2026-05-12T12:35:39.633Z

Allgemeines

40 Punkte als Faustregel: So eng ist der Oberliga-Keller

Die historische Analyse der Oberliga Niederrhein zeigt, dass für den Klassenerhalt meist rund 39 bis 40 Punkte nötig sind - in der aktuellen Saison könnte die Lage durch die Regionalliga-Konstellation aber noch brisanter werden.

von André Nückel · Gestern, 23:00 Uhr · 0 Leser
Enge Duelle um den Klassenerhalt in der Oberliga.
Enge Duelle um den Klassenerhalt in der Oberliga. – Foto: Ulrich Laakmann

Der Abstiegskampf in der Oberliga Niederrhein ist selten eine klare Angelegenheit, doch die Historie liefert zumindest eine brauchbare Orientierung. Seit der Gründung der Liga zur Saison 2012/13 zeigt sich: Wer am Ende der Saison ungefähr 39 bis 40 Punkte gesammelt hat, besitzt in den meisten Jahren sehr gute Chancen auf den Klassenerhalt.

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Rechnet man die gewerteten Spielzeiten seit 2012/13 zusammen und lässt die beiden Corona-Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 außen vor, lag der erste Nichtabstiegsplatz durchschnittlich bei 39,6 Punkten. Der Median, also der mittlere Wert der betrachteten Spielzeiten, liegt bei 39 Punkten. Noch aussagekräftiger ist der Blick auf die klassischen Spielzeiten mit 34 Spieltagen: Dort lag der erste Nichtabstiegsplatz im Schnitt bei 39,1 Punkten, der Median bei 39,5 Punkten.

Damit bestätigt sich, was im Fußball oft als Faustregel gilt: 40 Punkte sind in der Oberliga Niederrhein reichen fast immer für den Klassenerhalt. Garantien gibt es damit zwar nicht, weil die Zahl der Absteiger und die Regionalliga-Konstellation die Lage verändern können. Historisch betrachtet ist diese Marke aber ein sehr belastbarer Zielwert.

Der erste Absteiger liegt im Schnitt deutlich darunter

Interessant ist auch der Blick auf die andere Seite der Linie. Der erste Abstiegsplatz lag über alle gewerteten Spielzeiten hinweg durchschnittlich bei 35,6 Punkten, der Median bei 33 Punkten. Betrachtet man nur die normalen 34-Spieltage-Saisons, kommt der erste Absteiger im Schnitt auf 34,1 Punkte, der Median liegt bei 32,5 Punkten.

Das zeigt: Der Bereich zwischen 33 und 36 Punkten ist in der Oberliga Niederrhein historisch besonders gefährlich. Wer dort landet, kann je nach Saisonverlauf gerettet sein - oder eben knapp absteigen. In der Saison 2024/25 reichten 35 Punkte für den ersten Nichtabstiegsplatz, während der erste Absteiger bei 30 Punkten stand. 2023/24 war es deutlich enger: Der erste Nichtabstiegsplatz lag bei 34 Punkten, der erste Abstiegsplatz bei 33 Punkten. Noch extremer war 2012/13, als der erste Nichtabstiegsplatz und der erste Abstiegsplatz jeweils bei 39 Punkten lagen.

Es gab aber auch Jahre, in denen die Marke deutlich höher lag. 2018/19 benötigte der erste Nichtabstiegsplatz 43 Punkte, 2014/15 waren es 42 Punkte. Gerade diese Spielzeiten zeigen, warum 35 oder 36 Punkte nie als sichere Grenze verstanden werden dürfen.

Aktuelle Saison: Die Tabelle ist dichter als die Punktzahl vermuten lässt

In der aktuellen Saison steht die Liga nach 31 Spieltagen vor einer besonders spannenden Schlussphase. Der SV Biemenhorst ist bereits abgestiegen und wird deshalb für die weitere Rechnung kaum noch berücksichtigt. Dahinter ist aber fast alles offen.

Unter der Annahme, dass es bei drei Absteigern bleibt und Fortuna Düsseldorf nicht aus der 2. Bundesliga absteigt (sonach keine Chance auf drei Regionalliga-Absteiger vom Niederrhein), wäre derzeit Rang 16 der erste Abstiegsplatz. Dort steht der 1. FC Kleve nach 31 Spieltagen mit 34 Punkten. Hochgerechnet auf 34 Spieltage entspräche das ungefähr 37 Punkten. Das liegt nicht außergewöhnlich hoch, aber im historischen Grenzbereich.

