
Der 23. Mai wird beim HEBC Hamburg lange in Erinnerung bleiben. Mit dem 5:1 im LOTTO-Pokalfinale gegen SC Vorwärts/Wacker Billstedt gewann der Klub erstmals den Hamburger Pokal und löste das Ticket für den DFB-Pokal. Dazu kam kurz zuvor der gesicherte Klassenerhalt in der Oberliga Hamburg. Doch zu diesem besonderen Saisonende gehören am Reinmüller auch mehrere emotionale Abschiede.
Der Verein verabschiedet unter anderem Robin Schmidt, Friedemann Schott, Raoul Bouveron, Hendrik Diekmann und Roman Dömpke. Spieler, die auf unterschiedliche Weise Spuren hinterlassen haben: durch Einsätze, Tore, Verletzungsleid, Kabinenwirkung, Erfahrung und gelebte Identifikation.
Besonders eindrücklich würdigte HEBC den Abschied von Schmidt. „Robbo“ war zur Saison 2023/24 vom TuS Osdorf gekommen und wurde damals nach Vereinsangaben von manchem belächelt. Am Ende standen für ihn in Lila-Weiß 59 Einsätze, zehn Tore und ein Titelgewinn. Insgesamt beendet Schmidt seine Laufbahn mit 46 Toren in 279 Einsätzen in Hamburg und Schleswig-Holstein.
Sein letzter Einsatz gegen Niendorfer TSV wurde zum Sinnbild seines Willens. Wegen massiver Rückenprobleme hatte Schmidt kaum trainiert, lag bis kurz vor Anpfiff in der Kabine mit hochgelegten Beinen, spielte aber trotzdem. HEBC holte in Niendorf jenen Punkt, der letztlich den Klassenerhalt sicherte. Der Verein betonte deshalb, Schmidts Einsatz und Wille könnten „nicht hoch genug“ eingeschätzt werden.
Auch Schott wird am Reinmüller fehlen. Der frühere Spieler aus der Jugend des HFC, der auch Stationen bei RB Leipzig und VfL Halle hatte, kam 2021/22 zum HEBC. 67 Einsätze in fünf Jahren klingen nicht nach Stammspieler-Dauerrolle, doch der Verein machte deutlich, dass diese Zahl seinem Wert nicht gerecht wird.
Schott, der im Team auch „Friede“, „Karlo“ oder „Ballack“ genannt wurde, habe vor allem in seinen ersten Jahren auf der Sechs, Acht oder Zehn seine Qualität gezeigt. Verletzungen, Urlaube und berufliche Themen verhinderten mehr Einsätze. Noch wichtiger war für HEBC aber offenbar seine Wirkung auf die Kabine. Der Verein schrieb, Schott habe anderen vorgelebt, „was HEBC bedeutet“ - ob durch Unterstützung, Gespräche oder Organisation neben dem Platz.
Vizekapitän Diekmann beendet ebenfalls sein Karriere. Als "Papa" der Mannschaft hat er nicht nur mit Leistung auf dem Platz überzeugt, sondern nahm auch in seinen 150 Partien eine elementare Rolle in der Kabine ein.
HEBC teilt mit: "Wenn es darum ging, wer die Materialien organisiert, wer ein Auto stellen kann, wer für Ordnung nach der Saison sorgt, wer sich um die Geschenke der zu verabschiedenden Jungs kümmert. Dann hat sich bei unserer Mannschaft fast immer Hendo gekümmert. Nicht nur, weil er Führungsspieler war, vorangehen wollte und der Mannschaft vorleben wollte, was bei diesem Verein eben auch dazugehört. Sondern vor allem auch, weil er einfach nicht anders kann. Wie Hendo auf dem Platz vorangegangen ist, und zusammen mit Janek Wrede als verlängerter Arm des Trainerteams die Kabine mit angeführt hat, wird in der kommenden Saison eine riesige Lücke hinterlassen. Die Krönung mit seinem starten Startelfeinsatz im Finale hat unsere 29 sich selber beschert." Ein wahrlich würdiger Rahmen für das letzte Spiel.
Bouveron zieht es derweil zu HSV Barmbek-Uhlenhorst. Für HEBC kam der Angreifer auf 94 Einsätze, 16 Tore und zahlreiche weitere Vorlagen. Laut Verein gehört er damit in der Oberliga-Mannschaft zu den 15 Spielern mit den meisten Einsätzen. Die Marke von 100 Spielen verpasste er knapp.
HEBC verabschiedete Bouveron mit viel Wertschätzung und wünschte ihm, dass er künftig wieder jene Spielzeiten bekommt, die er verdient habe. Zugleich zeigte sich der Verein überzeugt, dass er seine Torquote in Barmbek weiter verbessern werde.
Dömpke war erst zu Saisonbeginn zum HEBC gestoßen und machte in der Vorbereitung schnell auf sich aufmerksam. Doch das Knie, das ihn bereits aus früheren Spielzeiten beschäftigte, wurde erneut zum Problem. Schmerzfreies Training und Spielen waren kaum möglich, weshalb Dömpke nur auf drei Scorer kam.
Trotz dieser frustrierenden Situation würdigte HEBC ihn ausdrücklich als Bereicherung für die Mannschaft. Dömpke sei bei jedem Spiel zur Unterstützung dabei gewesen und habe sich nicht beklagt. Der Verein wünscht ihm nun vor allem eine gute Genesung.
Damit endet für HEBC eine Saison, die kaum gegensätzlicher hätte sein können. Auf der einen Seite steht der historische Pokalsieg mit der Vorfreude auf den DFB-Pokal. Auf der anderen Seite gab es einen intensiven Abstiegskampf und nun Abschiede von Spielern, die den Verein und die Kabine geprägt haben.
Gerade deshalb fallen die Worte des Vereins so persönlich aus. HEBC verliert nicht nur Kaderspieler, sondern Charaktere. Am Reinmüller bleibt die Hoffnung, dass viele von ihnen auch künftig regelmäßig vorbeischauen.
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