2026-04-29T13:32:52.058Z

Allgemeines

Mehr als Fußball: Wie Mikail Gök Talente und Charaktere formt

Der Eimsbütteler TV spielt mit seiner U17 als Aufsteiger eine starke Rolle in der U17-DFB-Nachwuchsliga, während die erste Mannschaft um die Regionalliga Nord kämpft. U17-Coach Mikail Gök, der zeitgleich die Jugend leitet und auch Aufgaben im Seniorenfußball hat, spricht über Talententwicklung, Verantwortung und den besonderen ETV-Weg.

von red · Heute, 12:30 Uhr · 0 Leser
ETV-U17-Trainer Mikail Gök.
ETV-U17-Trainer Mikail Gök. – Foto: ETV / Emil Skalicky

Der Eimsbütteler TV erlebt eine bemerkenswerte Saison auf mehreren Ebenen. Die erste Mannschaft kämpft in der Oberliga Hamburg um den Aufstieg in die Regionalliga Nord, während die U17 als Aufsteiger in der U17-DFB-Nachwuchsliga eine starke Rolle spielt und als Tabellenzweiter in den jüngsten Spieltag gegangen ist. Einer, der beide Bereiche eng begleitet, ist Mikail Gök. Er leitet gemeinsam mit Jon Pauli die Fußballjugend des Vereins, koordiniert die Herren mit und ist zugleich verantwortlicher Trainer der U17.

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Diese Rolle ist anspruchsvoll, zeitintensiv und für Gök vor allem eines: ein Privileg. „Mein Tag dreht sich permanent um Fußball“, sagt er. „Spielergespräche, Trainergespräche, Ideen die Abteilung voranzubringen, Spiele und Training schauen. Der Tag beginnt früh und endet spät, aber immer mit Fußballbezug, das ist ein großes Privileg.“

Eine Mannschaft wächst zusammen

Die Entwicklung der U17 bewertet Gök äußerst positiv - nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern vor allem wegen des Weges dorthin. „Wir als gesamtes Trainerteam sind extrem zufrieden mit der Entwicklung der Mannschaft und der einzelnen Spieler“, erklärt er. Zu Saisonbeginn habe der Auftrag darin bestanden, „eine Einheit zusammenzuführen“. Mehrere Zugänge mussten integriert werden, was zunächst nicht ohne Schwierigkeiten verlief.

Dass daraus eine Mannschaft entstand, die durch eine Serie von sechs Siegen den Aufstieg fixierte und nun auch in der neuen Runde überzeugt, führt Gök nicht allein auf individuelle Qualität zurück. Vielmehr verweist er ausdrücklich auf die Arbeit im Trainerteam: „Da möchte ich ein großes Kompliment an mein Trainerteam aussprechen, sie leisten hervorragende Arbeit. Wir investieren enorm viel Zeit in die Truppe und die individuelle Entwicklung, beispielsweise durch Individualanalysen oder Kleingruppentraining vor dem regulären Training", meint der 25-Jährige.

Diese Detailarbeit ist ein wichtiger Baustein. Der ETV versucht nicht nur, Spiele zu gewinnen, sondern Spieler weiterzubringen - technisch, taktisch und persönlich. Genau darin liegt auch der Kern der aktuellen Entwicklung.

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„Warum nicht Erster werden in dieser Liga?“

Dass die Mannschaft mit 17 Punkten aus neun Partien in dieser Form um die vorderen Plätze mitspielt, bezeichnet Gök nicht als Zufall, aber auch nicht als Selbstverständlichkeit. Rechnerisch sei der Platz unter den Top vier, zum Klassenerhalt notwendig, noch nicht endgültig sicher, „aktuell sieht es jedoch sehr gut für uns aus“. Rechenspiele seien intern aber bewusst kein Thema. „Wir haben uns ganz bewusst im Team verständigt, dass wir keine Rechnungen aufstellen, sondern immer von Spiel zu Spiel denken. ,Die wichtigste Aktion ist die nächste‘ habe ich oft dem Team mitgegeben.“

Bemerkenswert ist, dass Gök seiner Mannschaft schon vor der Rückrunde bewusst eine mutige Botschaft mitgab. „Tatsächlich habe ich vor dem Start in die Rückrunde eine Ansprache vor dem Team gehalten und gesagt: ,Warum nicht Erster werden in dieser Liga?‘ Das war ein wenig provokant gemeint, um die Angst vor den Gegnern zu nehmen.“

Diese Haltung beschreibt viel von dem, was den aktuellen ETV-Weg prägt. Der Verein will nicht überdrehen, aber auch keine künstlichen Grenzen setzen. „Wir wussten, dass wir enorme Qualität in unseren Reihen haben und als Trainerteam sehr akribisch arbeiten. Dass wir nun dort stehen, ist für mich kein Zufall, aber auch keine Selbstverständlichkeit. Schließlich gehört bei all dem Einsatz auch das nötige Spielglück dazu.“

Auch für die kommende Saison gibt es bereits Klarheit: Gök bleibt Trainer der U17. „Ja, ich werde die kommende U17 weiterhin als verantwortlicher Trainer coachen.“

Entwicklung statt vorschneller Prognosen

Wenn es um einzelne Spieler geht, bleibt Gök bewusst vorsichtig. Namen möchte er nicht herausheben, wenn nach möglichen Profi-Perspektiven gefragt wird. „Grundsätzlich traue ich jedem Spieler zu, dass er die bestmögliche Entwicklung nimmt“, sagt er. Entscheidend sei, niemandem einen Weg abzusprechen, weil Entwicklung nie linear verlaufe.

