieler. Erfüllt einen sowas mit Stolz?

Nein, weil ich nicht sein großer Förderer oder Entdecker bin. Ouro-Tagba kam in der U11 zu 1860, da hatten viele Leute ihre Hände im Spiel. Trotz Profi-Vertrag hat er bei Maurizio Jacobacci damals keine Einsätze bekommen. Zurück in der U21 hat er etwas gebraucht, sehr viel gearbeitet und ist dann Stück für Stück besser geworden. Deshalb habe ich ihm gegen Mannheim die Chance gegeben. Das ist aber keine Arbeit von Frank Schmöller, das ist eine Leistung des gesamten NLZ.

Mit Lorenz Knöferl hat ein junger Spieler die Löwen jüngst verlassen und in einem Interview mit uns erklärt, dass ihm das Fußballspielen bei 1860 verwehrt wurde. Was sind ihre Gedanken dazu?

Ich hatte mit Lenzi ein gutes Verhältnis, er wusste, dass es nicht meine Entscheidung war. Er hat im Training immer gepusht und Gas gegeben. Natürlich war es eine schwierige Situation für ihn und dass dann nicht alles gelingt, ist nachvollziehbar. Zwischen Lenzi und mich hat nichts dazwischen gepasst. Wir waren im stetigen Austausch. Mich freut es, dass er in Landsberg gut angekommen ist.

… und er hat beim Spiel gegen euch direkt getroffen. Sind Spiele gegen Landsberg etwas Besonderes geworden? Neben Knöferl spielen dort ja zahlreiche Ex-Spieler von Ihnen.

Ich glaube, 80 Prozent der Landsberger Spieler haben irgendwann bei mir gespielt. (lacht) Ich pflege zu vielen Jungs ein enges Verhältnis und man frotzelt nach dem Spiel. Mit Daniel Leugner habe ich regelmäßig Kontakt. Etwas Besonderes ist das Spiel aber eher, weil Landsberg eine unfassbare individuelle Qualität und massig Erfahrung hat. Meine Jungs sind noch nicht so weit.

„Bei den Löwen ist die Wucht durch die Fanbase und die Medien eine andere. Hier haben es junge Spieler schwieriger.“

Frank Schmöller über Vergleiche zwischen 1860 und der SpVgg Unterhaching.

Mit Heimstetten und Ismaning sind zwei Ex-Klubs von Ihnen in der Bayernliga. Entsteht hierdurch zusätzliche Motivation?

Das ist im Großen und Ganzen verflogen, auch wenn die Trennung in Ismaning nicht so schön gelaufen ist. In den ersten Spielen war man sicherlich ein Stück motivierter, weil man da unbedingt gewinnen wollte. Inzwischen ist in Ismaning mit Jacky aber auch ein echter Freund im Amt. Wenn man gewonnen hat, kann man beim Kaffeetrinken den Anderen mal hopsnehmen. Umgekehrt habe ich das nicht so gern.

Schauen wir noch auf einen anderen Ex-Klub. Bei der SpVgg Unterhaching haben Sie ihre Spielerkarriere beendet. Dort bekommen junge Spieler regelmäßig die Chance. Sollte sich 1860 daran ein Beispiel nehmen?

Es ist sehr mutig, dass sie junge Spieler reinschmeißen, aber da gibt es grundlegende Unterschiede. Haching kommt aus der Regionalliga und hat wenig Druck. Bei den Löwen ist die Wucht durch die Fanbase und die Medien eine andere. Hier haben es junge Spieler schwieriger. Aber wir haben vorhin über Mansour Ouro-Tagba gesprochen, Moritz Bangerter hat gegen Köln sein Profi-Debüt gefeiert und Lukas Reich wird eventuell bald seine Chance bekommen. Insgesamt kann ich ohne Vereinsbrille aber neidlos anerkennen, dass das Haching gut macht.

Der Sprung für Talente bei 1860 ist groß, auch wegen „Maschinen wie Reinthaler oder Verlaat“.
Der Sprung für Talente bei 1860 ist groß, auch wegen „Maschinen wie Reinthaler oder Verlaat“. – Foto: sampics / Stefan Matzke

Der Sprung ist groß. Oben hast du teilweise einfach Maschinen wie Reinthaler oder Verlaat.

Frank Schmöller, Trainer der U21 des TSV 1860, über die Chance für Eigengewächse.

Wünschen Sie sich nicht manchmal den Mut, dass ein junger Spieler, der gerade ein Formhoch hat, einfach mal Minuten in der 3. Liga bekommt?

Es ist nicht so, dass wir Talenten bei 1860 keine Chance geben. Das haben wir schon auch mit Morgalla, Glück und Ouro-Tagba gemacht. Auch Knöferl hat man sehr früh reingeschmissen und er hat sein Tor gemacht. Ob ihm das so gutgetan hat, weiß man nicht. Der Sprung ist groß. Oben hast du teilweise einfach Maschinen wie einen Reinthaler oder einen Verlaat. Als junger Kerl da Fuß zu fassen, ist nicht einfach. Aber wie eben gesagt, es gibt auch in dieser Saison die Spieler, die den Sprung schaffen.

Manche hätten Sie auch gerne längerfristig bei den Profis von 1860 gesehen. Aufgrund der fehlenden Trainerlizenz war das aber nicht möglich. Bereuen Sie, dass Sie die Lizenz nie gemacht haben?

Das bereust du immer mal wieder. Leider war der Ausflug bei der ersten Mannschaft nicht von Erfolg gekrönt. Das ist jetzt nicht gerade ein Ruhmesblatt für mich. Ich ärgere mich heute noch über die beiden Spiele und hinterfrage mich, was wir anders hätten machen können. Es hat aber Spaß gemacht, mit so einer Truppe täglich zu arbeiten. Die Entscheidung gegen die Fußballlehrerlizenz habe ich damals getroffen und es gab Gründe dafür. Das ist nicht rückgängig zu machen.

Frank Schmöller betreute die 1860-Profis bei den Auswärtsniederlagen gegen Bielefeld und Mannheim.
Frank Schmöller betreute die 1860-Profis bei den Auswärtsniederlagen gegen Bielefeld und Mannheim. – Foto: Sampics / Stefan Matzke

„Unter einem Trainer wie Argirios Giannikis könnte ich mir die Rolle des Co-Trainers sogar vorstellen.“

Frank Schmöller über eine mögliche Rolle als Co-Trainer.

Sie sind erst 57 und scheinen noch ordentlich Lust zu haben. Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus?

Ich darf bei 1860 eine unglaubliche Reise gehen. Manchmal ist es bei Sechzig nicht leicht, aber es macht wahnsinnig Spaß, mit den Spielern und den Menschen zu arbeiten. Die Reise mit der ersten Mannschaft war nochmal ein Erlebnis. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Viele Fans wollten Sie zumindest als Co-Trainer bei der ersten Mannschaft behalten. Das haben SIe aber im Januar grundsätzlich ausgeschlossen. Warum?

Unter einem Trainer wie Argirios Giannikis könnte ich mir die Rolle des Co-Trainers sogar vorstellen. Ich müsste mich aber etwas zurücknehmen, da ich eher die dominante Persönlichkeit bin. Gleichzeitig pflege ich mit meinen Spielern ein sehr gutes, fast väterliches Verhältnis. Das kann als Co-Trainer einer Mannschaft auch förderlich sein. Ich würde es nicht ganz ausschließen, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht besonders groß. (Das Interview führte Boris Manz.)

Aufrufe: 011.4.2024, 15:15 Uhr
Boris ManzAutor