Der Blick in die trübe Glaskugel: So denken die Ebersberger Teams
Montag 06.04.20 11:11 Uhr|Autor: Ebersberger Zeitung / Julian Betzl690
Ebersberger Vereinsvertreter äußern sich zum Rest der Saison (von links nach rechts): Emanuel Lutz (TSV Oberpframmern), Jürgen Daser (TSV Grafing), Peter Rauch (FC Parsdorf), Murat Saglar (TSV Steinhöring). <em>Verein</em>

Der Blick in die trübe Glaskugel: So denken die Ebersberger Teams

Umfrage der Ebersberger Zeitung
In einer Umfrage der Ebersberger Zeitung haben sich viele Vereinsvertreter im Landkreis Ebersberg zu den Optionen für den Rest der Saison geäußert.


Die weitreichenden Anpassungen der DFB-Spielordnung senden auch an alle Amateurkicker ein klares Signal: Für die Rettung der laufenden und seit Mitte März unterbrochenen Spielzeit loten die Verantwortlichen auf sportlicher Ebene alle erdenklichen Möglichkeiten aus: Stichwort Geisterspiele. „In den nächsten Tagen werden sich sicher noch weitere Themenfelder auftun. Deshalb sind weitere Satzungsänderungen nicht auszuschließen“, sagt der BFV-Kreisvorsitzende München, Bernhard Slawinski. Inzwischen sprechen sich zumindest viele Vereinsvertreter im Landkreis Ebersberg aber vermehrt für einen klaren Schlussstrich aus, wie eine Umfrage der Ebersberger Zeitung am vergangenen Wochenende zeigt.

Thomas Herndl, Fußballchef VfB Forstinning (2. Bezirksliga Ost / Relegation)

„Eine gerechte Lösung zu finden, unter der Prämisse, dass die Runde zu Ende gespielt wird, mit der alle Teams umgehen können, sowohl im Aufstiegskampf, als auch nach unten, wird nicht leicht. Ein Patentrezept gibt es nicht. Final habe ich noch nicht zu Ende gedacht, wie es aussieht, wenn man die Saison abbricht oder annulliert. Rein sportlich wäre ein Abbruch traurig. Wir würden die Saison nach der guten Vorbereitung gern zu Ende spielen, auch in einer Art Turnierform um Auf- und Abstieg. Den Lizenzantrag für die Landesliga habe ich jedenfalls in den letzten vier Jahren schon zweimal ausgefüllt und werde das auch diesmal wieder tun. Ansonsten können wir nur abwarten und unseren neuen Wirt bei seinem Lieferdienst unterstützen. Gesundheit, Familie und Beruf haben gerade einfach Priorität vor dem schönsten Hobby der Welt.“

Emanuel Lutz, Coach TSV Oberpframmern (3. Kreisliga 3, Relegation)

„Wie überhaupt bei dem ganzen Corona-Thema habe ich die Teilberieselung durch Wasserstandsmeldungen für mich aufgegeben. Das ist alles ein Blick in die trübe Glaskugel. Dass der Verband mit den neuen Maßnahmen die Vereine schützen will, habe ich nur am Rande mitgekriegt. Ein Abbruch einer Saison, die gar nicht gewertet wird, wäre für mich eine klare Linie. Aber sind wir uns ehrlich: In jeder Konstellation gibt‘s Gewinner und Verlierer, da kommst du an der Basis, bei den Amateuren, auf keinen grünen Zweig. Sollte es zu Geisterspielen kommen, würde ich mich klar für einen Abbruch aussprechen, weil unsere Ligen gerade davon leben, auch die Älteren einzubeziehen. Andererseits war ich schon immer ein Verfechter davon, eine Saison in einem Kalenderjahr durchzuziehen. So hat man auch in der Jugend nicht mehr diese Jahrgangssprünge.“

Jürgen Daser, Technischer Leiter TSV Grafing (13. Kreisliga 3/Relegation)