Sein Blick auf Talentförderung ist dabei sehr reflektiert. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Fähigkeiten erlernt werden und nur zum Teil angeboren sind.“ Gleichzeitig kennt er die Realität des Fußballs: „Die Realität ist, dass nur ein Bruchteil mit Fußball sein Geld verdient. Der ein oder andere könnte im semi- oder professionellen Bereich landen. Da drücke ich jedem Spieler die Daumen und begleite sie auf diesem Weg.“

Gök sieht seine Aufgabe deshalb größer als nur im sportlichen Bereich. „Gleichzeitig frage ich bewusst nach, wie die Pläne außerhalb von Fußball aussehen. Da sehe ich auch meine Verantwortung den Jungs gegenüber, sie auf das Leben vorzubereiten.“ Es ist ein Satz, der erklärt, warum er sich nicht nur als Trainer, sondern als Coach versteht.

Beziehungen, Verantwortung und Demut

Die größte Entwicklung hat Gök nicht nur bei seiner Mannschaft, sondern auch bei sich selbst beobachtet. Seine wichtigsten Learnings seien keine völlig neuen Erkenntnisse, sondern Dinge, deren Bedeutung in dieser Rolle noch einmal intensiver geworden sei. „Gute Beziehungen zu den Spielern und innerhalb des Trainerteams, das ist für mich ein großes Learning. Es ist für meine Arbeit unabdingbar und genießt höchste Priorität.“

Dabei gehe es nicht um Bequemlichkeit oder Harmonie um jeden Preis. „Es geht nicht darum, immer lieb zueinander zu sein. Vielmehr ist es, sich auf Augenhöhe zu begegnen, ernsthaftes Interesse aneinander zu haben und die Spieler individuell abzuholen.“ Genau das habe Auswirkungen auf nahezu alle Herausforderungen im Trainings- und Spielbetrieb.

Auch Geduld sei ein Thema gewesen. „Arbeit wird nicht immer unmittelbar sichtbar“, sagt Gök. „Wir haben ein wenig Zeit gebraucht, bis wir nicht nur gut arbeiten, sondern auch Ergebnisse einfahren. Eine gewisse Geduld und Demut hat sich ausgezahlt und nehme ich mit.“

Als verantwortlicher Trainer sieht er sich zudem in der Pflicht, eigene Entscheidungen laufend zu überprüfen. „Ich habe zu jeder Zeit mich hinterfragt und tue dies immer noch. An manchen Stellen durfte ich mir auf die Schulter klopfen, an anderen habe ich bewusst auch der Mannschaft gesagt, dass ich Fehler gemacht habe und wir daraus lernen.“ Diese Fähigkeit, eigene Aktionen „ganz rational und ohne Eitelkeit“ zu bewerten, sei für ihn auch außerhalb des Fußballs wertvoll.

Doppelrolle beim ETV - und ein Blick über Hamburg hinaus

Neben seiner Arbeit mit der U17 ist Gök in die strategische Entwicklung der Fußballabteilung eingebunden: „Ich arbeite gemeinsam mit meinem Kollegen Jon Pauli, wir leiten gemeinsam die Fußballjugend. Die Herren koordinieren wir mit", schildert die Allzweckwaffe des Eimsbütteler TV.

Mikail Gök im Einsatz.
Mikail Gök im Einsatz. – Foto: ETV / Emil Skalicky

Trotzdem zeigt diese Aufgabe, wie sehr Gök beim ETV inzwischen an mehreren Schnittstellen wirkt. Er begleitet Trainer, führt Gespräche, denkt über Strukturen nach und steht anschließend selbst auf dem Platz. „Ich darf den Trainern in ihrer Arbeit behilflich sein, sie coachen und am Abend dann selbst meiner Trainertätigkeit nachgehen. Eine Doppelrolle, die ich sehr attraktiv finde.“

Ob ihn diese Entwicklung langfristig auch in den Seniorenbereich führen könnte, lässt Gök offen. Derzeit sieht er sich klar im Jugendfußball. „Noch sehe ich mich definitiv im Jugendbereich, da mir die Arbeit mit jungen Talenten sehr viel Freude bereitet und ich mich nicht nur als Fußballtrainer, sondern Coach verstehe und entsprechend auch Charaktere formen möchte.“

Gleichzeitig denkt er über den Tellerrand hinaus. „Was die Zukunft mit sich bringt, wird sich zeigen. Im Ausland oder außerhalb von Hamburg zu arbeiten, reizt mich definitiv. Beispielsweise in Kopenhagen, ich bin Fan der dänischen Kultur und habe bisher viele gute Sachen über die Talentförderung gehört.“

Beim Eimsbütteler TV ist Gök aktuell jedoch mittendrin in einer Phase, die für den Verein besonders spannend ist: Die U17 bestätigt auf hohem Niveau den eingeschlagenen Nachwuchsweg, die erste Mannschaft kämpft um die Rückkehr in die Regionalliga, und im Hintergrund wird an Strukturen gearbeitet, die beides miteinander verbinden sollen. Mikail Gök steht dabei exemplarisch für einen Ansatz, der Entwicklung nicht als Schlagwort, sondern als tägliche Arbeit versteht.

>>> Das ist Mikail Gök

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