2024-04-20T08:00:28.265Z

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Das Derby zwischen 02ern und dem SV Niedernhausen war vom Kampf geprägt.
Das Derby zwischen 02ern und dem SV Niedernhausen war vom Kampf geprägt. – Foto: Willi Roth

Rote Karte gegen Ivan Rebic wird zum Knackpunkt

Früher Platzverweis für Niedernhausens Stürmer, der den 4:1-Derbysieg des FV Biebrich 02 begünstigt

Wiesbaden. Die Resonanz beim Derby Biebrich 02 gegen SV Niedernhausen, die beide in der Verbandsliga zum Verbleib jeden Punkt brauchen, war überschaubar. Die zum Abpfiff gerade mal anwesenden 80 Zuschauer – die meisten wohl aus dem Umfeld der Teams und Vereine, sowie zwei Fußballfreunde, die seit Jahrzehnten auf Wiesbadens Plätzen zu sehen sind – durften sich über Sonnenschein freuen - und erlebten ein Spiel mit Emotionen und Aufregern. Mit einem umstrittenen Platzverweis, einem überglücklichen Torjäger und einem restlos bedienten. Der 4:1-Erfolg der 02er fiel am Ende zu deutlich aus.

Nazeem Aboubakari nutzt SVN-Schnitzer

Im Verlauf des Spiels sollte dann noch die 100-Besucher-Marke geknackt werden. Den Teams war es egal. Beim kämpferischen Patt der Startphase war es ein pingpongartiges Hin und Her auf dem kleinen Kunstrasen, ehe die Gäste in der Vorwärtsbewegung patzten und Nazeem Aboubakari, einer der besten bei Biebrich, aus halblinker Position zum 1:0 versenkte. Wenige Augenblicke später herrschte helle Aufregung. Der Referee hatte nach dem Duell von 02er Tom Luft und SVNler Ivan Rebic auf Freistoß für Niedernhausen erkannt. Der Schiedsrichter-Assistent signalisierte parallel mit entsprechender Geste den regelwidrigen Einsatz des Ellenbogens. Folge: Ivan Rebic, allenthalben als sehr fairer Spieler bekannt, erhielt Rot und der Schiedsrichter-Assistent wurde temporär umlagert.

Ivan Rebic kann Rot nicht nachvollziehen

„Ich löse mich, treffe ihn leicht und er sagt Tätlichkeit“, konnte der Niedernhausener die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Mutwillig war das nicht“, sagte 02-Youngster Tom Luft, der sich in Biebrichs Abwehrreihe als Stammkraft etabliert hat. „Ich habe das komplette Vertrauen unseres Trainers bekommen, das lässt mich freier aufspielen. Und die Mannschaft hat mich gut aufgenommen“, sagt der 19-Jährige, der so gar nicht mit Meinungen konform geht, die Spieler der jüngsten Generation im Aktivenbereich würden einsatzmäßig nicht mehr alles für den Fußball geben: „Das nervt mich. Vielleicht ist das bei Einzelnen so. Aber bei uns haben alle Bock, die aus der A-Jugend aufgerückt sind.“

Orkun Zer nach Dreierpack im siebten Himmel

Einsatzmäßig agierten die Derby-Kontrahenten durchaus auf höchstem Level, aber fußballerisch blieben trotz beiderseits individuell starker Akteure viele Wünsche offen. Für Rebic war es ein gebrauchter, für Orkun Zer ein Tag zurück zum Selbstverständnis des Toreschießens. Vor der Pause stellte er auf 2:0, später folgten zwei weitere Tore zum Dreierpack. „Darauf habe ich seit dem 25. November hingearbeitet“, strich Zer nach dem Abpfiff mit seinem Sohn auf dem Arm heraus. Wo er doch am 25. November vergangenen Jahres beim 3:1 über Hadamar als Ersatzspieler nicht zum Einsatz gekommen war.

Dominik Ortega Tapia und das Alupech

Allerdings: Ungeachtet der Unterzahl gab Niedernhausen nie auf. Nach dem Anschlusstor zum 3:1 durch SVN-Spielertrainer Maurice Burkhardt setzte Teamgefährte Dominik Ortega Tapia den Ball zwei Mal an den Torrahmen, ließ noch eine weitere Topchance aus, ehe Zer mit dem 4:1 alles für die 02er, die durch David Meurer noch die Latte trafen, klarmachte. „Aus meiner Sicht waren wir anfangs besser im Spiel“, sah Burkhardt den Platzverweis als Schlüsselszene und ist sich bewusst, das es in Sachen Klassenerhalt „noch sehr schwer wird.“ Niedernhausens Sportlicher Leiter Stephan Mohr fand: „In den Strafräumen war Biebrich giftiger, hat besser verteidigt und war vorne effektiver.“ Die Rote Karte habe dann dafür gesorgt, „dass das Spiel umgeht“, hofft Mohr nun, dass Rebic bei der Bemessung der Sperre glimpflich davonkommt. Unabhängig davon „muss jetzt gegen Wieseck gewonnen werden, ohne Wenn und Aber.“

Maurice Pinger erleichtert

Biebrichs Mittelfeld-Ankurbler Maurice Pinger, der einiges einstecken musste, zeigte sich nach gerade kuriertem Bänderriss im Knöchel nach dem Dreier erleichtert. „Wir sind sehr froh, das war eine gute Teamleistung und ein wichtiger Sieg. Wir haben alle viel Vertrauen in die Mannschaft“, glaubt Pinger fest an den Verbleib in Hessens zweithöchster Klasse.

Moritz Christ konzentriert sich ganz auf Genesung

Biebrichs Moritz Christ war genauso erleichtert über den Erfolg. Der 29-jährige Defensivspieler, der im September 2023 in Waldgirmes einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten hatte, ist stets ganz nah drangeblieben an der Mannschaft. Die Reha verlangt ihm noch immer alles ab. Dazu die Arbeit als Selbstständiger im Dentallabor. Fitnessstudio und Fahrradfahren, das sei schon wieder möglich, sagt er. Ob es ein Comeback auf dem Fußballplatz geben wird, ist nach jetziger Gefühlslage unwahrscheinlich: „Aktuell sehe ich das eher nicht. Aber ein Hintertürchen halte ich mir offen. Erst einmal konzentriere ich mich auf die Genesung und darauf, wieder ein komplett sicheres Gefühl zu bekommen.“ Was den Platzverweis angeht, sah Moritz Christ die Szene „als weit weg von Rot“.

FV Biebrich 02: Reichold; Bolela, Luft, Schug, Meurer (53. Dorul)), M. Tahiri (87. Bidiwa), Koch, Pinger (69. Iosifidis), Amoako, Aboubakari, V. Zer.

SV Niedernhausen: Ozawa; Kwafo de Graft, Anin Junior, Burkhardt, Waldraff, Scholz, Ortega Tapia, L. Blenske (69. Hönig), Baier, Frusteri (89. Veljko Ruzic), I. Rebic.

Tore: 1:0 Aboubakari (28.), 2:0, 3:0, 4:1 Zer (41./67./85.), 3:1 Burkhardt (68.). – Schiedsrichter: Luca Mellin. – Zuschauer: 100. – Rot: Rebic (33.).

Aufrufe: 025.2.2024, 13:02 Uhr
Stephan NeumannAutor