„Wir gehen mit dieser Situation ganz gelassen um, denn für uns wird sich gar nichts ändern. Wir kommen in keine Bredouille. Es geht keiner weg, wenn wir absteigen. Es kommt keiner dazu, wenn wir drinbleiben. Mich stört eigentlich nur das ewige Hinauszögern von Entscheidungen, weil der Verband ja nie eine Lösung finden wird, mit der alle zufrieden sind. Selbst wenn man jetzt den Beginn bis Juli rauszögert: Wie soll es weitergehen, wenn ein Corona-Fall in deiner Elf auftaucht? Wie soll man den Sicherheitsabstand einhalten, wenn auf Bezirkssportanlagen zwei Mannschaften in einer Kabine sind? Und generell sind die Plätze ja dann überlastet, wenn auch die Jugend weitergespielt wird. Persönlich sehe ich das alles wenig rosig und bin überzeugt, dass auf im Amateurbereich einige Vereine vor Gericht gehen werden, wenn die Saison annulliert wird.“

Peter Rauch, Kapitän FC Parsdorf (Kreisklasse 6, Platz 3)

„Die neuen Anpassungen vom DFB hat‘s auf jeden Fall gebraucht. Es wäre eine Katastrophe für viele höherklassige Vereine gewesen, wenn ihre Spieler nach sechs spielfreien Monaten ablösefrei hätten wechseln können. Auch bei uns, im Amateurbereich, würde ich die Saison gerne spielerisch zu Ende bringen. Wir kämen auch ohne Zuschauer klar. Nur wenn wir im Mai noch nicht spielen könnten, wäre es gescheiter, abzubrechen und später die neue Saison anzufangen. Dabei hoffe ich auf eine schnelle Lösung. Persönlich würde ich niemanden absteigen, alle aktuellen Teams auf Aufstiegsplätzen aufsteigen lassen und die Ligen nach oben hin vergrößern. Für die Relegationsplätze wäre vielleicht die Playoff-Idee eine coole und neue Alternative. Mittlerweile will ich einfach wieder auf den Platz, vielleicht sogar nur in Kleingruppen, ohne Spiele.“

Murat Saglar, Coach TSV Steinhöring (Kreisklasse 6, Platz 7)

„Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits gibt es ja einen Grund dafür, warum ich noch mit 40 Jahren spiele. Wir haben eine richtig gute Vorbereitung gemacht und wollten Richtung Relegationsplatz angreifen. Andererseits wäre ich jetzt eher für einen klaren Cut und dafür, die Saison zu beenden. Irgendwann hat man ja auch gar keinen Bezug mehr zur Saison. Jetzt haben wir ja das Problem, nicht zu wissen, ob wir Mitte Mai wieder funktionieren müssen. Und dann mit nur vier Einheiten Vorlauf wieder voll einzusteigen, fände ich grob fahrlässig. Zu sagen, es wird jetzt definitiv nicht mehr gespielt, aber wir arbeiten weiter an einer Lösung, wie wir die Saison werten, fände ich jetzt eine gute Aussage vom Verband. Ganz ehrlich: Ab der Bezirksliga abwärts geht es nicht um Existenzen und auch nicht um die 20 Euro mehr oder weniger, die ohne Zuschauer fehlen.“

Wolfgang Kirmaier, Vorsitzender FC Falke (Kreisklasse 6, Platz 12)

„Noch ist ja nichts definitiv, wie es weitergeht oder wie weit der Start nach hinten geschoben wird. Irgendwann sind wir dann aber an einem Punkt, an dem der Verband absagen muss. Ich glaube nicht, dass wir erst im September anfangen werden. Bei uns beim FC Falke sind sich alle einig: Wir wollen den Klassenerhalt auf dem Platz schaffen, auf sportlichem Weg. Da geht es um Fairness. Ich würde mich aber auch nicht beschweren, wenn wir am Grünen Tisch in der Liga bleiben würden. Unsere Spieler halten sich in dieser schweren Zeit daheim fit. Alle wissen, die eigene Gesundheit und die der Familien gehen vor. Wir werden uns also an die Regeln und Ordnungen halten und auf das warten, was von oben vom BFV kommt. So haben wir auch unsere Teams und Spieler instruiert. Vorher machen wir nichts. Wann das aber sein wird, müssen wir gucken.“

