
Der SV Curslack-Neuengamme hat eine Saison hinter sich, die emotional kaum gegensätzlicher hätte verlaufen können. Erst gelang der Aufstieg über die Relegation, dann folgte in der Oberliga Hamburg eine Spielzeit, in der schnell klar wurde, wie groß der Sprung in Hamburgs höchste Spielklasse tatsächlich war. Am Ende steht der Abstieg. Klar, schmerzhaft, aber aus Sicht von Olaf Poschmann nicht ohne Erkenntnisse.
„Wir haben relativ früh gemerkt, dass es schwierig werden würde, eigentlich schon in den ersten Spielen nach dem Aufstieg. Da hat man gesehen, dass das Niveau in der Oberliga deutlich höher ist und kleine Fehler sofort bestraft werden. Spätestens als wir eine Phase mit mehreren Niederlagen am Stück hatten, war klar, dass es ein harter Kampf um den Klassenerhalt wird“, sagt Poschmann im Gespräch mit FuPa.
Damit war die Ausgangslage früh belastet. Curslack musste nach dem Relegationsjubel schnell akzeptieren, dass die Oberliga wenig Raum für Anpassungsphasen lässt. Fehler, die eine Liga tiefer vielleicht noch aufgefangen wurden, hatten plötzlich direkte Folgen. Aus Euphorie wurde ein Kampf gegen die Tabelle, aus diesem Kampf wurde mit der Zeit die Erkenntnis, dass die Rückkehr in die Landesliga Hansa kaum noch zu verhindern sein würde.
Im ersten Teil des FuPa-Zweiteilers geht es um die sportlich schwierige Oberliga-Saison, den Umgang mit Niederlagen und den Zusammenhalt in Verein und Mannschaft. Im zweiten Teil steht anschließend im Mittelpunkt, warum Curslack den Abstieg nicht als kompletten Neustart versteht, welche Spieler kommen und gehen und wie der Verein den Weg in der Landesliga angehen will.
Die nackte Tabelle erzählt eine deutliche Geschichte. Poschmann will die Saison dennoch nicht ausschließlich über Ergebnisse und Platzierung bewerten. Für ihn steckt in diesem Oberliga-Jahr auch eine Entwicklung, die von außen leicht übersehen werden kann.
„Entwicklung und Zahlen wirken auf den ersten Blick vielleicht wie ein Widerspruch, aber wir haben trotzdem viel mitgenommen. Die Mannschaft hat gelernt, mit schwierigen Phasen umzugehen, ist widerstandsfähiger geworden und hat auch nach Rückschlägen immer wieder Moral gezeigt. Gerade der Umgang mit den vielen Niederlagen hat uns geprägt - wir sind als Team enger zusammengerückt, haben Zusammenhalt bewiesen und sind immer wieder aufgestanden. Diese mentale Entwicklung ist ein wichtiger Schritt, auf dem wir weiter aufbauen können“, erklärt der Trainer.
Gerade dieser Umgang mit Niederlagen war für Curslack ungewohnt. Aus der Vorsaison kannte die Mannschaft ein anderes Gefühl, weil sie sich über die Relegation nach oben gearbeitet hatte. In der Oberliga musste sie nun erleben, wie es ist, über Wochen gegen Rückschläge, klare Ergebnisse und die wachsende Distanz zum rettenden Bereich anzuspielen.
„Die Außendarstellung wird natürlich stark an Zahlen und dem Tabellenplatz gemessen. Mit den vielen Niederlagen muss man aber erst einmal umgehen können, vor allem weil wir das in diesem Ausmaß aus der Vorsaison nicht gewohnt waren“, sagt Poschmann. Intern sei der Klub dennoch ruhig geblieben. „Wir sind sehr professionell und sachlich mit der Situation umgegangen. Was man von außen vielleicht nicht so gesehen hat: Der Zusammenhalt im Verein und in der Mannschaft war in dieser Phase wirklich sensationell und hat uns durch diese schwierige Zeit getragen.“
Ein einzelnes Spiel, das den Charakter der Mannschaft am besten beschreibt, will Poschmann nicht nennen. Für ihn war es vielmehr die Summe der schwierigen Wochen. Wenn ein Team oft verliert, teilweise auch deutlich, und trotzdem weiter mit Energie trainiert, sagt das für den Trainer viel aus.
