Rüdes Foul zerstört den Lebenstraum
Freitag 17.08.18 18:00 Uhr|Autor: Claus Rosenberg2.316
Trotz mehrerer Schicksalsschläge hat Lisa-Marie Rebholz, hier beim Pokalspiel im Kreis ihrer neuen Gefährtinnen von TuS Wörrstadt, ihren Frohsinn behalten. Foto: pa/Axel Schmitz

Rüdes Foul zerstört den Lebenstraum

Lisa-Marie Rebholz +++ Die Alzeyerin stand schon auf dem Zettel der Bundestrainerin +++ Nun bei TuS Wörrstadt am Ball

Wörrstadt. Ein brutales Foul hat womöglich die Nationalkader-Karriere von Lisa-Marie Rebholz zerstört. Es war in einem Fußballspiel der Jugend-Kreisklasse. Ein Junge holte die junge Alzeyerin derart rüde von den Beinen, dass alle Bänder im rechten Fuß gesprengt wurden. „Als das passierte, war ich auf dem Höhepunkt meiner Leistungsfähigkeit“, sagt sie am Rande des DFB-Pokalspiels in Wörrstadt.




2016 war das. Es hätte ihr Jahr werden können. Beim Regionalturnier war sie der Bundestrainerin aufgefallen, ihr Name stand auf dem Merkzettel. Ein paar Wochen später stand der Länderpokal in Duisburg an. Sie freute sich drauf. Und dann dieses eine Foul, für das ihr Gegenspieler „nur die Gelbe Karte sah“. Die heute 17 Jahre alte Gymnasiastin kann es immer noch nicht verstehen, warum der Schiedsrichter nicht einmal einen Platzverweis aussprach.

Wer dem Teenager zuhört, kann die Verbitterung nachvollziehen. Dieser eine Fehltritt, möglicherweise eine Affekthandlung aus der Frustration heraus, von einem Mädchen „ausgespielt“ worden zu sein, veränderte das Leben von Lisa-Marie Rebholz von einer Minute auf die andere. Zwei Operationen bei einem Spezialisten in Heidelberg waren nötig, damit das Mädchen keine weiteren Schäden davontrug. Dazu kamen unzählige Stunden beim Physiotherapeuten. Ganz zu schweigen von den Schmerzen, die die Verletzung bereitete, und der Enttäuschung, sich nicht für den Nationalkader empfehlen zu können. „Da flossen Tränen“, erinnert sich die Schülerin des Alzeyer Gymnasiums Am Römerkastell, obwohl es schon mehr als zwei Jahre zurückliegt.

Lisa-Marie Rebholz kämpfte sich zurück. Sogar bis in die Zweitliga-Mannschaft von Schott Mainz schaffte sie es trotz ihres jugendlichen Alters. In einem unglücklichen Zweikampf handelte sie sich in einem dieser Meisterschaftsspiele die zweite schwere Verletzung ihrer Laufbahn ein. Das Trommelfell im Ohr platzte. Abermals musste sie aufwändig operiert werden. Das erzählt sie, während ihre neuen Teamgefährtinnen, die Fußballerinnen von TuS Wörrstadt, ein paar Meter weiter tapfer gegen das Erstrunden-Aus im DFB-Pokal kämpften.

Gerne hätte sie ihnen geholfen. Ging aber nicht, weil sie wieder verletzt ist. Im Freundschaftsspiel gegen Frankfurt riss erneut ein Band diesmal am linken Fuß. Wenigstens sechs Wochen Pause sind die Folge.

In Anbetracht der Verletzungshäufigkeit hat man ihr geraten, eine andere Sportart als Fußball auszuüben. Lisa-Marie Rebholz: „Doch das kann ich nicht. Fußball ist nicht mein Hobby, Fußball ist meine Leidenschaft“, sagt die zentrale Mittelfeldspielerin, die bis zur letzten Saison noch in der Auswahl des Juniorinnen-Bundesligisten FC Speyer eine tragende Rolle spielte. Seit sie fünf Jahre alt ist, kickt sie. Beim TV Dautenheim fing sie an, weitere Stationen bei SW Mauchenheim, TuS Wörrstadt und TuS Nack folgten.

Trotz der schweren Verletzung, die sie sich im Spiel gegen Jungs holte, ist Lisa-Marie Rebholz weiterhin in der Jungen-Mannschaft von TuS Nack am Ball. Der Südwestdeutsche Fußballverband hat ihr eine Sondergenehmigung erteilt. Normalerweise dürfen Mädchen nur bis zur B-Jugend bei den Jungs mitmachen.

Lisa-Marie Rebholz drängte auf diese Sondergenehmigung. Weil ihr das Fußball-Spiel mit Jungs „viel Spaß macht“. Aber auch, weil sie merkt, dass sie über den Wettkampf mit Jungs selbst besser wird.

Möglicherweise ein Stipendium in den USA

Wie gut sie ist, zeigte sich vor einigen Monaten an der Sportschule in Hennef. Scouts von amerikanischen Universitäten, darunter die weltberühmte Harvard University, sondierten, ob sie die eine oder andere Fußballerin als Studentin gewinnen könnten. Lisa-Marie Rebholz, die 1,6er-Schülerin vom Röka, weckte ihr Interesse.

Als Zwölftklässerin mit den Leistungskursen Englisch, Sport und Bio hat sie noch Zeit mit der Entscheidung. Sie weiß nur, dass sie gerne Ärztin werden möchte. Das schränkt auch die sportlichen Pläne ein. Vorerst, sagt sie, genieße sie es, bei TuS Wörrstadt aktiv sein zu dürfen. Hier fühlt sie sich wohl. Vor allem dann, wenn dieses dusselige Sportverbot aufgehoben ist, das sie vorläufig noch in die Rolle der Zuschauerin zwingt.




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