Marko Kocijan, Abteilungsleiter FC Ebersberg (Spitzenreiter A-Klasse 6)

„Es gibt jetzt gerade Wichtigeres als Fußball, deswegen habe ich mich da jetzt noch nicht schlaugelesen. Klar spielen wir eine tolle Saison, wenn man den Vorsprung von acht Punkten auf den Dritten sieht. Dennoch wäre es nicht unbedingt fair gegenüber den anderen Mannschaften, gerade denen, die hinten drinstehen, wenn wir durch einen Abbruch aufsteigen. Man sollte versuchen, die Saison zu Ende zu spielen, auch wenn das länger dauert. Eine Option wären für mich auch Playoffs zwischen den ersten und letzten vier Teams um Auf- und Abstieg. Da müssen wir aber einfach abwarten, bis von oben etwas Konkretes kommt. Nur wenn für einen Verein wie uns, der eigentlich von seinem guten Zuschauerschnitt lebt, diese Einnahmen wegfallen, ist das im Spielbetrieb nicht leicht.“

Walter Hommelsen, Abteilungsleiter TSV Zorneding (2. Kreisklasse 6/Relegation)

„Im Endeffekt sind wir abhängig von der Entscheidung des Bayerischen Fußballverbandes. Unsere Jungs wollen die Saison natürlich gern zu Ende spielen. Wenn sich das aber bis in den Herbst oder sogar in den Winter zieht, sollte man die Saison eher ruhen lassen und neu anfangen, so schwer es auch fällt. Bei uns geht es trotzdem weiter. Du wirst es keinem recht machen. Allerdings finde ich Geisterspiele vollkommenen Unsinn im Amateurbereich. Wie soll man diesen Aufwand als kleiner Verein lösen? Außerdem: In dem Moment, wo Spieler auf dem Feld Kontakt haben, könnte man auch die Zuschauer auf Abstand danebenstellen.“

Christian Kebinger, Sportlicher Leiter TSV Ebersberg (14. Bezirksliga/Abstiegsplatz)

„Ehrlich gesagt, kenne ich noch nicht alle Details der neuen Anpassungen der Spielordnung. Für mich wäre es aber die fairste und sinnvollste Lösung, die Saison zu annullieren. Und das sage ich nicht, weil wir mit zwei Mannschaften hinten drinstehen. Man kann dabei sicher diskutieren, ob die Meister alle aufsteigen können und die Ligen entsprechend aufgestockt werden. Keine Ahnung, was administrativ dahinterstecken würde, aber den aktuellen Stand zu werten, wäre bitter für uns. Bei Geisterspielen würde ich mich fragen: Macht das Sinn? Bei uns kann man im Waldsportpark einfach die Tore zusperren, aber bei anderen Plätzen ist das deutlich schwieriger.“

Text: ola/bj


Tabelle
1. Waldperlach 1632 40
2. Oberföhring 1611 31
3. Oberpframmer 164 31
4. Hohenlinden * 163 26
5. SK Srbija 162 25
6. SV Anzing 165 24
7. Ottobrunn 16-1 23
8. Heimstetten II 169 21
9. SV Zamdorf 166 21
10. Waldtruder. 15-9 20
11. Kirchseeon 15-6 19
12. Grüne Heide 16-6 16
13. TSV Grafing 16-12 13
14. SC München 16-20 12
15. TSV 1860 III 16-18 9
* SV Hohenlinden: 3 Punkte Abzug
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