„Wenn eine Mannschaft so oft verliert, teilweise auch deutlich, und trotzdem mit so viel positiver Energie und Motivation in jedes Training geht, sagt das viel über ihren Charakter aus. Die Kabine ist im Laufe der Saison immer enger zusammengerückt, und die Mannschaft hat niemals aufgegeben. In jedem Spiel hat man gespürt, dass jeder bis zum Ende alles gibt und niemand Außenstehenden das Gefühl vermitteln wollte, dass nicht voll investiert wird.“
Das ist der zentrale Punkt in Poschmanns Rückblick. Curslack war sportlich nicht stark genug, um die Oberliga zu halten. Aber die Mannschaft zerfiel nicht. Sie verlor Spiele, verlor den Anschluss, verlor am Ende die Liga - aber nicht die innere Verbindung. „Die Mannschaft ist trotz der vielen Niederlagen nie liegen geblieben, sondern immer wieder aufgestanden - und genau das zeigt ihren echten Charakter“, sagt Poschmann.
Deshalb hebt er auch keinen einzelnen Spieler heraus. Besonders wichtig sei nicht eine Person gewesen, sondern „die gesamte Mannschaft - von Spieler eins bis 28“. Jeder habe seinen Beitrag geleistet, auch wenn sich das nicht immer in Toren, Vorlagen oder Schlagzeilen gezeigt habe. Dazu komme der Anteil des Vereins, der sportlichen Führung und des Umfelds. Rückhalt, Ruhe und Professionalität seien in dieser Phase entscheidend gewesen.
Stolz macht Poschmann weniger ein einzelner sportlicher Moment als die Art, wie der Verein mit der Situation umging. „Besonders stolz macht uns der Rückhalt, die Ruhe und die durchgehende Professionalität im gesamten Verein und in der Mannschaft. Gerade in schwierigen Phasen zeigt sich, wie stark ein Team wirklich ist. Zusammenhalt ist nicht nur dann wichtig, wenn alles gut läuft, sondern vor allem in schlechten Zeiten. Genau das haben wir in dieser Saison gezeigt, und darauf können wir als Verein wirklich stolz sein.“
Diese Einschätzung verändert nicht das Ergebnis der Saison. Curslack steigt ab, weil der sportliche Abstand zur Oberliga über weite Strecken zu groß war. Aber sie erklärt, warum der Verein nicht mit einem Gefühl des kompletten Zerfalls in die Landesliga geht. Der Abstieg ist ein Rückschlag, aber er hat nicht alle Grundlagen zerstört.
Genau daraus entsteht der Ansatz für die kommende Saison. Curslack will die Oberliga-Erfahrung nicht schönreden, sondern verarbeiten. Die Mannschaft hat erlebt, was eine Liga höher gefordert ist. Der Verein hat erlebt, wie wichtig Ruhe und Geschlossenheit sind, wenn Ergebnisse ausbleiben. Diese Erfahrung soll nun helfen, in der Landesliga Hansa wieder stabiler zu werden.
Am Ende bleibt eine Saison, die sportlich klar misslungen ist, aber intern offenbar nicht nur Schaden angerichtet hat. Curslack hat verloren, viel verloren, aber nicht den Zusammenhalt. Und genau dieser Zusammenhalt soll die Grundlage für den nächsten Schritt sein.
Im zweiten Teil des FuPa-Zweiteilers spricht Olaf Poschmann über den Weg des SV Curslack-Neuengamme nach dem Abstieg. Dann geht es um die Rückkehr in die Landesliga Hansa, die Kaderplanung mit vier Zugängen und sechs Abgängen sowie die Frage, warum der Verein ausdrücklich keinen kompletten Neuanfang ausrufen will.
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