
Der inzwischen aufgelöste TuS Bövinghausen und der insolvente Türkspor Dortmund, der nach dem Regionalliga-Höhenflug vor dem Absturz in die Westfalenliga steht, sind bzw. waren stets für Schlagzeilen gut. Dem steht der aufstrebende FC Roj, der nun innerhalb weniger Jahre aus der Bezirksliga in die Westfalenliga aufgestiegen ist, in nichts nach. Noch vor wenigen Wochen schien alles normal, als der im Jahre 2008 von kurdischen Immigranten gegründete Verein mit Erfolgs-Coach Marcel Radke verlängerte.
Aufstieg in die Westfalenliga, Endrunde bei der prestigeträchtigen Hallenstadtmeisterschaft und Finaleinzug im Kreispokal. Alles ohne Wert, wenn der sehr schnelle Erfolg - vermeintlich der Durchmarsch in die Oberliga - winkt, auf den die Verantwortlichen um den Sportlichen Leiter Öcal Kaya mit einem neuen Coach hoffen, der offensichtlich plötzlich seine Zusage gegeben hat.
Mit Abpfiff des Dortmunder Kreispokal-Endspiels, das der FC Roj gegen eine B-Elf des Oberligisten ASC 09 Dortmund mit 4:2 gewann, wurde am heutigen Donnerstagabend bekannt, dass Roj sich zum Saisonende von Radke trotz der kürzlichen Vertragsverlängerung trennen wird. Radke bekam die Info vor zwei Tagen, ließ sich das Endspiel aber nicht nehmen und trat danach mit sofortiger Wirkung zurück.
Kaya erklärt gegenüber der Lokalpresse "Ruhr Nachrichten": "Ich kann verstehen, dass Leute mich jetzt für verrückt erklären. Aber seit der Verlängerung mit Marcel hat sich eine wichtige Situation verändert. Es hat sich eine Tür geöffnet, einen neuen Trainer zu verpflichten, bei dem ich als Sportlicher Leiter im Sinne des Vereins nicht nein sagen darf. Zu dem Zeitpunkt der Verlängerung mit Marcel war die Nummer mit dem neuen Trainer kalt. Deshalb haben wir verlängert. Als Mensch tut mir diese Entscheidung extrem weh, aber als Sportlicher Leiter muss ich so handeln. Marcel hat mir ganz deutlich gesagt, dass er das nicht nachvollziehen kann und enttäuscht ist. Das verstehe ich auch."
Radke sagt: "Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden, wie der Verein mit mir umgegangen ist. Das war respektlos. Die restlichen Spiele werde ich mir nicht mehr antun. Die Sachen, die jetzt vorgefallen sind, passen nicht zu mir, deshalb ist Schluss."
Nachfolger von Radke soll nach Informationen der Ruhr Nachrichten Sebastian Tyrala werden, der in der vergangenen Winterpause beim Regionalligisten Wuppertaler SV entlassen wurde. Der 38-Jährige wurde danach als heißer Kandidat beim Oberligisten SG Wattenscheid 09 und dem Westfalenligisten BSV Schüren gehandelt. Dies verlief jedoch im Sande. Eins steht fest: Tyrala weiß, wie diese schnelllebigen Dortmunder Amateurfußballvereine ticken. Der Ex-Profi war schon in Bövinghausen und bei Türkspor tätig.