Klaus Sturm: Die Jahn-Legende aus Rain
Donnerstag 04.06.20 14:00 Uhr|Autor: Thomas Seidl 3.012
Klaus Sturm hat in seiner Trainer-Laufbahn etliche höherklassige Stationen hinter sich Foto: Dirk Meier

Klaus Sturm: Die Jahn-Legende aus Rain

Trainer, die man kennt (6): Der aus Rain bei Straubing stammende Vollblutfußballer führte Jahn Regensburg und den FC Vilshofen in die 3. Liga und sorgte auch beim FC Dingolfing für Furore
Die Corona-Pandemie hat den Spielbetrieb im Amateurfußball aus den Fugen gehoben. FuPa nutzt die spielfreie Zeit, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Nach der erfolgreichen Portrait-Serie über ehemalige Spielergrößen des niederbayerischen Fußballs nehmen wir nun bekannte Übungsleiter unter die Lupe. Im sechsten Teil beschäftigen wir uns mit Klaus Sturm (75), der vor allem in den 80er und 90er Jahren zu den namhaftestenTrainern in Ostbayern zählte. 


Schönste Saison deiner Trainer-Laufbahn?  
Das war die Spielzeit 1975/76 beim FC Dingolfing. Bei meiner ersten Trainerstation ist mir als sehr junger Übungsleiter nach zwei Relegationsspielen gegen den TSV Lindberg der Aufstieg in die Landesliga geglückt. Da die erste Partie nach 120 Minuten keinen Sieger fand, standen wir uns zwei Tage später erneut gegenüber und mussten erneut in die Verlängerung, die mit einem 3:1-Erfolg für uns endete. Insgesamt verfolgten 8.000 Zuschauer die beiden Aufstiegsspiele. Tags darauf brachen wir zu einer Amerikareise mit Spielen in Kanada und Amerika auf.  Eine tolle Saison war 1980/81 der Aufstieg mit dem FC Vilshofen in die Bayernliga. Trotz der alten Zwei-Punkteregelung waren wir am Ende elf Zähler vor dem zweitplatzierten TSV Straubing.  Ein großes Highlight war dann 1983 der Aufstieg mit dem SSV Jahn Regensburg in die Bayernliga. Die Meisterschaft konnten wir am letzten Spieltag vor 13.000 Zuschauern gegen den FC Amberg perfekt machen.
 
 
Welcher Spieler, hat dich in deiner Zeit als Trainer besonders beeindruckt?
In meiner langen Trainerzeit habe ich mit vielen sehr guten Spielern zusammengearbeitet, von denen ich besonders beeindruckt war. Ich könnte eine lange Liste aufstellen, die jedoch den Rahmen sprengen würde. Für mich war bis auf ganz wenige Ausnahmen jeder Spieler das höchste Gut.
 
 
Bei welchem Verein hattest du deine schönste Zeit?
Logischerweise bei meinen Meistervereinen. Die Erfolge wurden aber allesamt durch harte Arbeit erreicht. Ich könnte aber keinen meiner Vereine hinten anstellen, da ich bei allen Stationen die guten Erinnerungen behalten habe.
 
 
Mit welchem Abteilungsleiter/Manager hast du besonders gerne zusammengearbeitet? 
Beim FC Dingolfing mit Sigi Reicheneder, da wir die selbe Vision hatten und innerhalb von drei Jahren in die Landesliga wollten. Schließlich war es dann bereits nach zwei Saisonen so weit.  Beim FC Vilshofen war Matthias Hartl ein Menschenfänger und exzellenter Präsident sowie Helmut Kohlbauer ein Fachmann, der immer ruhig Blut bewahrte. Beim Jahn Regensburg war die Zusammenarbeit mit meinem ehemaligen Mitspieler Horst Eberl, Thomas Zacke sowie Präsident Dieter Imlohn hervorragend. Letztgenannter hat in mich die Aufstiegshoffnungen gesetzt, die ich ihm erfüllt habe. Es sind noch viele gute Geister bei den anderen Vereinen dabei gewesen, ohne die man als Trainer nicht erfolgreich arbeiten kann und die ich noch heute in guter Erinnerung habe.
 
 
Welcher Trainer hat dich in deiner aktiven Zeit besonders geprägt?
Ich hab immer meine Antennen ausgefahren, um schon als Spieler möglichst viel zu lernen. Alle meine Trainer waren fachlich sehr gut. Die größte Persönlichkeit war Georg Gehring beim Jahn Regensburg, der  ehemaliger Spieler beim 1.FC Nürnberg und beim Jahn war. Ein Gentleman mit riesiger Erfahrung und einem grandiosen Fachwissen.
 
 
Hast du irgendetwas in deiner Laufbahn bereut?
Nein. Ich hab als Spieler bei all meinen Vereinen schöne Zeiten erlebt und viele Freunde gewonnen. Als Trainer wurde alles nochmals getoppt.
 
