
Der Aufstieg von GW Harburg in die Kreisliga Hamburg ist mehr als nur der Lohn einer starken Saison. Er ist auch das Ergebnis eines langen Neuaufbaus, der nach schwierigen Jahren nun seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Die Mannschaft von Samatar „Sam“ Weheliye beendete die Spielzeit in der Kreisklasse Hamburg auf Rang drei, sammelte 50 Punkte, erzielte 95 Tore - und durfte am Ende als bester Dritter doch noch den Sprung nach oben feiern.
„Wir sind natürlich alle sehr glücklich über diesen Aufstieg“, sagt Weheliye. Die Freude ist verständlich, denn der Weg dorthin war keineswegs selbstverständlich. Die Herrenmannschaft war 2021 nach einer Nichtmeldung für die Corona-Saison 2020/21 wieder ins Leben gerufen worden. Schon 2022 gelang der Sprung in die Kreisklasse, dort blieb GW Harburg anschließend aber vier Spielzeiten.
Besonders der Sommer 2024 war ein Einschnitt. Ein Großteil der Mannschaft verließ den Verein, der Neuaufbau musste mit verbliebenen Spielern und der eigenen A-Jugend der Jahrgänge 2005 und 2006 gestaltet werden. Die folgende Saison wurde zur Übergangsphase, die GW Harburg auf Platz fünf abschloss.
Im Laufe der Rückrunde kamen bereits neue Spieler dazu, im Sommer 2025 folgten weitere Verstärkungen. So ging die Mannschaft mit einem deutlich stabileren Gerüst in die Saison 2025/26. Schnell zeichnete sich ab, dass es an der Spitze auf einen Dreikampf mit Juventude und Dersimspor II hinauslaufen würde.
GW Harburg gewann in der Hinrunde bei Juventude, verlor aber zu Hause gegen Dersimspor II und ließ beim 2:2 gegen Harburger Türk-Sport II nach einer 2:0-Führung Punkte liegen. Damit blieb die Ausgangslage eng - und nach der langen Winterpause wegen des Schnees tat sich die Mannschaft zunächst schwer. Das erste Punktspiel 2026 bei Einigkeit Wilhelmsburg wurde erst in der Nachspielzeit gewonnen.
Der sportliche Höhepunkt des Jahres war aus Weheliyes Sicht der 2:1-Sieg bei Dersimspor II. GW Harburg gewann dort trotz mehrerer ausgelassener Möglichkeiten verdient und setzte ein großes Ausrufezeichen im Aufstiegsrennen. Direkt danach folgte allerdings die nächste Ernüchterung: Beim 1:1 gegen FSV Harburg-Rönneburg II ließ die Mannschaft erneut Punkte liegen, obwohl sie viele Chancen hatte.
Zum absoluten Showdown kam es am vorletzten Spieltag am Marienkäferweg. Tabellenführer Juventude war zu Gast, GW Harburg hätte mit einem Sieg Platz zwei sicher gehabt. Doch trotz einer 2:0-Führung und später doppelter Überzahl verlor die Mannschaft noch mit 3:4. „Eine sehr bittere Niederlage“, sagt Weheliye.
Weil Dersimspor II am letzten Spieltag gegen Juventude gewann, blieb GW Harburg am Ende Rang drei. Zunächst wirkte das wie ein knapp verpasster Aufstieg. Zwei Wochen später folgte jedoch die Wende: Als bester Dritter durfte GW Harburg doch noch hoch.
Für Weheliye ist der Aufstieg auch der Lohn einer kontinuierlichen Arbeit. Der Trainer ist seit 2021 im Amt und hat den Neuaufbau begleitet. Die Mannschaft ist jung, der Altersdurchschnitt liegt bei 23,5 Jahren. Dazu steht bereits der nächste A-Jugend-Jahrgang in den Startlöchern, der perspektivisch an den Herrenbereich herangeführt werden soll.
„Wir haben das Potenzial, um eine ordentliche Rolle zu spielen“, blickt Weheliye auf die kommende Kreisliga-Saison. Dort warten viele Derbys auf GW Harburg - und eine neue Herausforderung für eine Mannschaft, die schon in der Aufstiegssaison gezeigt hat, dass sie Rückschläge verarbeiten kann.
Am Ende steht deshalb nicht nur ein nachträglicher Aufstieg. Es steht die Bestätigung eines Weges, der 2021 neu begonnen wurde, 2024 noch einmal deutlich schwerer wurde und nun mit dem Sprung in die Kreisliga belohnt wird.
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