
Das International Football Association Board dürften viele Fußballer im vergangenen Jahr zum ersten Mal gehört haben, denn die IFAB ist für die Spielregeln im Fußball verantwortlich. Zur Saison 2023/24 wurde eine wichtige Regeländerung für Torhüter beschlossen und umgesetzt und auch bei der jüngsten Anpassung stehen die Keeper im Fokus. Das Ziel: weniger Zeitspiel in engen Spielen.
Zur Saison 2023/24 wurde eingeführt, dass sich Torhüter bei einem Elfmeter ruhig verhalten müssen. Sprich: Sie dürfen nicht mehr versuchen, den Schützen durch Psycho-Tricks zu beeinflussen. Prominente Beispiele waren hierfür Jerzy Dudek, der beim Champions-League-Finale 2005 den Liverpool FC zum Sieg durch Tanzeinlagen auf der Linie im Elfmeterschießen gegen den AC Mailand verhalf, oder Welttorhüter Emiliano Martinez. Der Argentinier suchte während der Weltmeisterschaft 2022 immer wieder den Kontakt zum gegnerischen Elfmeterschützen und versuchte die Spieler entweder verbal, durch Gesten oder durch das Halten des Balles aus der Ruhe zu bringen. Aktionen dieser Art sind untersagt. Torhüter dürfen Elfmeterschützen - egal ob im Elfmeterschießen, während der regulären Spielzeit oder in der Verlängerung - weder behindern noch beeinflussen. Die Keeper müssen mit mindestens einem Fuß auf der Linie haben und müssen sich bis zur Ausführung ruhig und emotionslos verhalten. Das gilt für den Profifußball und auch für die Hobbykicker in den Amateurligen.
Die neueste Regelanpassung wird derzeit vom International Football Association Board in der Premier League 2 getestet. Hier spielen die Nachwuchs-Mannschaften der Premier-League-Teams in einer eigenen Liga gegeneinander. Die Situationen, um die es geht, kennt jeder: Torhüter reizen in engen Spielen das Zeitspiel aus, manchmal werden die Keeper mit der gelben Karte bestraft. Die sogenannte Sechs-Sekunden-Regel - Zeitraum, in dem der Torhüter den Ball mit der Hand kontrollieren darf - wird oftmals überschritten.
Ein Grund dafür: Würden Schiedsrichter das Vergehen konsequent ahnden, gäbe es einen indirekten Freistoß für das gegnerische Team. Ein indirekter Freistoß im gleicht einer Großchance, auch deshalb entscheiden sich wohl die meisten Schiedsrichter gegen diese Regelauslegung. Die Idee der IFAB sieht vor: Die Sechs-Sekunden-Regel auf acht Sekunden auszudehnen (sprich: Acht-Sekunden-Regel) und bei einem Verstoß soll die gegnerische Mannschaft einen Eckball erhalten. Der Schiedsrichter soll mit seiner Hand einen Countdown von fünf bis null signalisieren, die Torhüter bekommen beim ersten Vergehen eine mündliche Ermahnung, für jedes weitere die gelbe Karte.
Erfolgreich kann diese geplante Regeländerung natürlich nur dann sein, wenn Schiedsrichter sie konsequent umsetzen. Eine Implementierung im Regelwerk dürfte für den Profi- und Amateurfußball frühestens zur Saison 2025/26 erfolgen.