 
Gibt es ein Spiel, das du nie vergessen wirst?
Das Bayernligaspiel mit dem SSV Jahn Regensburg beim FC Bamberg am 16. April 1985. Aufgrund eines totalen Blackouts eines Spielers von mir, der ein unglaubliches Eigentor - das später zum Eigentor des Jahrhunderts ernannt wurde - ging die Begegnung mit 0:1 verloren. In den Tagen darauf kamen Anrufe von Medien aus der ganzen Welt - sogar aus China - um über diese Kuriosität zu berichten.
  


Früher war im Fußball alles besser -  wie denkst du über diese heutzutage gerne aufgestellte Behauptung?
Im Fußball ist es wie im täglichen Leben. Die Zeit bleibt nicht stehen. Man muss sich immer öffnen. Es wäre schlecht, wenn sich der Fußball nicht weiterentwickeln würde. Ich erinnere mich immer aber noch gerne an die alten Fußballzeiten wie die EM 1972, in der unsere Nationalmannschaft spektakulären Fußball zeigte.
 
 
Welche Art der Mannschaftsführung hast du favorisiert?
Das kommt immer auf den Charakter einer Mannschaft an. Jedes Team, das man als Trainer neu übernimmt, muss kurz studiert werden. Die Grundregeln wie Disziplin und mannschaftliches Kollektiv sind unabdingbar. Der oder die Spieler sollen sich aber nicht unterordnen, sondern einordnen.
 
 
Wie hat dich ein Spieler auf die Palme bringen können?
Durch Disziplinlosigkeiten, Selbstdarstellung und Provokationen aller Art. 
 
 
Gibt es im Profibereich einen Trainer, den du richtig gut findest?
Da gibt es weltweit viele. Wer in diesem Bereich nicht auf dem höchsten Level ist, hat keine Chance. Ich hab einige persönlich kennengelernt und war über deren Offenheit beeindruckt.
 
 
Größte Enttäuschung deiner Karriere? 
Zweifelsohne der Bayernliga-Abstieg mit der SpVgg Landshut im Jahr 2000. Das entscheidende Relegationsspiel in Freising haben wir gegen den MTV Ingolstadt mit 1.2 verloren. Im Vorfeld gab es einen zermürbenden Pressebericht gegen unsere Mannschaft aus den eigenen Reihen. Der negative Höhepunkt war dann, dass mir unmittelbar nach Spielschluss im Kabinentrakt mitgeteilt wurde, dass ich entlassen bin.
 
 
Was hältst du von dem Trend, dass immer mehr Vereine auf sehr junge Spielertrainer setzen?
Gar nichts. Wenn Vereine auf Spielertrainer zurückgreifen, dann soll das nur in den in unteren Klassen durch erfahrene Spieler der Fall sein. Ab Bezirksliga sollten nur Trainer arbeiten dürfen, die zumindest eine Grundausbildung vorweisen können. Durch diesen Trend werden alle Trainer, die Geld und Zeit für ihre Aus- und Fortbildung investieren, abqualifiziert.

 

Auch für wohltätige Zwecke ist Sturm - hier im Bild mit Ex-Bayernprofi Michael Sternkopf - seit vielen Jahren aktiv

Auch für wohltätige Zwecke ist Sturm - hier im Bild mit Ex-Bayernprofi Michael Sternkopf - seit vielen Jahren aktiv

 
Zur Person: 
Klaus Sturm hat eine bewegte Trainer-Laufbahn hinter sich. Von 1974 bis 1978 betreute er den FC Dingolfing, mit dem er den Sprung die damals zweithöchste Amateurklasse, der Landesliga schaffte. Von 1978 bis 1980 betreute der ehemalige Torhüter die SpVgg Deggendorf, ehe er von 1980 bis 1982 für den FC Vilshofen verantwortlich war, mit dem ihm 1981 der Aufstieg in die Bayernliga gelang. Von 1982 bis 1985 war der Rainer Übungsleiter beim SSV Jahn Regensburg, den er ebenfalls in die dritte Liga, die damalige Bayernliga, führen konnte. Dann kehrte Sturm für ein Jahr zu dem mittlerweile in die Landesliga abgestiegenen FC Vilshofen zurück, ehe weitere Engagements in der Landes- und Bayernliga beim TSV Straubing, Jahn Regensburg, SpVgg Landshut, SpVgg Weiden, FC Amberg und der SG Post-Süd Regensburg folgten. 

1995 zog es Klaus Sturm nach Österreich, um dort zwei Spielzeiten den Zweitligisten SV Braunau zu betreuen. Seine letzte Trainer-Station hatte der 75-Jährige bei der SpVgg Landshut, bei der während der Spielzeit 1999/2000 verpflichtet wurde, den Abstieg in die Landesliga aber nicht mehr verhindern konnte. Anschließend wechselte Sturm ins Management von Jahn Regensburg und war in dieser Position zwischen 2001 und 2013 für den Oberpfälzer Vorzeigeklub tätig. Seine letzte Tätigkeit hatte Sturm bei der SpVgg Hankofen-Hailing, bei der er zwischen 2016 und 2018 als sportlicher Berater fungierte. 

  



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