2024-05-29T12:18:09.228Z

Interview
Der TSV Eintracht Karlsfeld feierte am Wochenende den Aufstieg in die Landesliga. Das Trikot von Florian Jungwirth durfte bei der Party nicht fehlen. Der Fußballprofi lebt in den USA seinen Traum. Habschied und Privat
Der TSV Eintracht Karlsfeld feierte am Wochenende den Aufstieg in die Landesliga. Das Trikot von Florian Jungwirth durfte bei der Party nicht fehlen. Der Fußballprofi lebt in den USA seinen Traum. Habschied und Privat

Florian Jungwirth: „Eintracht Karlsfeld ist mein Baby“

Fußball-Profi feiert Meisterschaft seines Heimatvereins

Fußballprofis leben in einem anderen Universum. Alles dreht sich um schnelle Autos und Millionen-Verträge. Dass es auch andere Typen gibt, zeigt Florian Jungwirth. Für ihn gehört sein Heimatverein Eintracht Karlsfeld zu den wichtigsten Dingen im Leben. Selbst am anderen Ende der Welt

Florian Jungwirth war nie weg. Er hat immer mitgefiebert. Mitgefeiert. Mitgelitten. Der Fußballprofi ist ein wichtiger Teil des TSV Eintracht Karlsfeld. Dabei hat er seit der D-Jugend kein Spiel mehr für seinen Heimatverein bestritten. Über die Jugendabteilung des TSV 1860 München hat es der 29-Jährige bis in die Bundesliga geschafft. Den Aufstieg mit dem SV Darmstadt feierte Jungwirth 2015 im Eintracht-Schal. Bei der Karlsfelder Aufstiegsparty in die Landesliga durfte dagegen das Trikot von Flo Jungwirth nicht fehlen. Statt einer Meisterschale reckten die Spieler das Dress ihres Freundes in die Höhe. Den Aufstieg der Karlsfelder feierte Florian Jungwirth am anderen Ende der Welt. Seit einem Jahr spielt er in der Major League Soccer bei San José Earthquakes.

Herr Jungwirth, wie haben Sie die Meisterschaft des TSV Eintracht Karlsfeld in den USA erlebt?

Ich war wohl der Einzige, der sich in Kalifornien für die Eintracht gefreut hat (lacht). Mein Freund Dominik Krüger hat mir das Meisterbild geschickt. Für die Mannschaft ist der Aufstieg in die Landesliga der Wahnsinn. Endlich hat der Verein wieder ein Aushängeschild.

Was bedeutet es Ihnen, dass die Mannschaft Ihr Trikot auf dem Meisterfoto präsentiert?

Auf so eine verrückte Idee kann nur Dominik Krüger kommen. Es zeigt mir, dass ich unglaublich tolle Freunde in Deutschland habe, die trotz der Entfernung noch an mich denken.

Hätten Sie der Mannschaft den direkten Wiederaufstieg zugetraut?

Nach einem Abstieg direkt wieder aufzusteigen zeigt, dass die Mannschaft Qualität und Charakter hat. So souverän Meister zu werden, ist eine starke Leistung. Der Aufstieg muss jetzt ein Signal sein. Es ist extrem wichtig, dass die A- und B-Jugend künftig wieder höherklassig spielt. Unsere eigenen Talente dürfen nicht zu anderen Teams im Dachauer Landkreis abwandern. Wir müssen ihnen eine Perspektive aufzeigen und sie an die erste Mannschaft heranführen.

„Kreisklasse oder Kreisliga darf nicht der Anspruch des Vereins sein“

In der Vergangenheit haben Sie immer wieder kritisiert, dass der Verein die Jugendabteilung vernachlässigt.

Damit spreche ich vielen Karlsfeldern aus der Seele. Wir hatten immer die beste Jugend im Landkreis. Unsere Nachwuchsmannschaften haben in der Bezirksoberliga oder sogar in der Bayernliga gespielt. Es schmerzt, wenn das alles in sich zusammenbricht. Kreisklasse oder Kreisliga darf nicht der Anspruch des Vereins sein. Aber jetzt sind endlich wieder Macher am Werk. Ich versuche dem Verein ebenfalls zu helfen, wo ich kann. Auch wenn ich weit weg bin. Ich habe mit fünf Jahren bei der Eintracht angefangen Fußball zu spielen. Damals konnte ich nicht geradeaus laufen. Dennoch bin ich Profi geworden. Ich möchte den Jugendspielern zeigen, was sie im Leben erreichen können.

Hat sich in der Karlsfelder F-Jugend noch nicht abgezeichnet, dass Sie Profi werden?

Ich war so schlecht. Das glaubt mir heute nur keiner mehr. Mein erstes Spiel habe ich 24:0 verloren. Mein Vater hat sich danach neben mich gesetzt und gefragt: Junge, das macht doch keinen Spaß. Willst du nicht etwas anderes machen? Für ihn muss das so schlimm gewesen sein. Er wollte sehen, wie sein Junge Fußball spielt. Aber ich habe am Spiel nicht mal teilgenommen. Ich hab mich auf den Boden gesetzt. Aber am Ende ist es ja noch gut ausgegangen (lacht).

Sie haben nur bis zur D-Jugend für Eintracht Karlsfeld gespielt. Warum verbindet Sie so viel mit dem Verein?

Für mich war es immer etwas Besonderes, Karlsfelder zu sein. Ich habe viele Freunde im Verein und bin mit den Spielern groß geworden. Mit Fabian Schäffer oder Domenico Tanzillo habe ich in der E-Jugend noch zusammengespielt. Das sind Urgesteine. Der Verein ist ihr Baby. Deshalb ist Karlsfeld auch mein Baby.

„Die Vorurteile gegenüber der MLS sind nicht mehr zeitgemäß“

Sie sind mit 28 aus der Bundesliga vom SV Darmstadt in die Major League Soccer gewechselt. Warum sind Sie im besten Fußballalter in die USA gegangen?

Es war immer mein Traum, im Ausland zu leben. Vielleicht hätte ich die Möglichkeit nie wieder bekommen. Ich bin kein Träumer. Ich bin Realist. Die Chancen, dass mich nach dem Abstieg mit Darmstadt noch ein Bundesligist genommen hätte, waren gering. Ich hätte den Weg in die 2. Liga antreten müssen. Die MLS ist deutlich stärker. Die Vorurteile gegenüber der Liga sind nicht mehr zeitgemäß. Die Vereine schließen langfristige Verträge mit jungen Talenten. Spieler wie Bastian Schweinsteiger, David Villa oder Zlatan Ibrahimovic sind die letzten Altstars der Liga.

Was macht die USA so reizvoll, dass Sie dafür Deutschland verlassen haben?

Meine Frau und ich sind Abenteurer. In diesem Land leben zu dürfen, ist ein Traum. In Kalifornien habe ich das Meer vor der Haustüre. Wenn ich ein paar Stunden mit dem Auto fahre, bin ich in der Wüste. Sobald ich einen Tag frei habe, bin ich unterwegs. Hawaii hat es mir besonders angetan. Die Landschaft ist unfassbar. Viel schöner geht es nicht.

Kann der Karlsfelder See mithalten?

Definitiv (lacht). Wer in Deutschland Hawaii-Feeling erleben möchte, muss zum Karlsfelder See.

Das Interview führte Christoph Seidl

Aufrufe: 010.5.2018, 16:32 Uhr
Münchner Merkur / Christoph SeidlAutor