Erfolgreiche Jugendarbeit: So läuft’s!
Dienstag 23.02.21 15:30 Uhr|Autor: Jan-Philipp Kaul / FuPa1.480
Viel Spaß und dabei noch erfolgreich: Die B-Juniorinnen des FSV Gütersloh. Foto: Henrik Martinschledde

Erfolgreiche Jugendarbeit: So läuft’s!

Armin Aust, Wolfgang Beine und Hubert Austerschmidt liefern einen Einblick in die Jugendabteilungen ihrer Vereine und geben Tipps, wie man eine dauerhafte und stabile Basis schaffen kann.

Die Sportplätze sind dicht, der Lockdown zerrt an den Nerven und wir alle haben teilweise seit Monaten nicht mehr gegen den Ball getreten. Wann die Senioren wieder auf den heiligen Rasen dürfen, steht noch in den Sternen, doch auch die Kinder und Jugendlichen müssen sich weiterhin gedulden. Schulöffnung – Ja! Fußballtraining – Nein!

Viele Vereine haben speziell in Zeiten von Corona Angst, ihre Basis zu verlieren – wenn diese überhaupt vorhanden ist. Vor allem im ländlichen Raum fehlt es manchen Vereinen teilweise an einer kompletten Jugendabteilung oder zumindest an einzelnen Jahrgängen. Wenn dann keine Spieler(/-innen) in den Seniorenbereich vorrücken und die Vereine kein Geld für mögliche Neuzugänge in die Hand nehmen können, gucken diese buchstäblich in die Röhre. Nicht selten sind Spielgemeinschaften (mit mancherorts vier Vereinen!) die Übergangslösung, um überhaupt an Nachwuchs zu kommen.




Wie hoch wird der Mitgliederschwund nach dem Lockdown wirklich sein? Wenn der Leistungsdruck in der Schule immer größer wird, haben die Kinder und Jugendlichen überhaupt noch Zeit und Lust aufs wöchentliche Training? Doch es gibt auch andere Faktoren, weshalb manche der schönsten Nebensache der Welt den Rücken kehren. Treffen mit Freunden, gemeinsames Zocken, Fahrschule, Umzüge, Pumpen im Fitnessstudio, andere Sportarten, aber natürlich auch inkompetente Trainer(/-innen) können eine Rolle spielen, mit dem Kicken aufzuhören.

Die Jugendleiter Armin Aust vom FSV Gütersloh, Wolfgang Beine vom VfR Wellensiek und Hubert Austerschmidt vom Delbrücker SC sind mit ihrer erfolgreichen Nachwuchsarbeit ein Beispiel, wie es funktionieren kann. Vor Kurzem hat der VfR und der DSC sogar eine DFB-Bonuszahlung für die Ausbildung von U-Nationalspielerinnen und –spielern erhalten. Im Gespräch mit FuPa Ostwestfalen haben die Drei versucht, Antworten zu liefern, wie Vereine dauerhaft und stabil Nachwuchsarbeit betreiben können.


Veränderungen und Probleme in den letzten Jahren

Das Problem mit den Schulzeiten bestätigt auch der erfahrene Jugendleiter vom FSV Gütersloh, Armin Aust: „Durch die längeren Schulzeiten ist es schwieriger, die Kids auf den Platz zu bekommen. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig. Nicht nur bei den Mädels, sondern auch bei den Jungs. Durch Corona ist das jetzt nicht einfacher. Ich bin mir nicht sicher, wie das ausgeht, wenn das noch länger andauert." Wolfgang Beine vom VfR Wellensiek hat zudem noch eine Veränderung bei den Vereinswechseln festgestellt. „Als mein Sohn damals angefangen hat, war das ganz klar, der spielt dort im Verein bis zur A-Jugend. Das gibt es heute nicht mehr. JugendspielerInnen wechseln häufiger den Verein, je nachdem, in welcher Liga man gerade kickt, gehen die Leute weg oder kommen.“

Überwiegend im Bereich der C- bis D-Jugend befürchtet Armin Aust einen Weggang: „Das wäre eine Katastrophe, wenn die älteren C- oder D-Jugendspieler(/-innen) sagen, „Ach ne, ich habe jetzt andere Interessen, ich habe kein Bock mehr. Bei den Minikickern können sich die Eltern halt noch mit einschalten.“


Die vier Säulen einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit

Um diesen Veränderungen und Problemen entgegenzuwirken, definiert Güterslohs Jugendleiter Armin Aust vier Säulen, auf die die Jugendabteilung des FSV aufgebaut ist. „Zunächst achten wir darauf, dass die Mädchen bei uns im Vordergrund stehen. Wir wollen individuell die sportliche soziale Entwicklung fördern und den Faktor Spaß natürlich nicht vergessen“, erzählt Aust.

Die zweite Säule basiert auf den Eltern. Die Kommunikation mit den Erziehungsberechtigten müsse hier an erster Stelle stehen. „Sie unterstützen den Verein mit ihrem Aufwand und der ganzen Organisation. Sie sind also auch Betreuer, deshalb sind Gespräche mit den Eltern ganz wichtig, um neue Dinge rauszuhören. Eltern haben einen großen Anteil am Erfolg der Mädels und dem Verein“, unterstreicht Aust die Wichtigkeit.

