Ziemlich wuchtig ist das Geschenk, das die Regionalliga-Vereine der Regionalliga-Spielleiterin Bärbel Petzold (Mitte) zum Abschied übergaben. Stellvertretend für die Klubs waren Schott-Mainz-Trainerin Nadine Kreß (links) und Wörrstadts Abteilungsleiterin Maria Breuer bei der Übergabe.
Ziemlich wuchtig ist das Geschenk, das die Regionalliga-Vereine der Regionalliga-Spielleiterin Bärbel Petzold (Mitte) zum Abschied übergaben. Stellvertretend für die Klubs waren Schott-Mainz-Trainerin Nadine Kreß (links) und Wörrstadts Abteilungsleiterin Maria Breuer bei der Übergabe. – Foto: p-p/Axel Schmitz

Regionalliga: Strandkorb zum Abschied

Alle 13 Mannschaften danken ihrer scheidenden Spielleiterin Bärbel Petzold mit originellem Präsent

WÖRRSTADT. Herrenlos war der Strandkorb nicht, der auf dem Platz am Neuborn stand. Das Geheimnis um dieses exotische Mobiliar lüftete sich kurz vorm Anpfiff des Frauenfußball-Spiels zwischen TuS Wörrstadt und TSV Schott Mainz. Zeremoniell wurde es an Bärbel Petzold übergeben. Als vorgezogenes Abschiedsgeschenk: Ende der Saison gibt die Alzeyerin die Spielleitung der Frauenfußball-Regionalliga ab.

Aus dem Grund hatten alle in der Regionalliga vertretenen Mannschaften gesammelt. Deren 13 sind es gegenwärtig. In deren Auftrag managte Maria Breuer, die Abteilungsleiterin von TuS Wörrstadt, nun die Übergabe.

Bärbel Petzold war beeindruckt. „Das finde ich wirklich toll“, sagte die Ehrenamtlerin. Es war ein Präsent, das sie sehr gut brauchen könne. Im heimischen Garten stehe bereits ein Strandkorb. Der aber sei in die Jahre gekommen, ein Austausch dringend nötig.

Von der Wertschätzung für die Arbeit beeindruckt

Die außergewöhnliche Ehrung Bärbel Petzolds führte auch viele Ehemalige auf den Sportplatz. Sogar der betagte Philip „Fips“ Scheidt schaute vorbei. Er war Manager der Mannschaft, die 1974 erster Deutscher Frauenfußball-Meister wurde. Zu dem Team gehörte seinerzeit auch Bärbel Petzold.

Die Sportlerin, die neben dem Fußball auch Handball und Tischtennis auf höherem Niveau spielte, engagierte sich frühzeitig in vielen Funktionen des Sportmanagements. So organisierte sie in den 80er-Jahren zunächst den Frauenfußball-Sportbetrieb im Südwestdeutschen Fußballverband. 1995, mit der Gründung der Regionalliga, übernahm sie dort die Spielleitung. Das sind inzwischen stolze 27 Jahre.

Dass diese ehrenamtliche Arbeit nun von den Vereinen in dieser besonderen Form gewürdigt wurde, rührte die Alzeyerin. „Da sieht man, dass die Vereine wertschätzen, was man gemacht hat“, sagte sie. Ab kommender Saison wird Nicole Recktenwald aus Dudweiler ihren Job als Spielleiterin übernehmen.

Die Entwicklung des Frauenfußballs ist noch nicht am Ende

Hinter Bärbel Petzold liegen unspektakuläre Jahre als Spielleiterin. Ihr Credo sei es gewesen, den Kontakt zu „ihren“ Vereinen persönlich zu pflegen. Zweimal in jeder Saison habe sie versucht, vor Ort vorbeizuschauen. Ihre Wörrstädter Vergangenheit habe nur in den ersten Jahren hier und da Stirnrunzeln ausgelöst. Unterstellungen, sie würde den Neuborn-Klub bevorzugen, trat sie entschieden entgegen. De facto sei es umgekehrt gewesen. Um erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, eine besondere Nähe zu einem Verein zu haben. Dieses Vorurteil habe sich längst verflüchtigt.

Bärbel Petzold hat über drei Jahrzehnte den Frauen- und Mädchenfußball im Südwesten geprägt. Ihre Bilanz fiel allerdings nicht euphorisch aus. Sie sagte: „Der Frauenfußball hat sich entwickelt. Das Gute, dass er sich auf allen Ebenen entwickelt hat - im Breiten- wie im Leistungssport“. Defizite sieht sie an der Basis, in den Vereinen. „Dort hat sich in all den Jahren wenig verändert. Es gibt noch viel zu wenige Frauen, die sich in dem Metier weiterbilden, die beispielsweise eine Trainer-Ausbildung anfangen“.

Dabei wäre es gerade für die Frauen und Mädchen wichtig, dass der Fußball ihre Bedürfnisse stärker berücksichtigen. „Sie brauchen mehr den Wohlfühlfaktor“, reflektierte sie. Dazu gehört auch Anerkennung. Es war kein Zufall, dass sie ein Abschiedsgeschenk bekam. Es war auch ein Signal, was Frauen wichtig ist. Wie sie ihren Sport leben – und gelebt sehen möchten.



Aufrufe: 011.5.2022, 10:30 Uhr
Claus RosenbergAutor