Die (erwachsene) osmanische Katze
Dienstag 24.11.20 16:00 Uhr|Autor: Redaktion3.871
Bekannt für seine spektakulären Paraden: Tugay Akbakla alias "Osmanische Katze". Foto: Mario Wiedel

Die (erwachsene) osmanische Katze

Eltersdorf Schlussmann Tugay Akbakla (23), ein Spaßvogel vor dem Herrn, ist erwachsener geworden und zählt inzwischen zu den besten Torhütern der Bayernliga
Der Bogen war überspannt. Restlos. Bernd Eigner blieb letztlich nichts anderes übrig, als Tugay Akbakla vorzeitig zum Duschen zu schicken. "Er wollte nochmal zurückkommen. Doch ich habe ihm unmissverständlich klar gemacht, dass das Training für ihn beendet ist", erinnert sich der Quecken-Coach. Der als Spaßvogel bekannte Schlussmann von Bayernliga-Spitzenreiter Eltersdorf war damals so lustig, dass es nicht mehr lustig war. Eine seriöse Fünftliga-Einheit war mit ihm praktisch ausgeschlossen, weshalb sein Coach zu drastischen Mitteln griff.


Wer aber glaubt, in Folge dieser Geschichte, die inzwischen schon wieder ein paar Jährchen zurückliegt, wäre das Tischtuch zwischen dem Chef auf der Bank und dem Mann im Kasten auf ewige Zeiten zerschnitten, der irrt. Vielmehr ist das genaue Gegenteil der Fall. Tugay Akbakla ist mit etwas Abstand Bernd Eigner dankbar, sehr dankbar. "Neben meinem Vater hat er den größten Anteil daran, dass ich erwachsener geworden bin."

Die Reife hat nicht nur die Persönlichkeit des 23-Jährigen positiv verändert, sondern auch sein Torwartspiel. Er hat es gelernt, im Rahmen seines Teams Verantwortung zu übernehmen, was sich allein dadurch äußert, dass er während der 90 Minuten sehr aktiv seine Vorderleute coacht. Der verstärkte Fokus auf das Wesentliche hat zudem dazu geführt, dass er sein zweifelsohne vorhandenes Talent in den Kerneigenschaften eines Torhüters immer öfter und länger ausschöpfen kann. Hinzu kommt noch eine starke spielerische Komponente. "Auch wenn es mit viel Arbeit verbunden war, ihn zu erziehen" ist Bernd Eigner inzwischen komplett zufrieden mit seiner Nummer 1: "Er hat alles, was ein moderner Torhüter haben muss."


Stadionsprecher Betzelt und seine folgenschwere Ansage



"Es gibt sehr viele gute Keeper in der Bayernliga - aber er ist einer der besten überhaupt. Er hält inzwischen auch den ein oder anderen Unhaltbaren, spielt super mit und ist sowas wie ein erweiterter Kapitän." Das war aus vorher genannten Grund nicht immer so. Auch sportlich war die Phase vor Eltersdorf eher mau. In jungen Jahren, bis zur U15, wurde Tugay Akbakla in der Jugend von Greuther Fürth ausgebildet, im Seniorenbereich war er sogleich Stammkeeper des damaligen Bayernligisten Jahn Forchheim, ehe er sogar für Seligenporten zu Regionalliga-Einsätzen kam. Danach verlierte sich aber seine Erfolgsspur etwas - der gebürtige Nürnberger war die Nummer 2 bei Landesligist Kornburg.

Aufgrund seiner Vorgeschichte war Eigner etwas skeptisch, als Akbakla 2017 seine Zelte in Eltersdorf aufschlug, wie er offen zugibt. "Ich bin ein Fan von großen Torhüter", erzählt der ehemalige Profi angesprochen auf den durchwachsenen ersten Eindruck. "Tugay konnte uns erst nach und nach von sich überzeugen. Ihm kam zugute, dass er Fehler annimmt und daraus lernt." Während er beim Trainerteam also etwas Anlaufschwierigkeiten hatte, war er bei den Fans - allen voran bei Holger Betzelt - sofort der Liebling.



Der Stadionsprecher, der zudem die Facebook-Plattform "Queckenfunk" betreibt, taufte den Neuling kurzerhand "Osmanische Katze" und verbreitete diesen Namen nicht nur bei seinen Ansagen im Elsner Sportpark, sondern auch bei Gesprächen mit Spielern, Fans und Funktionären. Dieser Künstlername ist laut Betzelt das ideale Synonym für Tugay Akbakla, weil dieser für das spektakuläre und gute Torwartspiel, das Katzen-ähnliche, stehe, türkischer Abstammung sei - und auch Humor genug habe, diesem Ehrentitel gerecht zu werden. "Diese Bezeichnung ist mittlerweile ein geflügelter Ausdruck - vor allem dann, wenn ich eine tolle Parade mache oder meine Späßchen treibe", stellt der 23-Jährige fest und schmunzelt.

Der fränkische Türke hat einen Mittelweg aus seiner bekannten Lockerheit und dem dazugehörigen Ernst gefunden, wie er selbst feststellt. "Ich bin und bleibe ein Spaßmensch. Aber: Was ich anfasse, mache ich nun mit vollem Einsatz." Seine Worte in Zahlen: Mit dem temperamentvollen Schlussmann als letzte Hürde stellt Eltersdorf die drittbeste Defensive der aktuellen Spielzeit in der Bayernliga Nord. Die Quecken sind Spitzenreiter und träumen von der Rückkehr in die Regionalliga.

Nicht nur im traditionellen Torwartspiel stark: Auch am Ball überzeugt der 23-Jährige.

Nicht nur im traditionellen Torwartspiel stark: Auch am Ball überzeugt der 23-Jährige. Foto: Dirk Meier


Ob 4. oder 5. Liga ist für den 23-jährigen Keeper letztlich aber nebensächlich. Er hat riesigen Spaß am Fußball und er spürt das für ihn so wichtige Vertrauen vom Trainer bestätigerweise. "Die Regionalliga wäre für mich aber ein Höhepunkt, klar. Aber es gibt auch andere Lebensinhalte als das Fußballhobby", zeigt sich der Versicherungsvertreter realistisch. Gleichzeitig betont er, dass er ein absoluter Teamplayer sei. Der Erfolg der Mannschaft stehe über den eigenen Befindlichkeiten. Die osmanische Katze ist erwachsen geworden. Ist aber, wie man zwischen den Zeilen liest, angriffslustig geblieben - jedoch auf eine andere Art und Weise...


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Tabelle
1. Eltersdorf 2655 61
2. DJK Vilzing 2440 55
3. Seligenport. 2329 49
4. Großbardorf 2512 43
5. Ammerthal 24-1 38
6. Ansbach 2317 36
7. FCE Bamberg (Auf) 24-1 35
8. Würzburg. FV 235 34
9. Gebenbach 235 32
10. ATSV Erlang. 23-5 31
11. ASV Cham (Auf) 23-6 31
12. TSV Abtswind 24-17 27
13. DJK Bamberg 24-16 23
14. Bayern Hof 21-14 23
15. 1. FC Sand 24-12 21
16. TSV Karlburg (Auf) 25-41 14
17. Vikt. Kahl (Auf) 21-50 9
Wertung gemäß Direkter Vergleich
ausführliche Tabelle anzeigen

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