Bei der dritten Säule sind sich Armin Aust, Wolfang Beine und Hubert Austerschmidt mehr als einig. Qualifizierte Trainer(/-innen) ist hier das Stichwort. „Bei vielen Vereinen ist es ja so, dass da einfach einer hingestellt wird. Wir legen allerdings großen Wert auf gute, kompetente TrainerInnen, die eine C- oder B-Lizenz besitzen“, so Hubert Austerschmidt vom Delbrücker SC. Dabei fördert der DSC die Coaches, indem sie diese finanziell bei den Lehrgängen unterstützen. „Das ist eine gute Investition, weil wir dadurch gute TrainerInnen erhalten“, resümiert Austerschmidt weiterhin. Neben sportlichen Fachkenntnissen ist aber auch die soziale Komponente nicht zu vernachlässigen. „Du musst vernünftige Jugendtrainer(/-innen) haben, die vermitteln, dass der Sport ein Gemeinschaftsunternehmen ist. Wenn Leute zum Verein kommen und denken, sie müssten direkt in der Bundesliga spielen, dann funktioniert das nicht. Man muss den Leuten da offen und ehrlich begegnen“, sagt Wolfgang Beine vom VfR Wellensiek. Die Verlässlichkeit spielt auch hier eine große Rolle. „Man kann die Kids nicht nur hinter dem Ball herlaufen lassen, sondern man muss eine vernünftige Ausbildung betreiben als Verein. Man braucht verlässliche Trainer, die nicht einfach mal eine Stunde vorm Training absagen. Die Kinder brauchen einen fixen Termin, einen geregelten Ablauf und ein geregeltes Training“, so Armin Aust.

Die vierte Säule umfasst letztendlich einen kompetenten Vereinsvorstand. Nicht nur innerhalb der Jugendabteilung müssen die Rollen klar strukturiert sein, auch nach außen hin müsse der Verein stabil gestaltet sein und man solle als Team auftreten, so die Meinung der langjährigen Jugendleiter aus Ostwestfalen. Hierbei sind die Kommunikation, der Teamspirit und die bereits eben erwähnte Verlässlichkeit die Schlüssel zum Erfolg.


Weitere Tipps für Vereine

Der Delbrücker SC hat eine gute Lösung gefunden, wie schon im frühen Alter Kinder auf den Fußball aufmerksam gemacht werden können. Hubert Austerschmidt bietet mit seinen Jugend-Koordinatoren einen Schnupperkurs für Kinder ab vier Jahren an. „Wir haben eine Verbindung mit den Kindergärten aufgebaut. Vor dem Lockdown hatten wir 25 Kinder. Das ist unsere große Stärke, sodass wir in der Mini- und F-Jugend immer genügend Leute haben“, erzählt Delbrücks Geschäftsführer der Jugendabteilung stolz. Der DSC hat zudem seit 2009 einen Integrationsbereich, wo Jugendliche mit Behinderungen ihrem Hobby nachgehen können und gefördert werden. Armin Aust vom FSV Gütersloh rät Vereinen zudem schon frühzeitig bei den Minikickern anzufangen, um insbesondere auch Mädchen an den Fußball zu binden. Dort mahnt er allerdings auch zur Vorsicht. „Mit Mädchen muss man anders umgehen. Ich darf sie als Trainer nicht wegjagen. Es gibt Beispiele, da waren 50 Prozent Mädchen und 50 Prozent Jungs bei den Minikickern aktiv und am Ende ist kein Mädchen übrig geblieben. Die Mädels brauchen Spielzeit, sonst wird der Sport für sie uninteressant."

Wenn Vereine noch keine Fußballjugendabteilung besitzen, ist es ein wichtiger und logischer Schritt, immer zwei aufeinanderfolgende Jahrgänge zu haben. Beispielsweise, wenn man mit einer Mini- und F-Jugend startet. So können die SpielerInnen allesamt gleichzeitig in den nächsten Jahrgang aufsteigen und es wird immer zwei Mannschaften geben. „Es wird halt schwierig, wenn du eine F-und eine B-Jugend hast. Dann kommt dazwischen nämlich nichts und die Leute sind nach zwei Jahren weg“, erklärt Wolfgang Beine.


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Die Jugendarbeit ist das wichtigste Element in einem Verein«

Das Programm vom DFB, welches Bonuszahlungen für die Talentförderungen ausschüttet, kann ein Ansporn für die Vereine sein, sich um die Jugend zu kümmern und zu fördern. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, dass die Kinder schon im Minikicker-Alter individuell gefördert werden müssen und der Spaß am Sport an erster Stelle steht – damit sie die Lust nicht verlieren. Auch Armin Aust unterstützt die Talentförderung vom DFB, speziell für die Mädchen. „Es gibt Vereine, die mit Mädchen gar nicht mehr zusammenarbeiten wollen. Da ist die Förderung überschaubar. Und durch das Programm vom DFB merken die Vereine vielleicht auch, dass ein Anreiz geschaffen wird und sie somit auch ihren Etat ausbauen können.“

Auch wenn der Lockdown die Kinder und Jugendlichen derzeit noch ans heimische Sofa sowie an die Konsole oder das Handy fesselt, blickt Wolfgang Beine positiv in Richtung Zukunft. „Ich glaube nicht, dass die Kinder danach nicht mehr kommen werden. Es ist tatsächlich so, dass ich 1-2 Mal in der Woche Anrufe kriege, wann wir denn endlich wieder starten können. Die Kids sind teilweise so heiß. Vielleicht sind die Leute im ersten Moment ein bisschen vorsichtiger, aber das wird schon alles weitergehen.“ Schlussendlich unterstreicht auch Hubert Austerschmidt noch einmal den immensen Stellenwert einer funktionierenden Jugendabteilung: „Die Jugendarbeit ist das wichtigste Element für einen Verein, nur so kann dieser auch in Zukunft überleben."


 


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