2024-05-24T11:28:31.627Z

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Vor 2000 Zuschauern stieg Michi Diermeier (r.) mit dem SV Donaustauf in die Landesliga auf.
Vor 2000 Zuschauern stieg Michi Diermeier (r.) mit dem SV Donaustauf in die Landesliga auf. – Foto: Markus Schmautz

»Papa, ich werde Bayern-Fan!«

Michael Diermeier, ein bekennender Dortmunder, ist dennoch ein Augenthaler-Fan +++ Trainerkarriere im Auge

Zweimal schaffte Michael Diermeier den Aufstieg in die Landesliga. Einmal mit dem Sportclub unter seinem Vater Reinhard als Trainer, einmal mit dem SV Donaustauf unter Klaus Augenthaler, Thomas Semmelmann und Andreas Vilsmaier. Mit Augenthaler verband den glühenden Dortmund-Anhänger eine besondere Beziehung. Aktuell ist der 34-Jährige verletzt und vereinslos. Allerdings kann er sich durchaus vorstellen, wieder ins Trainergeschäft einzusteigen.

Mit dem Fußballspielen fing Michael „Dieri“ Diermeier beim Freien TuS an. Anfang der 1990 Jahre trainierte nämlich sein Vater Reinhard die Erste, führte das Team in die BOL. Anschließend zogen die Diermeiers gemeinsam weiter zum SC Regensburg. Vater Reinhard coachte die Erste, Sohn Michael sorgte in der E-Jugend für Furore. „Ich verbrachte meine gesamte Jugendzeit beim SC, spielte von der D- bis zur A-Jugend in der Bezirksoberliga.“ Bereits als 17-Jähriger wurde Dieri mit einer Jugendfreigabe in die erste Herrenmannschaft, die gerade in die Kreisliga abgestiegen war, beordert. Das Team von Reinhard Diermeier schaffte den sofortigen Wiederaufstieg, sein Sohn war in der Offensive als Flügelstürmer gesetzt. „Zwei Jahre später waren wir auf der Suche nach einem Defensivspieler für die linke Seite. Ich war der einzige Linksfuß im Team. Somit wurde ich dorthin gestellt. Ich fand daran Gefallen und hatte wie durch Zufall meine Lieblingsposition gefunden.“

Der Sportclub schaffte es in die BOL, musste nach deren Auflösung in die Bezirksliga zurück. Dort gelang es den Diermeiers in der Saison 2013/14 die Meisterschaft zu erringen. Gemeinsam ging es hoch in die Landesliga. Zur Winterpause wurde allerdings Reinhard Diermeier entlassen. Sein Filius verließ den Verein ebenfalls und schloss sich für eineinhalb Jahre dem Landesligisten FC Tegernheim an, wobei er allerdings oft verletzt war und es nur auf elf Spiele brachte. Im Sommer 2015 folgte er dem Ruf des damals ambitionierten Bezirksligisten SV Donaustauf. Und dort sollte Dieri sein Glück wiederfinden. Das Trainerduo Andreas Vilsmaier und Thomas Semmelmann setzte auf Diermeier. Zur Winterpause kam noch Klaus Augenthaler mit dazu. Das Spiel der Spiele stand schließlich am 16. Mai 2016 an. Tabellenführer Donaustauf empfing den Rangzweiten Neukirchen beim Heiligen Blut. Vor 2000 Zuschauern siegten Vasilic, Bucher, Diermeier und Co. mit 2:1. Der Aufstieg in die Landesliga wurde tagelang gefeiert. Ein paar Tage später sicherte man sich mit einem deutlichen 4:0-Sieg gegen Sorghof, dem Meister der Bezirksliga Nord, zusätzlich den Titel des Oberpfalzmeisters.

In der kommenden Saison sorgten die Staufer in ihrem Landesliga-Premierenjahr für viel Wirbel. Die Augenthaler-Schützlinge sicherten sich hinter Gebenbach die Vizemeisterschaft, scheiterten dann allerdings in der Relegation an Chiemgau-Traunstein. Diermeier brachte es übrigens auf 33 Einsätze. Der Vertrag mit Klaus Augenthaler wurde nicht verlängert. Michael Diermeier wurde Spielertrainer beim SV Obertraubling. „Ich hatte eine ganz junge Mannschaft, rund 15 Spieler rückten aus dem Jugendbereich nach. Wir spielten eine gute Saison, wurden in der Kreisliga 1 hinter den starken Teams aus Sulzbach und dem FC Kosova Dritter mit 45 Punkten“, blick Diermeier zurück. Diesmal wurde sein Vertrag nicht verlängert. Dieri wechselte daraufhin als Spieler zum Landesliga-Aufsteiger VfB Bach. Dort wurde Thomas Semmelmann, die beiden arbeiteten in Donaustauf super zusammen, sein Trainer. „Hier herrschte ein toller Zusammenhalt. Auch nach dem Training und nach Spielen saßen alle beieinander. Beim VfB fühlte ich mich wohl.“ In der Relegation scheiterte Bach jedoch an Pfreimd. Der Abstieg war besiegelt. Im Sommer 2019 startete man daher in der Bezirksliga einen neuen Anlauf. Die Saison verlief mit Höhen und Tiefen, hinzu kam Corona. Mit dem Aufstieg wurde es nichts. Anschließend beendete Diermeier, der mit seiner Frau Julia in Zeitlarn ein Eigenheim errichtet hat, seine Karriere.

