Kapitän Sven Hofmann (r.) und sechs weitere Leistungsträger, die den FC Tegernheim verlassen haben, meldeten sich mit einer Stellungnahme zu Wort.
Kapitän Sven Hofmann (r.) und sechs weitere Leistungsträger, die den FC Tegernheim verlassen haben, meldeten sich mit einer Stellungnahme zu Wort. – Foto: Markus Schmautz

Sieben Tegernheimer Abgänge melden sich zu Wort

Die langjährigen Leistungsträger erklären, warum sie den Verein verlassen haben.

Der FC Tegernheim steht vor einem gewaltigen Umbruch. Nur noch wenige Spieler aus der Vorsaison stehen für den Neuanfang, den der neue Trainer André Kleinknecht zu bewältigen hat, zur Verfügung. Einige langjährige Leistungsträger, darunter die ehemaligen Kapitäne Andreas Siegert und Sven Hofmann, stieß es sauer auf, dass ihnen Jürgen Bauer, der Mitte November gemeinsam mit Thomas Seitz, die sportliche Leitung übernommen hat, mangelnden Charakter vorgeworfen hat.

Insbesondere geht es um folgende Textpassage: „Wir hatten im Winter zwölf feste Zusagen von der damaligen Mannschaft. Aus diesem Kreis haben aber noch einige Akteure ihre Zusage revidiert und den Verein verlassen. Das hat halt etwas mit Charakter zu tun. Schade, aber das ist halt so.“ Sie entstammt einem Bericht über den Umbruch beziehungsweise Neustart, der beim FC Tegernheim aktuell vonstatten geht. Nun meldeten sich neben Sven Hofmann (32) und Andreas Siegert (31) noch Felix Zillner (24), Martin Glöckner (24), Leo Waldhauser (26), Stefan Schmidl (31) und Peter Hofbauer (23) mit einer Stellungnahme.

Die Stellungnahme
von Sven Hofmann, Andreas Siegert, Felix Zillner, Martin Glöckner, Leo Waldhauser, Stefan Schmidl und Peter Hofbauer ungekürzt im Wortlaut:

Wir wollen uns zu dem Schlagwort „Charakter“ äußern und dazu Stellung nehmen. Wenn, dann sollten beide Seiten gehört werden. Es stellt sich die Frage: Warum haben so viele Spieler den Verein verlassen?

1. Der erste Knackpunkt war, dass Peter Bauer und Tom Schweiger aus bisher für uns Spieler immer noch unklaren Gründen den Verein verlassen haben bzw. verlassen mussten. Trotz mehrfacher Nachfrage unsererseits, konnten uns keine plausiblen Gründe genannt werden. Ab diesem Zeitpunkt, die beiden hörten Mitte November auf, hielten sich einige Spieler eine Zusage für die neue Saison offen.

Eines gilt es zu bedenken: Der Verein wäre ohne Peter Bauer niemals über so viele Jahre hinweg so erfolgreich gewesen. Peter Bauer ist für uns der FCT. Umso trauriger war seine Verabschiedung, die in einem Rahmen vollzogen wurde, die er so nicht verdient hat. Und zwar in der Halbzeitpause unseres Spiels gegen Weiden.

Mit dem Abdanken von Peter Bauer und Tom Schweiger bekamen wir eine neue sportliche Leitung, aus der sich bis heute nur einer von beiden vor die Mannschaft gestellt hat, um sich vorzustellen. Aber im Hintergrund wurde ständig für Unruhe gesorgt.

2. Durch die komplette Umstrukturierung im Verein (neue Führung, Finanzen usw.) wurde zusätzlich Unruhe in die Mannschaft gebracht, woraufhin sich immer mehr Spieler mit einer Zusage für die neue Saison zurückgehalten haben. Trotzdem war für viele Spieler klar, sollte der Kern des Kaders zusammenbleiben, dann bleiben sie auch. Ganz einfach aus dem Grund, weil wir einfach eine super Truppe waren.

3. Als wir uns untereinander unterhalten haben, stellten wir fest, dass jedem von uns gesagt wurde, dass so gut wie alle Spieler in der nächsten Saison bleiben würden. Das stimmte so aber nicht, da aufgrund einiger Unruhen der ein oder andere Spieler schon mitgeteilt hatte, dass er den Verein verlassen werde. Von diesem Zeitpunkt an haben die Verantwortlichen gemerkt, dass irgendetwas falsch läuft. Es wurde versucht, bei dem ein oder anderen Spieler nachzuverhandeln. Da war es aber schon zu spät. Insgesamt wurden wir untereinander ausgespielt.

Ebenso hörte man im Hintergrund, man wolle mit manchen Spielern nicht verlängern. Diesen Spielern wurde aber im persönlichen Gespräch etwas ganz anderes erzählt.

Manche Spieler wissen bis heute nicht, was mit ihnen nächste Saison ist. Folgende Antwort gab es auf Nachfrage; „Kommt halt mal zum ersten Training, dann sehen wir weiter!“ Oder: „Der Kader ist jetzt voll besetzt, weil wir nichts mehr von dir gehört haben." Aber es wurde von Vereinsseite her kein Gespräch mit diesen Spielern gesucht.

4. Es geht aber noch weiter: Obwohl sich das Trainerteam und der Verein über eine weitere Zusammenarbeit für die Saison 2022/23 schon einig waren, suchte die sportliche Leitung trotz fester Zusage im Hintergrund nach einer anderen „Trainer-Lösung“. Das ist ein absolutes No-Go.

5. Langjährige, verdiente Spieler erhielten keine Wertschätzung und wurden gar nicht oder nicht ordentlich verabschiedet.

6. Die Mannschaft der Saison 2021/22 wäre unter normalen Umständen größtenteils zusammengeblieben, da wir uns einfach super untereinander verstanden haben. Dies war jedoch aufgrund von Unruhen, Lügen und Vertrauensbrüchen nicht mehr möglich.

Wir denken, dass mit der Charaktersache eher von Vereinsseite etwas nicht stimmt. Oder hören ansonsten einfach so viele Spieler und der Cheftrainer auf?

Wir alle waren mit dem Verein tief verwurzelt, haben uns in Tegernheim sehr wohl gefühlt. Für uns alle war es eine gut überlegte und schwere Entscheidung, den Verein zu verlassen. Einfach war der Schritt nicht, aber dafür war er unausweichlich.

Aufrufe: 015.6.2022, 15:00 Uhr
Markus SchmautzAutor