2026-04-20T12:45:22.080Z

Spielbericht

Energie Cottbus: „Einen Stellenwert, welcher mehr zu beachten ist“

Die Lausitzer melden sich in der 3. Liga eindrucksvoll zurück und sorgen für zwei bemerkenswerte Fakten.

von René Kubasch · Gestern, 15:20 Uhr · 0 Leser
– Foto: Schneider Torsten

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Vor 17239 Zuschauern gab es zwischen Energie Cottbus und Rot-Weiß Essen bei mäßigem Wetter ein Fußballspiel, was nicht nur Werbung für die 3. Liga ist, sondern auch lange in Erinnerung bleiben wird.

Zwei gleichwertige Mannschaften auf dem Platz

Gegenüber der knappen Niederlage beim VfL Osnabrück ließ Pele Wollitz Can Moustfa, Justin Butler und Henry Rorig draußen. Dafür gingen Moritz Hannemann, Jannis Boziaris und Lukas Michelbrink an den Start.

Beide Teams begannen das Spiel sehr engagiert und mutig. Die Koschinat-Elf verlagerte ihre spielerische Komponente in den gegnerischen Sechzehner. Energie antwortete mit rigorosen, aber fairen Zweikämpfen. So holte man immer mehr das Publikum ins Boot, welches den FCE noch lautstarker unterstützte. Pele Wollitz hatte dies in der vorangegangenen Pressekonferenz anklingen lassen, dass man die eigenen Fans auf seine Seite ziehen müsste. So konnte Marek Janssen am Fünfmeterraum nicht das Tor treffen, weil King Manu sich ihm erfolgreich in den Weg stellen konnte (11.).

Nach rund 15 Spielminuten wollte sich die Wollitz-Elf dann nicht mehr nur auf die Verteidigung konzentrieren, sondern etwas für die eigenen Fans bieten. Der Ball lief zwischen den Strafräumen passabel. Aber diese bestimmte eine Idee, den Gegner in dessen Strafraum zu knacken, blieb dabei noch aus. Bis dahin wurde es in beiden Strafräumen nur sparsam gefährlich, bis Essen eiskalt einnetzte.

Marek Janssen scheiterte aus halblinker Position mit seinem Schuss, da Marius Funk nach vorn abwehrte. Ramien Safi war zur Stelle, und staubte ab, sodass er flach ins kurze Eck vollendete (22.). Energie war um den schnellen Ausgleich bemüht. Jedoch köpfte Nyamekye Awortwie-Grant einen Eckball links am Pfosten vorbei (25.). Dann schloss Jannis Boziaris mit einem Distanzschuss ab, welchen Schlussmann Jakob Golz nach vorn prallen ließ. Allerdings konnte Eric Engelhardt ihn nicht überwinden (29.). Besser funktionierte es dann für den Stürmer, als er im Strafraum von Awortwie-Grant in Szene gesetzt wurde. Der entscheidende Schuss landete im linken unteren Eck (32.). Die Freude hielt nur kurz. Nach einem Eckball von Kalto Mizuta köpfte Torben Müsel zentral vor dem Tor zur erneuten Führung ein (39.).

Der lupenreine Hattrick

Zu Beginn der zweiten Halbzeit ging die Wollitz-Elf erneut die Offensive. Bis zum erneuten Gegentreffer konnte man die Essener in deren eigene Defensive einschnüren. Dies sollte auch im zweiten Abschnitt das provate Mittel sein. Jedoch bleib ein Pfiff aus, als Axel Borgmann im Strafraum gehalten wurde (52.). Dann schien der Deckel drauf zu sein, als RWE das 1:3 erzielte. Dieses Mal war der Eckball von Rios Alonso weitergeleitet worden, sodass Marek Janssen aus Nahdistanz Marius Funk überwinden konnte (53.). Danach scheiterte nicht nur Engelhardt, der im Fünfmeterraum über das Tor schoss (60.). Den Schuss von Can Moustfa konnte Schlussmann Golz aufnehmen (72.).

Nur wenige Sekunden später nahm die Partie noch einmal Fahrt auf. Durch Ben Hüning war Can Moustfa im Strafraum zu Boden gegangen. Einen Moment später legte Michael Schultz Engelhardt regelwidrig, sodass der Unparteiische auf dem Punkt zeigte. Tolcay Cigerci verkürzte auf 2:3, indem er Golz in die rechte Ecke schickte, und selbst flach ins linke Eck traf (73.). Das 3:3 entsprang nach einem Freistoß von Rechtsaußen, welchen Tolcay Cigerci direkt ins linke untere Eck verwandelte (78.). Einige Minuten danach gab es kein Aufhalten mehr, als Tolga seinen Bruder Tolcay auf die Reise schickte. Von der Mittellinie aus hielt sein Dribbling bis kurz vor dem Strafraum an. Aus rund 17 Metern zirkelte der 10er den Ball ins rechte obere Torangel (82.). Der lupenreine Hattrick war damit perfekt.

In den Schlussminuten ging der RWE wieder in die Offensive, und wollte unbedingt den Ausgleich. Doch Energie verteidigte alles konzentriert weg. In der Nachspielzeit war dann alles klar, als von Ted Tattermusch aus der Ball in den Lauf von Merveille Biankadi landete. Der Joker sah Golz aus seinem Kasten eilen, und versenkte das runde Leder ins rechte untere Eck (90.+2).
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Stimmen zum Spiel:

Pele Wollitz (FCE): „In den ersten 25 Spielminuten habe ich eine sehr dominante Essener Mannschaft gesehen. Dabei war unser Anlaufverhalten nicht optimal. Und des Weiteren haben beide Teams insgesamt Werbung für den Fußball betrieben. Von der ersten Sekunde an haben beide Mannschaften in der Intensität und in der Körpersprache dazu beigetragen, dass die Dritte Liga einen Stellenwert hat, welcher eigentlich mehr zu beachten und zu unterstützen ist.“

Uwe Koschinat (RWE): „Kompliment an Pele und seine Mannschaft für ein aus meiner Sicht herausragendes Spiel. Kompliment auch an jeden einzelnen Energiefan, der heute dafür gesorgt hat, dass selbst nach einem klaren Rückstand immer noch der Glaube vorhanden war, und das Stadion irgendwann eine dermaßen hohe Energie im wahrsten Sinne des Wortes hatte. Uns ist es gegen Ende des Spiels nicht mehr gelungen, auszubremsen. “

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Positiv: Energie durchbrach den Umstand, noch nie ein Heimtor und einen Sieg gegen Essen erzielt zu haben. Letzteres wurde faktisch nach einem 1:3-Rückstand sichergestellt. Dazu kommt die bedingungslose Unterstützung von den Rängen, die besonders in der Schlussphase so richtig belohnt worden ist. Damit steht ein dickes Ausrufezeichen im Aufstiegskampf, was zu einem spannenden Finish beitragen wird.

Negativ: Die Gegentore sind mehr als ärgerlich. Und zweimal hintereinander nach Eckbällen sehr bedenklich. Aber aus dem Spiel heraus steht der FCE weitgehend stabil.

Fazit: Die Torlosheimserie und Siegesflaute gegen Essen wurden gestoppt. Dazu setzte Tolcay Cigerci einen lupenreinen Hattrick. Zudem ist sein Bruder Tolga zurück, der in den verbleibenden Partien noch bedeutungsvoll werden könnte.