Im September 2021 gab er sein Comeback beim SV Burgweinting. Als spielender Co-Trainer sollte er dem neuen Trainerduo Jochen Seitz und Toni Wittmann helfen, das Team in der Kreisliga zu halten. Doch schon im dritten Spiel verletzte sich Diermeier ohne Fremdeinwirkung schwer. „Das Kreuzband war angerissen, der Meniskus beschädigt, das Außenband gerissen, ein Knorpelschaden kam obendrauf.“ Dennoch erfüllte er bis zum Jahresende seinen Vertrag beim SVB, unterstützte das Team von außen. „Es war aber von Beginn an klar, dass Toni Wittmann nach überstandenem Achillessehnenriss wieder an die Seite von Jochen Seitz zurückkehren wird. So habe ich mich Ende November verabschiedet, wünsche dem Verein alles Gute.“

In den nächsten Tagen entscheidet sich, ob Michael Diermeier am Mensikus operiert werden muss. „So oder so. Bis zum Sommer kann ich keinesfalls mehr spielen.“ Von einem Karriereende spricht er jedoch nicht. „Wenn sich etwas Passendes ergibt und ich wieder Fit und gesund bin, kann ich mir durchaus vorstellen, wieder als Spieler, Trainer oder Spielertrainer tätig zu sein. Aber wie gesagt, es muss passen. Ein Verein mit einem familiären Umfeld und ein Team mit Perspektive wären optimal.“ Vielleicht bekommt Michael Diermeier ja die Möglichkeit, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten und ebenfalls eine lange und erfolgreiche Trainerkarriere vor sich zu haben.

Diermeier im Interview

Michael Diermeier (34) spielte viele Jahre unter seinem Vater Reinhard beim SC Regensburg, unter Klaus Augenthaler beim SV Donaustauf avancierte der Dortmund-Fan zum Stammspieler beim damaligen Landesliga-Vizemeister. Bekannt ist er als lustiger und geselliger Typ, der einige Anekdoten preiszugeben hat.

Wer war Ihr bester Trainer?

Diermeier: Mein Dad. Und das sage ich jetzt nicht nur, weil er mein Vater ist. Er kann die eigenen Spieler, aber auch die Gegner, unwahrscheinlich gut einschätzen. Auch deshalb war er so erfolgreich. Er schaffte viele Aufstiege. Mit dem Freien TuS, einige mit dem SC Regensburg, mit Neutraubling oder Viehhausen.

Wie lief es zu Hause bei den Diermeiers nach Niederlagen?

Diermeier (lacht): Spannend. Zum einen war mein Vater ja mein größter Kritiker. Im Prinzip war ich nie gut. Nach Niederlagen gab es beim gemeinsamen Abendessen schon Mal Probleme. Meine Mutter Marion sorgte irgendwann dafür, dass wir nach Niederlagen nicht miteinander, sondern nacheinander gegessen haben.

Sie sind als lustiger Zeitgenosse bekannt. An welche Anektote können Sie sich ad hoc erinnern?

Diermeier: Mit dem Sportclub waren wir im Wintertrainingslager im Bayerischen Wald. Bei Ausdauerläufen fuhr mein Vater immer mit dem Auto hinterher. Als Bergläufe anstanden, hat er diese natürlich genauestens beobachtet. Allerdings musste er dazu sein Auto verlassen. So habe ich mir mit meinem Mitspieler Lukas Lang die Schlüssel organisiert. Gemeinsam sind wir zum Hotel zurückgefahren. Mein Vater musste die fünf Kilometer dann zu Fuß zurücklegen. Er hat es mit Humor genommen.

Wie oft wurden Sie schon mit Ihrem Vater verglichen?

Diermeier: Unzählige Male. Mein Vater war allerdings bis hoch in die Bayernliga ein pfeilschneller und dribbelstarker Offensivspieler. Ich fand meine Position links hinten in der Defensive. Daher ist es eigentlich schwierig, uns zu vergleichen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Klaus Augenthaler?

Diermeier: Es war eine große Ehre für mich, mit dem Weltmeister von 1990 zusammenarbeiten zu dürfen. Klaus Augenthaler zeigte sich als bodenständig und geerdet. Menschlich und sportlich war er top. Er als Bayern-Urgestein, ich als glühender Dortmund-Fan schlossen wir so manche Wette ab. Einmal musste ich dann tatsächlich mit einem Bayern-Trikot trainieren. Eigentlich hätte ihm dasselbe mit einem Dortmund-Dress geblüht, aber das musste dann für ihn einer meiner Mitspieler anziehen. Klaus Augenthaler ist ein Top-Mensch. Das war eine tolle gemeinsame Zeit, die ich keinesfalls missen möchte.

Sie sind zweifacher Vater. Werden ihre Söhne Dortmund-Fans?

Diermeier (lacht): Nico ist fünf, Timo zwei. Ich arbeite daran, aber mein Schiegervater Gerhard und meine Frau Julia unternehmen leider alles, dass die beiden Bayern-Fans werden. Das wird ein harter Kampf.

Genau in diesem Moment meldete sich übrigens Sohn Nico zu Wort. Er sprach aus voller Überzeugung: „Papa, ich werde Bayern-Fan!“

Aufrufe: 030.1.2022, 08:00 Uhr
Redaktion RegensburgAutor