2026-05-12T12:35:39.633Z

Allgemeines

MSV Hamburg vor Kracher: „Für uns geht es um alles“

Der MSV Hamburg spielte vor mehr als zehn Jahren noch in der Landesliga, später ging es sportlich tief nach unten. Nun steht der Klub als Tabellenzweiter der Kreisklasse Hamburg in die Kreisliga - doch vor dem Spiel gegen Oststeinbeker SV II ist der Aufstieg noch nicht sicher.

von red · Heute, 09:15 Uhr · 0 Leser
Der MSV Hamburg will aufsteigen.
Der MSV Hamburg will aufsteigen. – Foto: via Murat Firat

Der MSV Hamburg steht vor einem Spiel, das für den weiteren Weg des Vereins große Bedeutung haben kann. In der Kreisklasse Hamburg, Gruppe 5 belegt die Mannschaft von Murat Firat nach 26 Spielen den zweiten Tabellenplatz, hat 64 Punkte gesammelt und liegt damit nur einen Zähler hinter Spitzenreiter SC Europa Hamburg. Gleichzeitig sitzt dem MSV der SV Billstedt-Horn III mit 62 Punkten im Nacken. Weil die ersten beiden Plätze nach Firats Einschätzung wohl sicher zum Aufstieg reichen, der dritte Rang aber nur unter bestimmten Umständen, ist die Lage vor dem Duell mit Oststeinbeker SV II klar.

„Wir haben Sonntag gegen Oststeinbek II ein super heißes Spiel“, sagt Firat. „Wenn wir das Spiel verlieren sollten und Billstedt-Horn alle Spiele gewinnen sollte, können wir noch auf den dritten Platz abrutschen. Das würde bedeuten, dass wir eventuell nicht aufsteigen würden, denn der dritte Platz steigt nur auf, wenn es eventuelle Rückzieher aus der Kreisliga gibt. Und darauf kann man sich natürlich nicht verlassen. Deswegen geht es für uns um alles im nächsten Spiel.“

Damit ist die Ausgangslage nicht nur sportlich spannend, sondern auch symbolisch. Der MSV Hamburg, der vor mehr als zehn Jahren noch in der Landesliga spielte und später über schwierige Jahre bis in die Kreisklasse abrutschte, steht kurz davor, den nächsten Schritt zurück in Richtung höherer Ligen zu machen. Im ersten Teil des FuPa-Zweiteilers geht es um den Aufstiegskampf, die Entwicklung der Mannschaft und die besondere Situation vor dem Saisonfinale. Im zweiten Teil spricht Firat über seine Doppelrolle als Trainer und 1. Vorsitzender, den Neuaufbau des Vereins und seine langfristige Vision für den MSV.

„Unser Anspruch war es, aufzusteigen“

Dass der MSV nun so nah an der Kreisliga steht, kommt für Firat nicht völlig überraschend. Der Trainer formuliert den Anspruch deutlich. „Wir spielen eine super Saison. Unser Anspruch war es auch von vornherein, aufzusteigen“, sagt er. Die Zahlen untermauern, warum dieser Anspruch berechtigt war. Der MSV hat 21 seiner 26 Spiele gewonnen, nur viermal verloren und bei einem Unentschieden ein Torverhältnis von 142:29 erspielt. Nur Spitzenreiter Europa hat mit 162 Treffern noch häufiger getroffen.

Firat sieht seine Mannschaft auch im Vergleich mit der Konkurrenz stark aufgestellt. „Wir sind in der Entwicklung noch lange nicht zu Ende. Wir haben einige Spieler, die höherklassig gespielt haben, jetzt dabei sind, sind aber eine super junge Truppe. Vom Spielerischen her, vom Anspruch her, waren wir ganz lange in der Saison auf Platz eins und sind meiner Meinung nach die Nummer eins in der Liga - in einer sehr, sehr starken Kreisklasse", schildert er.

Ganz ausblenden kann der Trainer die entscheidenden Rückschläge aber nicht. Gegen den SC Europa Hamburg verlor der MSV beide direkten Duelle. Für Firat ist das ein Grund, die Tabellenlage realistisch einzuordnen: „Nichtsdestotrotz haben wir Nerven gezeigt in entscheidenden Spielen, in beiden Spielen gegen Europa, und auch verdient verloren. Dementsprechend sind wir dann auch verdient auf dem zweiten Platz und Europa auf dem ersten Platz.“

Gerade diese Selbstkritik macht die Einordnung glaubwürdig. Der MSV ist kein Team, das zufällig oben steht. Aber er ist eben auch eine Mannschaft, die in den entscheidenden Momenten noch lernen musste. Das passt zu Firats Beschreibung einer jungen Gruppe, die großes Potenzial besitzt, aber noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist.

Zwei Mümmelmannsberger Teams ganz oben

Für Firat hat die Tabellenkonstellation auch eine persönliche Komponente. Er selbst kommt aus Mümmelmannsberg, und mit Europa und dem MSV stehen zwei Mannschaften aus dem Stadtteil auf den ersten beiden Plätzen. „Super positiv ist das für mich. Ich bin selber aus Mümmelmannsberg, dass beide Mümmelmannsberger Mannschaften auf Platz eins und zwei stehen“, sagt Firat.

Sportlich ändert diese Freude nichts am Druck. Europa ist nach Firats Einschätzung „so gut wie durch“, der MSV muss dagegen seine Aufgabe noch erledigen. Der Gegner macht die Sache zusätzlich anspruchsvoll. Der Oststeinbeker SV II steht mit 58 Punkten auf Platz sechs, hat aber erst 26 Spiele absolviert und gehört mit 162:41 Toren zu den offensivstärksten Mannschaften der Liga. Es ist also kein Saisonabschluss ohne sportlichen Wert, sondern ein echter Prüfstein.

Für den MSV geht es in diesem Spiel darum, eine starke Saison zu veredeln. Der Verein hat sich eine Ausgangslage erarbeitet, in der der Aufstieg greifbar ist. Zugleich weiß Firat, dass genau solche Spiele darüber entscheiden, ob eine Entwicklung auch in eine konkrete Belohnung mündet. „Wir möchten die Mannschaft weiterentwickeln“, sagt er. „Unser Ziel ist es eigentlich, diese Saison wirklich aufzusteigen und auch im Hinblick auf die Ligenreform und die Qualifikationsrunde, die nächstes Jahr gespielt wird, da wollen wir dann auch noch mal oben dabei sein und den nächsten Schritt direkt schon machen.“

Damit denkt Firat bereits über den unmittelbaren Aufstieg hinaus. Aber er stellt klar, dass der zweite Schritt erst nach dem ersten kommen kann. „Erst mal müssen wir unsere Hausaufgaben diese Woche und nächste Woche erledigen, dass wir den Aufstieg sicher machen.“

Der erste Schritt zurück auf die Karte

Der mögliche Aufstieg wäre für den MSV Hamburg mehr als nur ein sportlicher Erfolg einer ersten Herrenmannschaft. Er wäre ein Zeichen dafür, dass ein Verein nach schwierigen Jahren wieder handlungsfähig wird. Firat hat diesen Weg aus nächster Nähe erlebt. Die frühere Bezirksliga-Mannschaft brach auseinander, später musste die Erste abgemeldet werden. Nach Corona begann der Neuaufbau unter schwierigen Bedingungen.

Der heutige Tabellenzweite entstand nicht aus einem fertigen Projekt, sondern aus einer Gruppe, die sich Stück für Stück entwickeln musste. Firat beschreibt, dass die Mannschaft zwischenzeitlich „die schlechteste" gewesen sei. Von dort aus hat sich der MSV in mehreren Jahren nach oben gearbeitet. Diese Entwicklung macht den aktuellen Aufstiegskampf besonders.

Noch ist nichts entschieden. Der MSV hat die bessere Ausgangslage als Billstedt-Horn III, aber er muss sie bestätigen. Genau deshalb ist das Spiel gegen Oststeinbek II für Firat ein Kracher. Es entscheidet nicht über die gesamte Zukunft des Vereins, aber es kann den nächsten sichtbaren Schritt markieren: raus aus der Kreisklasse, rein in die Kreisliga - und damit ein Stück näher an das Ziel, den MSV wieder dorthin zu führen, wo der Verein aus Sicht seines Trainers und Vorsitzenden perspektivisch wieder hingehören soll.

Teil II: Das Lebensprojekt MSV Hamburg

Im zweiten Teil des FuPa-Zweiteilers erklärt Murat Firat, warum er den MSV Hamburg als sein Lebensprojekt sieht und wie der Verein nach schwierigen Jahren sportlich, strukturell und im Stadtteil wieder aufgebaut werden soll. Außerdem spricht er über die Sanierung der Anlage, die Vernetzung mit Politik und Stadtteil sowie die langfristige Vision für den Klub.

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