
Ja, man kann es nicht anders sagen: In der aktuellen Regionalliga-Saison hat sich Anton Heinz beim FC Bayern München II als die erhoffte Lebensversicherung im Sturmzentrum etabliert. Der 28-Jährige, der im Sommer 2025 vom Drittligisten Alemannia Aachen an den Bayern-Campus wechselte, füllt die Lücke, die erfahrene Kräfte wie etwa Timo Kern hinterließen, bis dato souverän aus.
Für Heinz, der gebürtig aus Gütersloh stammt und zuvor ausschließlich für Vereine in Nordrhein-Westfalen wie den SC Verl, SV Lippstadt oder Rot-Weiß Oberhausen aufgelaufen ist, markiert der Wechsel nach München den ersten Karriereschritt außerhalb seiner Heimatregion. Dass er als Bayern-Fan bereits in der Kindheit in der Bettwäsche des Rekordmeisters schlief, machte die Entscheidung für die U23 für ihn leicht. Ex-Sportlicher Leiter Markus Weinzierl verpflichtete ihn gezielt als einen von drei erlaubten Ü23-Spielern, um der jungen Mannschaft mit Erfahrung, Physis und einer klaren Abschlussorientierung Stabilität zu verleihen.
Heinz rechtfertigte dieses Vertrauen von Beginn an - und unterstrich seine Vormachtstellung unter anderem durch einen Viererpack gegen den FC Memmingen. Mit bislang 19 Saisontoren führt er die interne Torschützenliste der Bayern-Amateure an.
Besonders gefürchtet ist Heinz für seinen starken linken Fuß und seine Qualität bei Standardsituationen - er gilt als einer der besten Freistoßschützen der Liga, was er bereits in seiner Zeit in Aachen mit drei direkt verwandelten Freistößen in einem einzigen Spiel auf beeindruckende Art unter Beweis stellte.
Mit einer Körpergröße von 1,87 Metern bringt er die nötige Wucht für das Zentrum mit, ist jedoch spielerisch variabel genug, um auch auf die Flügel auszuweichen oder sich fallen zu lassen. Besonders das Zusammenspiel mit jungen Talenten wie Guido Della Rovere hat sich als Erfolgsfaktor erwiesen, da Heinz Räume schafft und durch seine Abgeklärtheit für Entlastung sorgt.
Er bringt die Routine eines Profis mit, der bereits als Torschützenkönig der Regionalliga West den Aufstieg in die 3. Liga gefeiert hat, und kombiniert diese mit dem ungebrochenen Hunger, sich im Trikot seines Herzensvereins Woche für Woche neu zu beweisen.
Anton: Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf? Was läuft gut, was weniger gut?
Es ist eine herausfordernde Saison. Durch die aktuell vielen Verletzten und einige Spielerwechsel in der Winterpause haben wir wenig Rhythmus als Team gewonnen. Dafür machen wir es aber eigentlich ganz gut - auch wenn wir weiter oben in der Tabelle mitspielen wollten.
Wenn du im Strafraum stehst und der Ball kommt – wie viel davon ist antizipierter Plan und wie viel purer Stürmer-Instinkt?
Beides ist wichtig, aber auf meinen Instinkt vertraue ich mehr.
Kann man das Toreschießen eigentlich lernen? Oder ist man am Ende einfach mit diesem einen Gen geboren, das andere nicht haben?
Das Wichtigste beim Tore schießen ist das Selbstbewusstsein. Mit Zweifeln im Gepäck wird man keine Tore erzielen, deswegen kann man mittels Training viel Routine bekommen.
Welcher Abwehrspieler oder welcher Torwart in der Regionalliga Bayern hat dir bisher das Leben am schwersten gemacht - und warum?
Im Heimspiel kürzlich gegen Vilzing habe ich es nicht geschafft, den Torwart oder auch die Abwehrspieler mit meinen Schüssen zu überwinden, obwohl ich einige gute Gelegenheiten hatte.
Hast du ein spezielles „Torgarantie-Ritual“?
Früher ja, aber ich habe mich davon gelöst, weil ich mich gedanklich nicht davon abhängig machen möchte, ob ich Tore schieße, nur wenn ich davor ein Ritual mache.

Was macht das Toreschießen in der Regionalliga Bayern im Vergleich zu anderen Ligen so speziell?
Auswärts sind die Plätze relativ eng und teilweise schwer zu bespielen, wodurch unser auf Passspiel ausgelegter Spielstil schwerer umsetzbar wird.
Welches Tor deiner bisherigen Karriere würdest du dir am liebsten jeden Abend vor dem Einschlafen noch einmal ansehen?
Die drei Freistoßtore in einem Spiel in der Aufstiegssaison mit Alemannia Aachen.
Wenn du dir ein Tor aussuchen dürftest, das du diese Saison noch schießt: Wäre es der technisch perfekte Fallrückzieher oder der dreckige Abstauber in der 94. Minute zum Derbysieg?
Da wir kein Derby mehr spielen, nehme ich das Fallrückzieher-Tor. Sonst immer das Tor, das zum Sieg führt.

Wer in deiner Mannschaft serviert dir die Bälle so perfekt auf dem Silbertablett, dass du dich nach dem Tor eigentlich nur beim Vorlagengeber bedanken müsstest?
Zu Beginn der Saison war es zunächst Guido della Rovere, wir haben uns blind verstanden. Mit der Zeit hat Artur Degraf mir auch ein paar Tore aufgelegt - und zuletzt suchte mich Michael Scott immer wieder.
Von welchem Weltklasse-Stürmer hast du dir in deiner Jugend (oder heute noch)eigentlich die meisten Tricks abgeschaut?
Das ist Cristiano Ronaldo - egal, ob auf oder neben dem Platz.
Hast du dir für diese Saison eine bestimmte Torquote vorgenommen? Oder zählt am Ende wirklich nur der Tabellenplatz der Mannschaft?
Nein, das mache ich nicht. Ich schaue immer von Spiel zu Spiel. Am Ende steht tatsächlich immer der Erfolg des Teams im Vordergrund. Und ich versuche einfach, mit meinen Toren einen Betrag dazu zu leisten.

Abschließend: Wo steht deine Mannschaft am Ende dieser Regionalliga-Saison?
Aufgrund der aktuellen Personallage und den Verletzungssorgen: auf einem einstelligen Tabellenplatz.
Dafür alles Gute! Vielen Dank für deine Zeit und die Beantwortung unserer Fragen.