Herforder SV zieht sich freiwillig aus der Regionalliga zurück
Freitag 19.06.20 07:00 Uhr|Autor: Yvonne Gottschlich / Andreas Gerth2.947

Herforder SV zieht sich freiwillig aus der Regionalliga zurück

Die glorreichen Zeiten beim Herforder SV sind vorbei. Der einst in der Bundesliga mitmischende Verein läuft ab jetzt in der Westfalenliga auf. Das hat Gründe.
Manchmal ist es im Fußball wie beim Bäcker: Man muss auch mal mit kleineren Brötchen zufrieden sein. So ähnlich ergeht es dem Herforder SV Borussia Friedenstal, der insgesamt drei Jahre in der 1. Frauen-Bundesliga spielte, den Namen der Hansestadt im DFB-Pokal vertrat und in der Serie 2008/2009 zum Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt offiziell 2.748 Besucher ins Ludwig-Jahn-Stadion lockte. Glorreiche Zeiten, an die man sich im Friedenstal erinnern mag, jetzt, da der freiwillige Rückzug aus der Regionalliga feststeht.


„Die Entscheidung mit der Westfalenliga ist die sinnvollste Lösung und der einzige Weg für uns, hier wieder etwas aufzubauen. Wir waren die letzten drei Jahre auf einem absteigenden Ast, haben vieles einfach laufen lassen“, blickt Florian Südhölter selbstkritisch zurück. Bei der Begründung für die getroffene Entscheidung redet der Vereinsvorsitzende dann auch nicht lange um den heißen Brei: „Die Regionalliga ist für uns weder sportlich noch wirtschaftlich darstellbar.“

Überraschend kommt der Schritt nicht. Spätestens seit dem Abstieg aus der 2. Liga in die Regionalliga 2018 zeigt die Kurve im Friedenstal nach unten – und erreichte in dieser Saison mit dem letzten Tabellenplatz, nur einem Sieg in 16 Spielen und mageren sieben Punkten einen traurigen Tiefpunkt. Jetzt aber will man beim HSV die Ärmel wieder hochkrempeln.

Seit gut sechs Wochen ist klar, dass Kai Beckmann das Traineramt beim früheren Westfalenpokalsieger (2000) übernimmt. Mit ihm wechselte auch Torwart-Trainer Florian Dannemann zum HSV. Und die beiden haben sofort angepackt. Angefangen bei den Personalien, über die Teamausstattung, Sponsorenverträge und die Aufgabenverteilung. Mit viel Enthusiasmus und Euphorie sei gerade wieder einiges in Bewegung gekommen. „Es geht wieder in die richtige Richtung“, ist man sich einig.


»Wir waren die letzten drei Jahre auf einem absteigenden Ast«

Beckmann, 44 Jahre alt und im Außendienst für Arbeitssicherheit tätig, übernimmt zusätzlich zum Traineramt auch die Position des Sportlichen Leiters, kümmert sich um Social Media und die Öffentlichkeitsarbeit beim früheren Bundesligisten. Dannemann, 38 Jahre und von Beruf Spielerberater und Straßenmarkierer, soll als kaufmännischer Leiter das Sponsoring anschieben. Offen sind jetzt noch die Position des Jugendleiters und der Frauenwartin. „Wir mussten die Jahreshauptversammlung verschieben, wenn es die Gegebenheiten zulassen, kann sie Ende August stattfinden, dann werden wir hoffentlich die Weichen neu stellen können“, erklärt Florian Südhölter, der im Februar 2019 an die Vereinsspitze gewählt wurde. „Florian hat den Verein hier kurz vor knapp vor dem Untergang bewahrt, jetzt gilt es nach vorn zu schauen“, sagt Beckmann.

Er und Dannemann haben in der kurzen Zeit schon einiges bewegen können. Mit Textilausstatter Joma habe der Herforder SV einen Dreijahresvertrag geschlossen. „Der ist richtig gut“, freut sich Dannemann. Darüber hinaus werde HO Soccer alle Torhüterinnen mit neuen Handschuhen ausstatten. Und auch die zukünftige Mannschaft nimmt Konturen an. Mit Michelle Ventker (20), Nina Heisterborg (21) und Louisa Gerdes (21) kehren drei Spielerinnen zum Herforder SV zurück, die vorher unter Beckmann in Herringhausen spielten, aber bereits eine Vergangenheit beim HSV haben.

Im Kern würden fast alle Spielerinnen des letztjährigen Aufgebots bleiben, lediglich Carolin Zschau (BV Werther) und Juliana Denecke (Ziel unbekannt) haben sich abgemeldet. „Wir haben der Mannschaft unseren Weg und unsere Ideen aufgezeigt, nach dem zweiten Training hatten alle zugesagt, sie wollen mit uns diesen Weg in die Westfalenliga gehen“, unterstreicht Kai Beckmann, der mit einem 20er Kader plant.
Sein Ziel ist es, die Jugend zu fördern, Schul AGs anzubieten und wieder mehr Spielerinnen aus dem Kreis Herford für den HSV, das Aushängeschild in Sachen Frauenfußball, zu gewinnen. Zudem soll die Verzahnung mit der zweiten Mannschaft, die in der Landesliga spielen wird, intensiver werden. „Der HSV soll wieder aus Herforderinnen bestehen, das muss langsam wachsen und klappt nicht sofort“, gibt Beckmann zu bedenken.


»Das muss langsam wachsen und klappt nicht sofort«

Die beiden neuen Trainer, die beide mit dem C-Lizenz-Trainerschein ausgestattet sind, haben schnell das Training aufgenommen. „Wir haben dabei konditionelle Schwächen aufgedeckt, die nicht durch die Corona-Pause kommen“, so Dannemann mit einiger Verwunderung. Bis zum 19. Juni werde in Herford noch trainiert, bevor es in die kurze Sommerpause geht. „Bis dahin wollen wir eine Grundfitness erreicht haben, zum Abschluss gibt es noch einen Leistungstest“, kündigt Beckmann an. Ab Ende Juli beginne dann die Vorbereitung auf die neue Saison.

„Der Kader hat eine richtig gute Qualität, die für die Westfalenliga ausreichen wird“, ist sich Dannemann schon jetzt sicher. „Das heißt aber nicht, dass wir da sofort um den Aufstieg mitspielen.“ Es sind jetzt etwas kleinere Brötchen, mit denen man sich beim Herforder SV zufrieden geben muss.



Tabelle
1. 1. FC Köln II 1641 39
2. Bor. Bocholt 1635 35
3. Berghofen 1616 33
4. VfL Bochum 1620 28
5. SGS Essen II (Ab) 1615 27
6. Alem. Aachen 168 27
7. Spoho Köln 165 26
8. FFC Reckling (Auf) 161 21
9. Borussia MG II 16-7 18
10. SV Menden (Auf) 16-11 16
11. SV Budberg 16-13 13
12. SV Bökendorf 16-18 11
13. GSV Moers (Auf) 16-41 10
14. Herforder SV 16-51 7
Wertung gemäß Quotientenregel: Erreichte Punkte dividiert durch absolvierte Spiele
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