Die eigentliche Brisanz entsteht durch die Enge der Tabelle. Zwischen Rang neun und Rang 17 liegen nur sechs Punkte. Der SV Sonsbeck und die Holzheimer SG stehen bei 39 Punkten, dahinter folgen die Sportfreunde Baumberg, DJK Adler Union Frintrop und der VfL Jüchen-Garzweiler mit 38 Zählern. Der 1. FC Monheim kommt auf 37 Punkte, der FC Büderich auf 35, Kleve auf 34 und der VfB Homberg auf 33 Punkte.

Nach historischen Maßstäben ist Sonsbeck mit 39 Punkten noch nicht mathematisch durch, aber in einer sehr ordentlichen Position. Holzheim bewegt sich ebenfalls in einem Bereich, der in vielen Jahren gereicht hätte. Für Baumberg, Frintrop, Jüchen und Monheim bleibt die Lage dagegen unangenehm, weil sie zwar oberhalb der direkten Abstiegsplätze stehen, aber noch nicht den klassischen 40-Punkte-Schutz erreicht haben.

Warum Platz 15 noch zum Problem werden kann

Zusätzliche Schärfe bekommt der Abstiegskampf durch den Blick in die Regionalliga West. Sollte es dort mit dem Wuppertaler SV, der SSVg Velbert und der U23 von Fortuna Düsseldorf drei Niederrhein-Absteiger geben - Letzteres durch einen möglichen Zwangsabstieg im Falle eines Abstiegs der Profis -, könnte in der Oberliga Niederrhein auch Rang 15 noch zum Abstiegsplatz werden.

Das wäre für die aktuelle Tabelle ein erheblicher Unterschied. Denn aktuell steht der FC Büderich mit 35 Punkten genau auf Rang 15. In einem normalen Szenario wäre dieser Platz noch rettend, im verschärften Szenario könnte er gefährlich werden. Damit würde sich die praktische Sicherheitslinie nach oben verschieben. Dann wären 37 oder 38 Punkte womöglich nicht mehr ausreichend, während die Marke von 39 oder 40 Punkten noch wichtiger würde.

Genau deshalb können sich auch Mannschaften wie Monheim, Jüchen, Frintrop oder Baumberg noch nicht zurücklehnen. Sie haben zwar einen Vorsprung auf Kleve und Homberg, doch dieser Abstand ist bei drei verbleibenden Spielen nicht groß genug, um bereits von Entspannung zu sprechen.

Was die Historie für den Endspurt bedeutet

Die Zahlen seit 2012/13 ergeben ein klares Bild: 39 bis 40 Punkte sind der zentrale Zielbereich. Wer dort landet, hat historisch betrachtet sehr gute Chancen, die Liga zu halten. Wer darunter bleibt, hängt stärker von der Konkurrenz, den direkten Duellen und der Zahl der Absteiger ab.

Für den aktuellen Endspurt heißt das: Sonsbeck und Holzheim haben mit jeweils 39 Punkten eine gute Ausgangslage, dürften aber zumindest noch einen Zähler gebrauchen, um die 40-Punkte-Marke zu erreichen. Baumberg, Frintrop und Jüchen stehen bei 38 Punkten und sind nahe dran, aber noch nicht endgültig sicher. Monheim benötigt bei 37 Punkten ebenfalls noch etwas, um nicht doch in den Strudel zu geraten.

Büderich, Kleve und Homberg stehen dagegen am stärksten unter Druck. Büderich liegt bei 35 Punkten und damit exakt in jenem Bereich, der historisch mal reicht und mal nicht. Kleve hat mit 34 Punkten wieder Anschluss gefunden, bleibt aber unterhalb der klassischen Rettungswerte. Homberg steht mit 33 Punkten auf Rang 17 und braucht eine deutliche Reaktion, um nicht ausgerechnet im Endspurt den Anschluss zu verlieren.

Diese Saison passt perfekt zur Geschichte der Liga

Die historische Analyse macht deutlich, warum der aktuelle Abstiegskampf so nervenaufreibend ist. Die Oberliga Niederrhein bewegt sich wieder einmal genau in jenem Bereich, der seit Jahren typisch für diese Liga ist: 40 Punkte wirken sicher, 39 Punkte sind stark, 35 bis 38 Punkte bleiben abhängig vom Umfeld gefährlich, und darunter wird es eng.

In dieser Saison kommt hinzu, dass die Regionalliga-Konstellation die Abstiegsgrenze noch verschieben kann. Sollte Rang 15 tatsächlich gefährlich werden, würde die 40-Punkte-Marke noch einmal an Bedeutung gewinnen. Genau deshalb ist der Endspurt so spannend: Es geht nicht nur darum, wer auf Platz 16 oder 17 steht. Es geht auch darum, wer es schafft, sich rechtzeitig aus dem historischen Risikobereich herauszuziehen.

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