
Beim SV Borussia 08 Neuenhaus ist in dieser Saison einiges los: ein neuer Trainer, ein wilder Saisonstart, ein paar herbe Dämpfer und trotzdem jede Menge Optimismus. FuPa hat mit Coach Steffen Wolf gesprochen, der trotz Tabellenplatz 15 den Kopf oben behält, seinen Vertrag bis 2028 verlängert hat und genau weiß, wie er sein Team durch die Rückrunde führen will.
FuPa: Du bist seit dem 1. Juli 2025 Trainer des SV Borussia 08 Neuenhaus. Wie blickst du auf deine ersten Monate im Verein zurück, vom starken Saisonstart bis zur aktuellen Situation auf Tabellenplatz 15?
Steffen: Wir haben von Anfang an gut daran getan, uns selbst nicht hauptsächlich an den Ergebnissen zu messen, sondern an anderen Punkten zu orientieren, die wir ändern wollten. Dies galt in der Zeit des wirklich tollen Saisonstarts ebenso wie bei der Negativserie, die wir im Anschluss hatten. Das sind natürlich Dinge, die unser Fußballspiel betrifft, aber auch Themen, die Kabine und Verein betreffen. Mit der Tabellensituation bin ich daher nicht zufrieden, mit dem Rest schon.
FuPa: Nach Erfolgen wie dem Derbysieg in Veldhausen (3:2) oder dem ersten Heimsieg gegen den SV Langen (1:0) folgten klare Rückschläge, beispielsweise das 2:7 gegen Union Lohne. Wo siehst du die Gründe für diese großen Leistungsschwankungen?
Steffen: Mit dem Spiel gegen Lohne waren wir weit zufriedener als man bei dem Ergebnis vermuten mag. Gerade in der ersten Halbzeit konnten wir unser Spiel durchziehen. Schwerwiegender waren die Spiele gegen Laxten oder Weiße Elf, in denen wir nicht mal annähernd an unser Maximum gekommen sind.
Wir haben viele neue Spieler dazu bekommen, die letztes Jahr noch in der A-Jugend oder in einer deutlich tieferen Liga gespielt haben. Sie brauchen Zeit, um sich zu entwickeln, sich an Tempo und Härte zu gewöhnen und die bekommen sie bei uns. Die vielen Verletzungen und Ausfälle tun da ihr Übriges.

FuPa: Du hast deinen Vertrag in der Winterpause direkt bis 2028 verlängert. Was hat dich dazu bewogen, trotz der sportlich schwierigen Lage langfristig in Neuenhaus zu bleiben?
Steffen: Ganz wichtig ist für mich, dass ich mich im Verein und im Umfeld wohlfühle und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Mannschaft und den Verantwortlichen habe. Beides habe ich ab dem ersten Tag gespürt. Da der Verein und die Spieler hinter dem gemeinsamen Weg stehen, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, musste ich bei der Verlängerung nicht lange überlegen. Die Gespräche mit dem Verein aber auch mit den Spielern waren durchweg positiv.
FuPa: Mit nur 20 erzielten Toren und schon 54 Gegentreffern stellt Neuenhaus aktuell die schwächste Defensive der Liga. Wie erklärst du dir dieses Missverhältnis und wo siehst du den größten Handlungsbedarf?
Steffen: In dieser Liga müssen wir in jedem Spiel hellwach sein und an unsere Leistungsgrenze kommen, sonst wird jedes Spiel ganz schwer für uns. In dem ein oder anderen Spiel haben wir leider hintenraus den Kopf verloren und waren nicht mehr konsequent genug. Das gilt es zu ändern.
FuPa: Woran muss eurer Meinung nach in der Vorbereitung am intensivsten gearbeitet werden, um in der Rückrunde stabiler aufzutreten?
Steffen: Wir werden sicherlich ein paar Anpassungen vornehmen, gerade im Bereich Defensivverhalten und Standards.
FuPa: Du hast im GN-Bericht gesagt: „Nicht hinten reinstellen und den Ball laufen lassen.“ Gilt dieser Ansatz weiterhin oder braucht ihr angesichts der Tabellensituation eine angepasste, vielleicht pragmatischere Spielweise?
Steffen: Das ist unser Weg und den gehen wir weiter.
FuPa: Die Mannschaft musste sich nach dem großen Umbruch im Sommer schon einmal neu finden. Hat der Abschied von Robin Mers im September diesen Prozess noch einmal erschwert?
Steffen: Nein. Es bietet vielen Spielern die Chance, sich in den Vordergrund zu spielen oder Führungsrollen zu übernehmen.
FuPa: Wie sehr fehlt euch Robin Mers als Führungsspieler und Persönlichkeit, auf dem Platz und in der Kabine?
Steffen: Er ist das Gesicht der Mannschaft und unser Kapitän. Natürlich fehlt er – besonders auch in der Kabine. Bei uns nimmt das aber niemand als Ausrede. Die Auszeit von Robin war über Monate geplant und wir freuen uns alle sehr für ihn, dass er sich einen Lebenstraum erfüllt und unterstützen ihn dabei.
FuPa: Wie nimmst du die Hierarchie innerhalb des Teams aktuell wahr? Hat sich schon eine verlässliche Achse herausgebildet?
Steffen: Wir haben viele Spieler, die Verantwortung auf und neben dem Platz übernehmen. Wichtig ist sicherlich, dass einige der erfahrenen Spieler nach längerer Abwesenheit bzw. Verletzungspause wieder dabei sind.
FuPa: Der SV Borussia 08 Neuenhaus sorgt auf Social Media regelmäßig für Aufmerksamkeit. Wer kümmert sich bei euch um die Auftritte und wie wichtig ist dir dieser mediale Außenauftritt für den Verein?
Steffen: Außendarstellung und Werbung ist immer wichtig. Wichtiger finde ich aber, dass es nicht gezwungen ist, sondern mit Spaß verbunden ist. Michael Zander ist bei der ersten Mannschaften für die Instagramseite zuständig und entwickelt zusammen mit den Jungs immer wieder neue Ideen. Da alle Spaß daran haben, finde ich es super.
Mit Andrè Jeurink haben wir außerdem einen weiteren Fachmann im Verein, der immer wieder tolle Plakate und Videos gestaltet – zuletzt auch die Kurzdoku – „DERBY“ von unserem Spiel gegen Veldhausen.
FuPa: Wann startet ihr in Neuenhaus in die Vorbereitung, und wie sieht der grobe Fahrplan aus?
Steffen: Wir starten am 27. Januar in die Vorbereitung. Neben den Testspielen wird sicherlich das Trainingslager auf Norderney ein Highlight für uns werden.
FuPa: Was macht dir trotz der aktuellen Tabellensituation Mut, dass ihr den Klassenerhalt schafft?
Steffen: Die Stimmung im Team und die Rückkehr der Langzeitverletzten.
FuPa: Vielen Dank, Steffen, für das offene Gespräch. Wir wünschen dir und dem SV Borussia 08 Neuenhaus eine starke Vorbereitung und viel Erfolg für die Rückrunde. Mögen Einsatz, Teamgeist und ein bisschen Fußballglück euch auf eurem Weg begleiten.
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