
Mainz. Auch während seines "Sabbatjahres" hat Dennis Kirn dem Fußball nicht gänzlich den Rücken zugewandt. Aktuell arbeitet Kirn, der 2024 die U19 des SV Gonsenheim in die DFB-Nachwuchsliga führte, als Nachwuchs-Scout beim 1. FSV Mainz 05. Mittelfristig sehe er sich aber wieder in einer Trainerfunktion, erklärt er. Inwieweit es bereits Anfragen gab und wie er auf seine bisherige Trainerlaufbahn zurückblickt, erzählt er uns im Interview.
Dieser Artikel wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung.
Seine derzeitige Anstellung als Scout hat für ihn einen großen Vorteil: Unter der Woche habe er deutlich mehr Zeit für seine Familie. Die finden die aktuelle Situation "absolut super", sagt Kirn. Außerdem habe die Arbeit als Scout ihm dabei geholfen "mal anders auf Dinge zu schauen". Seine Frau habe er aber schon vorgewarnt, dass die Situation sich im kommenden Sommer wieder ändern könne, sagt Kirn. Nach seinem Ausscheiden beim SV Gonsenheim im Sommer 2025, sei bis zum Ende des Jahres "Funkstille" von möglichen Interessenten gewesen. Seit Beginn des Jahres hätte allerdings schon der ein oder andere Verein bei ihm angeklopft, sagt Kirn. Ob er am Ende bei einer ambitionierten Jugendmannschaft oder im Aktivenbereich lande, sei aktuell noch nicht abzusehen.
Bevor der 40-Jährige in seine Tätigkeit als Trainer eingestiegen ist, spielte er selbst aktiv auf Oberliga-Niveau. Angesprochen auf seine Spielerzeit sagt Kirn: "Ich kriege Gänsehaut, wenn ich nur dran denke. Die Zeit würde ich gerne nochmal erleben". Insgesamt elf Jahre spielte er auf Oberliganiveau, unter anderem bei der SG Eintracht Bad Kreuznach und beim SV Gonsenheim, wo er nach eigener Aussage seine schönste Zeit als Spieler erlebte. "Die Zeit nimmt mir keiner. Ich habe wirklich alles rausgeholt aus meiner Zeit als Spieler, was ging", sagt Kirn.

Doch nicht nur als Spieler sollte Gonsenheim für ihn ein besonderes Pflaster bleiben. Mit der U19 des SVG gelang ihm 2024 der größte Erfolg seiner bisherigen Trainerlaufbahn: der Aufstieg als Herbstmeister der Regionalliga in die DFB-Nachwuchsliga. Eine Zeit, an die er gerne zurückdenke, sagt Kirn. "Wir wollten uns mit den besten Mannschaften messen. Einfach, um zu sehen, wo wir stehen". Die Rückrunde in der Bundesliga sei, trotz nur eines Sieges in zwölf Spielen, für Trainer und Mannschaft enorm lehrreich gewesen. Gegen teils übermächtige Mannschaften mit eigenen Nachwuchsleistungszentren zog sein Team häufig den Kürzeren. Gegen Mannschaften, wie den SSV Reutlingen oder den SV Darmstadt 98, wären aber auch weitere Siege möglich gewesen, sagt Kirn. "Ich musste auch lernen, dass der Trainer manchmal einen guten Plan hat und die Mannschaft alles richtig macht, aber die Einzelqualität des Gegners dann doch deutlich besser und entscheidend ist". Nicht unerwähnt lassen will Kirn den Aufwand, den sein damaliger Verein betrieben habe, um der Mannschaft alles so angenehm wie möglich zu gestalten. Beispielsweise durfte das Team einen Tag vor den Spielen anreisen und vor Ort übernachten. "Das war ein Riesenaufwand, das zu stemmen", sagt Kirn.
Für Kirn wird in der heutigen Zeit viel zu sehr der Fokus auf das taktische Verständnis eines Trainers gesetzt. Bei seiner Philosophie stehe das Menschliche im Mittelpunkt: "Das Wichtigste ist einen Zugang zu jedem Spieler zu finden. Wenn du den als Trainer nicht hast, dann wird es schwierig". Dieser Zugang sei von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Passend dazu erzählt er eine Anekdote aus seiner eigenen Jugend. Damals habe ein Trainer fast eine ganze Saison nicht mit ihm geredet, außer, um ihm mitzuteilen, ob er am Wochenende spiele oder nicht. Heute sei solch ein Ansatz nicht mehr zeitgemäß, sagt Kirn. Man müsse jeden mit abholen.
Im Trainingsbetrieb schnüre er auch selbst gerne noch einmal die Fußballschuhe oder gebe im Trainingsspiel den Aushilfs-Innenverteidiger, sagt Kirn. "Die Jungs freuen sich immer. Auch wenn ich den ein oder anderen Lacher kassiere, weil die Bewegungen nicht mehr ganz so rund aussehen."
Zur Serie: In dieser Reihe porträtieren wir ehemalige Trainer und Funktionäre, die derzeit nicht bei einem Team aus der Region an der Seitenlinie stehen. Ihr habt Vorschläge für einen Protagonisten, der Teil der Serie werden soll?
Dann mailt uns an fupa@vrm.de!
Weitere Porträts der Serie im Überblick: