Nach einer schwierigen Regionalliga-Saison, die mit dem Abstieg endete, hatte St. Pauli bereits zahlreiche Abgänge aus der U23 bekanntgegeben. In der kommenden Spielzeit wird sich die Mannschaft in der Oberliga Hamburg neu aufstellen. Für Bornemann ist das jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Rückschritt ohne Konzept, sondern Teil einer breiteren Überlegung.
„Wir werden die U23 nicht abmelden“
Bornemann formuliert deutlich: „Wir werden die U23 nicht abmelden, sie wird für uns weiterhin eine wichtige Mannschaft bleiben.“ Der Verein wolle seinen Unterbau „sukzessive weiterentwickeln“. Dazu gehören auch infrastrukturelle Maßnahmen am Brummerskamp und an der Kollaustraße, wo neue Plätze entstehen.
Bornemann sagt dazu: „Dann haben wir auch mal ein Setup, um Ansprüche zu erheben.“ Damit macht er klar, dass Talententwicklung nicht nur über Mannschaftsmeldungen funktioniert, sondern auch über Trainingsbedingungen, Platzkapazitäten und passende Strukturen.
Regionalliga-Niveau war für viele zu hoch
Der Abstieg wird bei St. Pauli offenbar auch als Hinweis verstanden, dass die bisherige Konstellation nicht für alle Talente ideal war. Bornemann ordnet die Probleme der vergangenen Saison offen ein: „Für die Toptalente, sofern sie nicht schon früh weggeholt wurden, war das Level zu hoch.“
Viele U19-Spieler seien in die U23 hochgezogen worden. Dort habe sich dann gezeigt, dass der Schritt in die Regionalliga häufig zu groß war: „Entweder konnten sie es körperlich oder vom Tempo nicht umsetzen und dann haben wir im Winter Spieler nachverpflichtet. Dann ist es keine Ausbildungsliga.“
Genau darin liegt der Kern der Debatte. Eine U23 soll entwickeln, darf aber sportlich nicht dauerhaft überfordert sein. Wenn im Winter nachjustiert werden muss, um überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben, verschiebt sich der Charakter einer solchen Mannschaft.
Neue U21-Liga als zusätzlicher Baustein
Ab Sommer kommt für St. Pauli ein weiterer Entwicklungsweg hinzu. Bornemann verweist auf die neue DFL-U21-Liga, die „genau das Alterssegment der 17- bis 21-Jährigen abdeckt“ und in der das Leistungsniveau ähnlich sei.
Damit entsteht für den Klub eine zusätzliche Ebene zwischen Junioren- und Herrenfußball. Bornemann sieht darin eine Chance, Talente passender zu fördern: „Wir müssen den Jungs auf unterschiedlichen Spielniveaus Möglichkeiten anbieten, damit sie sich entwickeln.“
Das bedeutet: Die U23 in der Oberliga soll nicht isoliert betrachtet werden, sondern gemeinsam mit der Profimannschaft und der Teilnahme an der U21-Nachwuchsliga ein Entwicklungsmodell ergeben.
Oberliga kann für Talente sinnvoll sein
Bornemann verweist zudem auf eine Beobachtung, die im Nachwuchsbereich häufig unterschätzt wird. Spieler, die aus unterschiedlichen Gründen zunächst einen Schritt zurückgehen, können über regelmäßige Spielpraxis auf niedrigerem Niveau wieder Fahrt aufnehmen. Er sagt: „Weiter haben wir beobachtet, dass sich Talente, die aus verschiedenen Gründen einen Schritt zurück gemacht haben, in der Oberliga dann aber über zwei Jahre hinweg regelmäßig spielen und in den Rhythmus kommen, weiterentwickeln.“
Für St. Pauli könnte die Oberliga Hamburg deshalb nicht nur eine Notlösung nach dem Abstieg sein, sondern auch ein passenderer Entwicklungsraum für bestimmte Spielertypen. Entscheidend wird sein, wie der Verein den Kader zusammenstellt und wie stark die Verzahnung mit Profis, U19 und U21-Liga tatsächlich funktioniert.
Neuer Ansatz nach dem Abstieg
Bornemann formuliert die entscheidende Frage offen: „Es gilt abzuwarten, ob es mit einer Profimannschaft, einer U23 in der Oberliga und einer Teilnahme an der U21-Nachwuchsliga mit sechs bis zehn Spielen nicht besser gelingt als bisher.“
Damit ist die Richtung beschrieben. St. Pauli verabschiedet sich nach dem Abstieg nicht von seiner U23, sondern sucht nach einem passenderen Modell für den Übergang in den Herrenbereich. Die Oberliga wird zur neuen Bühne, die U21-Liga zum zusätzlichen Baustein, die verbesserte Infrastruktur zur Grundlage.
Nach dem sportlichen Rückschlag beginnt für die jungen Kiezkicker damit ein Neuaufbau. Der Anspruch bleibt, Talente zu entwickeln - nur soll der Weg dorthin künftig breiter, flexibler und realistischer organisiert werden.