2024-06-17T07:46:28.129Z

Allgemeines
Torjubel der Spieler des FC Penzberg beim 3:0-Heimsieg gegen den SC Pöcking-Possenhofen am 13. November 2021.
Torjubel der Spieler des FC Penzberg beim 3:0-Heimsieg gegen den SC Pöcking-Possenhofen am 13. November 2021. – Foto: Andreas Mayr

Siegesserie, Niederlagenserie, wieder Siegesserie: Achterbahnfahrt des FC Penzberg durch die Saison

Bezirksligist mit zahlreichen Höhen und Tiefen

Eines kann man dem FC Penzberg in dieser Saison nicht vorwerfen: Langeweile kommt beim Bezirksligisten nicht auf. Die Spielzeit ist geprägt von Extremen.

Penzberg – Das Jahr 2021 verleitet nicht gerade zum Rückwärts-Denken. Doch Martin Wagner hat genau das getan. Sein Job als Trainer des FC Penzberg verlangt das. Als Ambiente für die Rückschau wählten er und die Chefs des FCP ein gemütliches Abendessen, bei dem sämtliche Themen auf den Tisch kamen. Der FC Penzberg hat als Tabellensiebter den ersten Part der Bezirksliga-Saison abgeschlossen. Für einen Klub, der in den vergangenen beiden Jahren schon an die Landesliga ranschnuppert hat, mag das kein zufriedenstellendes Ergebnis sein. Warum der Coach die Vorrunde dennoch als wertvoll erachtet, erläutert er in der Analyse der Heimatzeitung.

Das Integrationsprojekt

Penzbergs Saison kann man als Zeitstrahl mit drei Intervallen betrachten. Die erste Phase reicht bis zu den Verletzungen der beiden Anführer Christian Wiedenhofer und Maximilian Panholzer (beide Kreuzbandriss) innerhalb von fünf Tagen im September. Im Gegensatz zur Vorsaison verlangten die Umstände von Martin Wagner diesmal nicht, einen Titelkandidaten zu entwerfen und zu formen, sondern ein integratives Jugendprojekt anzuleiten. Die wichtigsten Neuzugänge kamen entweder aus der A-Jugend (Torwart Korbinian Neumaier, Verteidiger Efe Kurtar) oder aus der Kreisklasse (Andre Maier). Statt ein System zu implementieren, musste der Trainer mit Fundamentalen beginnen. „Mir war nicht so klar, dass man ganz vorn anfangen muss“, sagt er. Nach der Vorbereitung vereinfachte der FCP seine Taktik. Für Wagner und den Vorstand war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass es nicht um Platz eins gehen würde. Mit Benedikt Buchner, Hannes Huber oder David Salcher hatte man zu viel Qualität abgegeben. Dennoch schlug sich Penzberg „erstaunlich gut“, wie Wagner betont. Fazlican Verep und Marco Wirtl wuchsen in Führungsrollen, Andreas Schneeweiß gelang ein „massiver Schub“, Efe Kurtar erkämpfte sich direkt einen Stammplatz. Fünf der ersten sieben Partien gewann Penzberg. „Das haben die jungen Spieler sehr gut gemacht.“

Die Schlotter-Phase

Zwei Ausdrücke findet Martin Wagner für die fünf harten Wochen in September und Oktober: „Schwächephase“ und „totale Misere“. Sechsmal in Serie verliert Penzberg, zuletzt wird das Team vom SV Aubing begraben, 0:6 heißt es am Ende. „Ist mir noch nie passiert“, sagt der Trainer. Mehrere Faktoren verschmolzen in dieser Phase. Verletzungen spülten den halben Kader in neue Rollen. Die wenigen verbleibenden Taktgeber riefen ihr Niveau nicht ab. Vorn ließ Penzberg, gerade in der ersten Halbzeit, regelmäßig beste Chancen aus. Dazu erlaubte sich die Defensive beinahe jede Partie einen groben Schnitzer. „Beides verträgt sich weniger gut“, merkt der Habacher an. Gerade die 31 Gegentore in 17 Spielen stören ihn.

Der Lichtstreif

Natürlich das Herbstfinale. Zwei Schlüsselereignisse sorgten für den (emotionalen) Umschwung. Zunächst der 2:1-Zittersieg über Unterpfaffenhofen mit Fazlican Vereps erlösendem Treffer. Dann natürlich der Neuzugang, der die Gemengelage in der Bezirksliga noch gehörig durcheinanderwirbeln wird. Mit Maximilian Berwein verpflichtete der FCP eine Ein-Mann-Kavallerie, die auf einen Schlag die Ladehemmung der Penzberger löste. Zehn FC-Tore in drei Spielen mit Berwein sprechen eine deutliche Sprache. Die Derbysiege über Raisting und den BCF Wolfratshausen „haben uns als Team gestärkt“ – und mit Team meint Wagner alle von der Ersatzbank bis hinauf in die Führungsetage.

Die Neuausrichtung

Ende Januar beginnt die Vorbereitung – und damit auch die Aufholjagd. Zumindest hofft man das beim FCP. „Jetzt können wir den Blick nach oben werfen“, sagt Martin Wagner. Angesichts von acht Punkten Rückstand sieht er den Relegationsplatz noch nicht außer Reichweite. Für diesen Traum dürfe Penzberg aber beinahe keine Partie mehr verlieren. „Wir werden alles dafür tun“, betont der Coach. Die ersten Spiele nach der Pause – allesamt nicht gegen die Spitzenteams – sieht er als Schlüssel, um sich in einen Rausch zu kicken. Vorausgesetzt, die Mannschaft lässt sich auf diese Mission ein. Die Vorbereitungswochen sind für die Penzberger Fußballer so etwas wie ein doppeltes Bewerbungsgespräch. Zum einen kämpfen sie um Stammplätze, zum anderen um ihren Coach. Nach der Testphase will Martin Wagner entscheiden, ob er beim FCP verlängert. Er sagt: „Für mich ist die Vorbereitung entscheidend, ob die Jungs mitziehen.“ (Andreas Mayr)

Aufrufe: 012.1.2022, 08:41 Uhr
Andreas MayrAutor