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Interview

Glaube. Wille. Eintracht.

Vom Neuanfang zur Überzeugung: Joshua Hülsmann über seine neue Heimat bei Eintracht Nordhorn

von René Diebel · 30.01.2026, 09:00 Uhr · 0 Leser
– Foto: Michel Witte

Zwischen Aufbruchsstimmung und Aufstiegsambitionen, zwischen Weinhandel und Landesliga-Alltag: Joshua Hülsmann hat sich im Sommer bewusst für einen neuen Weg entschieden und ist beim SV Eintracht Nordhorn schnell zu einer festen Größe geworden. Der Torhüter stand in allen 15 Punktspielen über die volle Distanz zwischen den Pfosten, erlebte einen intensiven Start beim Aufsteiger, einen Trainerwechsel mitten in der Saison und blickt mit viel Zuversicht auf die Rückrunde. Im FuPa-Interview spricht Hülsmann über seinen Wechsel nach Nordhorn, das Projekt Eintracht, Vertrauen, Ziele und darüber, warum Fußball für ihn mehr ist als nur ein Hobby.

FuPa: Joshua, seit dem 01.07.2025 stehst du beim SV Eintracht Nordhorn zwischen den Pfosten. Wie hast du die ersten Monate beim Aufsteiger erlebt, sportlich wie menschlich?

Joshua: Der Verein war mir nur namentlich ein Begriff, und mit dem, was man so gehört hat, bin ich ehrlich gesagt mit gemischten Gefühlen zum ersten Training gefahren. Menschlich bin ich sehr zufrieden mit den Leuten, die im Verein tätig sind. Ich mag es, wie jeder Einzelne in diesem Verein für Eintracht lebt, und das hat mich schon sehr beeindruckt und auch sehr überrascht. Sportlich gesehen war es für mich genauso wie erwartet: Die Jungs können alle kicken, und ich habe es geliebt, den „Hemlein-Fußball“ zu spielen. Jeder im Team wusste, was der Trainer will. Natürlich habe auch ich ein bis zwei Wochen gebraucht, um es zu verstehen, aber es macht Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen.

FuPa: Nach drei Jahren bei SV Meppen II hast du im Sommer bewusst einen neuen Schritt gemacht. Was hat letztlich den Ausschlag für den Wechsel nach Nordhorn gegeben?

Joshua: Ausschlaggebend waren ganz klar Chris, Sebastian und die Chance, weiter mit Freunden wie Josh, Louis, Olli und Kugland zu spielen. Dieses Projekt Eintracht und die Leidenschaft von Chris sind für mich aber letztlich ausschlaggebend gewesen.

FuPa: Eintracht Nordhorn steht nach 15 Spielen mit 27 Punkten auf Platz 7. Wie bewertest du das Abschneiden der Mannschaft bislang, auch mit Blick darauf, dass nach oben noch alles eng beisammen ist?

Joshua: Unsere Vorbereitung im Sommer verlief unfassbar gut. Der Saisonstart hingegen war etwas holperig, aber auch das gehört dazu. Jetzt sind wir da, wo wir sein wollen. Wir können beim Thema Aufstieg ein Wörtchen mitreden, sind aber kein Topfavorit mehr. Den Druck hat nun Papenburg, und wie sie damit umgehen, wird man sehen. Wir werden in der Rückrunde unsere Hausaufgaben machen.

– Foto: Michel Witte

FuPa: Du hast alle 15 Punktspiele über die volle Distanz im Tor gestanden. Was bedeutet dir dieses Vertrauen des Trainerteams und wie würdest du deine eigene Leistung in der Hinrunde einschätzen?

Joshua: Ich bin froh, wenn ich spielen kann. Als Keeper ist einem das Vertrauen vom Trainer sehr wichtig. Mit Chris hatte ich einen Trainer, der zu 100 Prozent hinter mir steht. Darüber bin ich sehr dankbar, und ich denke, ich habe ihm auch alles zurückgegeben, was in meiner Hand lag.

FuPa: Der Rückstand auf Platz 1 beträgt nur sieben Punkte, bei einem Spiel weniger für den Spitzenreiter. Ist im Team eher Zurückhaltung angesagt oder schaut man doch heimlich nach oben?

Joshua: Jeder im Emsland und in der Grafschaft weiß, worum es bei der Eintracht geht. Man will hoch, und das zeitnah. Wir als Team wollen aufsteigen, machen uns aber auch keinen Druck. Wir wollen kicken und Spaß haben, der Rest kommt von alleine. Im Team schauen wir nur nach oben und geben immer Vollgas.

FuPa: Parallel zum Fußball arbeitest du im Familienunternehmen „Hülsmann Wein“. Wie herausfordernd ist die längere Anfahrt zum Training und zu den Spieltagen und wie bekommst du Beruf, Familie und Landesliga unter einen Hut?

Joshua: Für mich ist der Fußball in meinem Alltag sehr wichtig. Nach langer Arbeit kann ich beim Fußball vernünftig abschalten und das machen, was mir neben dem ganzen Wein Spaß macht. Ich freue mich darauf, zum Training zu fahren. Dann sind die 30 Minuten mehr auch egal. Ich bin froh darüber, dass meine Freundin den Fußball auch mag, mich unterstützt und mir die Freiheiten gibt, die Zeit dafür zu investieren.

FuPa: Mit dem SV Meppen II hast du zuletzt eine andere sportliche Situation erlebt. Wie beurteilst du im Rückblick das Abschneiden deiner Ex-Mannschaft und verfolgst du ihren Weg noch intensiv?

Joshua: Natürlich verfolge ich die zwote weiterhin. Immerhin haben sich viele Freundschaften in der damaligen Mannschaft gefunden, die auch jetzt weiterhin bestehen. Ich bin froh, dass sie im gesicherten Mittelfeld stehen und Spieler wie Klöpper, Hinnenkamp, Wullkotte, Möllermann und Benke die Mannschaft weiterführen, so wie „die Alten“ es in den letzten Jahren getan haben.

FuPa: Wenn du auf das Fußballjahr 2025 zurückblickst: Was war für dich persönlich dein größtes Highlight auf dem Platz?

Joshua: Es ist schwer, ein Highlight hervorzuheben. Ich habe es geliebt, unter Tobi, Stephan und Kemper spielen zu dürfen. Für mich war jede Einheit und jedes Spiel ein Highlight. Es war schön, ein Teil dieser SV Meppen II-Familie gewesen zu sein, und ich bin stolz darauf, was wir mit unseren Möglichkeiten erreicht haben.

FuPa: In der Winterpause gab es einen Trainerwechsel. Mit welchem Gefühl geht man in so eine Pause, eher mit Neugier oder mit Unsicherheit?

Joshua: Es ist sehr schade, dass es so weit gekommen ist. Chris ist für mich ein unfassbar guter Trainer, und ich bin froh, ihn als Trainer gehabt zu haben. Ein Trainer-Wechsel in einer laufenden Saison ist nie schön. Aber jetzt steht ein neues Kapitel an.

Chris hat es geschafft, die vielen Neuzugänge schnell zu einer Einheit zu formen, daher habe ich keine Angst, in die Rückrunde zu starten. Wir sind als Team gefestigt und werden den Weg weitergehen. Ich freue mich darauf, von einem erfahrenen Trainer zu lernen, und bin gespannt, wie er arbeitet.

FuPa: Was erhoffst du dir vom neuen Impuls zur Rückrunde? Gibt es Dinge, die ihr als Team nun bewusst anders angehen wollt?

Joshua: Ich denke, es ist wichtig, sich darauf zu fokussieren, was man sich als Team zum Ziel gesetzt hat. Dadurch, dass viele Spieler momentan in der Heimat sind, ist immer nur ein kurzer Kontakt zu ungewöhnlichen Zeiten machbar. Wir ziehen alle an einem Strang und wollen das Maximum aus dieser Saison herausholen, auch für Chris.

FuPa: Welches persönliche Ziel hast du für die Rückrunde und was traust du der Mannschaft in dieser Saison noch zu?

Joshua: Persönlich mache ich mir nie Gedanken. Als Keeper will man immer so wenige Gegentore wie möglich haben. Wichtiger ist aber, dass wir als Team unsere Ziele erreichen. Ich traue uns zu, dass wir in jedem Spiel unser Maximum geben, der Rest wird von alleine kommen.

FuPa: Joshua, vielen Dank für deine offenen und ehrlichen Einblicke in deine erste Zeit bei Eintracht Nordhorn, den Blick zurück nach Meppen und deine persönlichen Gedanken zur laufenden Saison. Wir wünschen dir und dem SV Eintracht Nordhorn eine erfolgreiche Rückrunde, möglichst viele Spiele zu Null und viel Erfolg bei der Verfolgung eurer Ziele.

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Marius Matern, Steffen Wolf und Simon Kotte
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