
Traumstart, Tabellenführer, dann das Beben durch die Trennung von Torjäger "Ibo" Yilmaz und Flügelspieler Dominik Wüst und am Ende sogar die Aussicht auf die Regionalliga. Viel war los an der Staustufe in der Saison 25/26. Eine Chronologie einer Spielzeit, die in Eddersheim wohl niemand so schnell vergessen wird.
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Nach einer von Höhen und Tiefen geprägten Vorsaison erwischt der FC Eddersheim mit sieben neuen Gesichtern - darunter ein Trio von Türk Gücü Friedberg, die sich alle als Volltreffer herausstellen sollten - einen Start nach Maß in die neue Spielzeit. Sechs Siege aus den ersten sechs Spielen katapultieren den FCE an die Tabellenspitze der Hessenliga. Vor allem „Ibo“ Yilmaz ist früh in Torlaune: Beim 3:0 gegen den KSV Baunatal erzielt der Stürmer bereits seinen elften Saisontreffer. Neun davon kamen durch Dreierpacks zustande. Ende September kassiert Eddersheim beim 2:3 in Marburg die erste Saisonniederlage, wenig später folgt das Aus im Hessenpokal gegen Türk Gücü Friedberg. Trotzdem bleibt das Gefühl bestehen: Diese Mannschaft kann in dieser Saison etwas Besonderes erreichen.

Im Herbst wird es erstmals unruhig an der Staustufe. Yilmaz und Flügelspieler Dominik Wüst entscheiden sich bei Terminüberschneidungen zwischen Hessenliga und Icon League gegen den FCE und für Einsätze bei Buzz Club. Besonders das enttäuschende 2:2 gegen Schlusslicht 1. Hanauer FC Ende September, bei dem beide fehlen, sorgt intern für reichlich Gesprächsstoff. Im November folgt der nächste Nebenschauplatz: Yilmaz wird für die deutsche Kleinfeld-Nationalmannschaft nominiert und reist zur WM nach Mexiko. Dadurch verpasst der Torjäger beide Spiele gegen den FC Gießen – das Hinspiel geht mit 0:2 verloren, das Rückspiel gewinnt Eddersheim zwar mit 1:0, doch die Tabellenführung ist zu diesem Zeitpunkt bereits an Eintracht Frankfurt II verloren gegangen.

Zum Jahresabschluss wartet der große Showdown gegen die Eintracht. In Dreieich muss sich der FCE am 12. Dezember allerdings mit 1:3 geschlagen geben. Kurz zuvor ist Yilmaz aus Mexiko zurückgekehrt. Am Montag nach dem Spiel kommt es zum entscheidenden Gespräch zwischen Vereinsführung, Trainerteam und den beiden Spielern. Das Ergebnis: Die Zusammenarbeit mit Yilmaz und Wüst wird beendet. Die Trennung sorgt weit über die Hessenliga hinaus für Schlagzeilen. Ein Medienecho, wie es selbst Vorsitzender Erich Rodler zuvor noch nicht erlebt hatte.

Mit Beginn des neuen Jahres rückt das Sportliche langsam wieder in den Vordergrund. Der FCE gewinnt zunächst den Offensiv-Cup im Elfmeterschießen gegen TuRa Niederhöchstadt und präsentiert anschließend mit Nils Fischer (RW Walldorf) den Nachfolger für Yilmaz, der die Hessenliga-Torschützenliste mit 23 Treffern mit weitem Abstand anführt. Beim Testspiel in Hamburg gegen den FC St. Pauli II trifft Fischer direkt bei seinem Debüt und sammelt gleichzeitig erste Erfahrungen auf einer feuchtfröhlichen Mannschaftsfahrt.

Zum Rückrundenauftakt gegen den SC Waldgirmes (3:2) hat der FCE bereits sieben Punkte Vorsprung auf Platz drei. Doch im März gerät die Staustufen-Elf ins Stocken. Kein Sieg im gesamten Monat, dazu eine immer länger werdende Verletztenliste: Cem Kara, Angel Arthee, Nils Kohlbacher, Nils Fischer und Jonas Kummer brechen durch schwere Verletzungen teils länger weg oder fallen die gesamte Runde aus. Weil echte Angreifer kaum noch zur Verfügung stehen, läuft zwischenzeitlich sogar Rechtsverteidiger Noah Schmitt in der Spitze auf. Hinzu kommt, dass Kapitän Jörg Finger aufgrund von privaten Gründen fortan nicht mehr im Eddersheimer Aufgebot auftaucht.

Im April stabilisiert sich der FCE wieder. Trotz Personalsorgen werden die Ergebnisse konstanter und der Verein setzt mit dem Antrag der Regionalliga-Zulassung ein deutliches Zeichen. Anfang Mai darf dann ein Titel gefeiert werden. Im Kreispokalfinale setzt sich der FCE im Elfmeterschießen gegen Verbandsliga-Vizemeister TuS Hornau durch. Wenig später steht auch die Hessenliga-Vizemeisterschaft fest – trotz einer Niederlage gegen den SV Hummetroth, dem neuen Klub von Yilmaz und Wüst. Es kommt aber nicht zum Wiedersehen, weil beide zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr Teil des SVH sind. Weil der FC Gießen tags darauf patzt, ist Platz zwei endgültig gesichert. In der Rückrundentabelle schließt der FCE aber nur auf Platz sechs ab.
Parallel dazu sind die Vereinsveratwortliche auf der Zielgeraden, um die nötigen Unterlagen für die Regionalliga-Lizenz einzureichen. Besonders beim Thema Ausweichstadion muss der FC Eddersheim dringend eine Lösung finden. Viele Stadien werden geprüft, doch sie sind entweder baulich nicht geeignet oder zu teuer. Erhält der FCE keine Lizenz, dürfte er auch nicht an den Aufstiegsspielen teilnehmen. Die Zeit läuft.
Während die Saison langsam ausläuft, arbeitet der Verein bereits am Kader für die kommende Runde. Ein Transfer-Viererpack wird vorgestellt, allerdings platzt einer der geplanten Wechsel kurzfristig wieder: Raoul Petak zieht seine Zusage zurück und bleibt auch künftig bei Hessenliga-Aufsteiger Rot-Weiß Hadamar – sehr zum Unverständnis der Eddersheimer Verantwortlichen.

In der Woche vor dem letzten Saisonspiel gegen Darmstadts U21 verkündet der FCE die erfolgreich erhaltene Lizenz für die Regionalliga. Der Weg für die Aufstiegsspiele zur Regionalliga Südwest ist somit geebnet. Diese werden schließlich zum emotionalen Höhepunkt einer ohnehin außergewöhnlichen Saison. Rund 300 Fans begleiten die Mannschaft ins Mannheimer Rhein-Neckar-Stadion. Zwar setzt es dort eine deutliche 1:4-Niederlage, doch bei vielen überwiegt hinterher der Stolz. Für den perfekten Schlusspunkt sorgt schließlich das Rückspiel an der heimischen Staustufe: Mit einem 4:1 gegen den FK Pirmasens lässt der FC Eddersheim die Hoffnung auf die Regionalliga noch einmal aufleben und verabschiedet sich vor knapp 1.200 Zuschauern aus einer Saison, an die sich in Eddersheim wohl noch lange erinnert wird. Auch wenn es nicht für den Aufstieg reicht, ist sich Vereinschef Rodler sicher: "Wir sind trotzdem Gewinner."
