Kilian Jakob und der verhängnisvolle Druck: »Ich wollte zu viel«
Freitag 19.02.21 10:37 Uhr|Autor: Mathias Willmerdinger 3.574
Kilian Jakob (in rot) gab eine vielversprechende Heimpremiere gegen den 1. FC Magdeburg. Foto: Imago Images

Kilian Jakob und der verhängnisvolle Druck: »Ich wollte zu viel«

Bei Türkgücü München will der 23-Jährige seine ins Stocken geratene Karriere wieder in Schwung bringen
Fast ein Jahr war Kilian Jakob von der Bildfläche verschwunden, jetzt hat der 23-Jährige bei Türkgücü München sein Debüt in der 3. Liga gegeben. Wir haben mit dem Ex-Löwen über seine lange Leidenszeit gesprochen und was er sich von der Ausleihe in seine Heimatstadt erhofft.


FuPa: Kilian, am 7. Februar hast du deinen Einstand für Türkgücü gegeben. Dein erstes Spiel nach genau elf Monaten. Was hat dich so lange ausgebremst? 
Kilian Jakob (23): Zunächst mussten wir aufgrund des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 gezwungenermaßen pausieren. Dann habe ich mir einen Muskel- und Sehneneinriss im Oberschenkel zugezogen. Bis Oktober war ich raus. Und als ich dann wieder fit war, kam der zweite Lockdown. Bisschen blöd gelaufen das Ganze. 

In Augsburg wärst du überspitzt gesagt zum Nichtstun verdammt gewesen. Türkgücü hat dich praktisch aus der Ungewissheit rausgeholt. 
Ich war positiv überrascht, als das Angebot von Türkgücü kam, gerade weil ich so lange nicht mehr gespielt hatte. Ich spürte sehr schnell das Vertrauen in meine Fähigkeiten und bin froh über die Möglichkeit, endlich wieder kicken zu können. Was ja in Augsburg in der Regionalliga Bayern derzeit nicht möglich ist. 

Im ersten Spiel in Wiesbaden hast du eine Halbzeit absolviert, im zweiten Match durftest du gegen Magdeburg wieder von Anfang an ran, hast 73 Minuten abgespult. Es hätte schlechter laufen können. Wie bewertest du deinen Start?
Ich bin nicht ganz zufrieden, es hätte besser laufen können, so ehrlich muss man sein. Vor allem gegen Wehen habe ich nach der langen Zeit sehr schwer getan, das kann ich definitiv besser. Gegen Magdeburg war das schon deutlich besser. Der 2:1-Sieg war ganz wichtig. 

Kilian Jakob (li.) bei seinem Debüt in Wiesbaden.

Kilian Jakob (li.) bei seinem Debüt in Wiesbaden. Foto: Imago Images

Du bist auf der linken Seite zuhause. Wie kannst du dem Team helfen?
Dank meiner Geschwindigkeit kann ich immer wieder zu Flankenläufen ansetzen. Ich bin überzeugt, dass ich der Mannschaft vor allem offensiv helfen kann. Egal ob als Linksaußen oder als Linksverteidiger. 

Hast du ein persönliches Vorbild, dem du nacheiferst?
Positionsbezogen würde ich sagen Marcelo. Wie er seit Jahren bei Real Madrid seine Leistungen bringt, das imponiert mir. Oder auch Gareth Bale zu seiner Top-Zeit bei Tottenham und Real.

Gleich nach deinem ersten Einsatz gab`s richtig Feuer bei Türkgücü. Trainer Alexander Schmidt wurde entlassen. Ist das vor allem für einen Neuzugang wie dich keine einfache Situation oder perlt so etwas an einem ab?
Trainerwechsel sind meistens unschön, aber damit muss man sich in unserem Geschäft abfinden. Das kann überall von heute auf morgen der Fall sein, mit dem muss ich als Profi rechnen. Primär muss ich mich auf mich konzentrieren und in jedem Training meine Leistung bringen, dann habe ich bei jedem Trainer die Chance zu spielen. 

Jubel mit den neuen Teamkollegen: Gegen Magdeburg steuerte Kilian Jakob (Nr.3) sogar einen Assist bei.

Jubel mit den neuen Teamkollegen: Gegen Magdeburg steuerte Kilian Jakob (Nr.3) sogar einen Assist bei. Foto: Sven Leifer

Am meisten gelernt von Josef Steinberger und Manuel Baum. 

Ein Wort zu Interimscoach und Ur-Münchner Andy Pummer.
Er hat das echt gut gemacht gegen Magdeburg. Auch vorher als Co-Trainer hat er tolle Arbeit abgeliefert. Wir verstehen uns alle richtig gut mit ihm. 

Welcher Trainer hat dich bislang am meisten geprägt?
Da würde ich zum einen Josef Steinberger nennen. Mit ihm habe ich in der Nachwuchsabteilung bei den Löwen als auch zuletzt in Augsburg zusammengearbeitet. Unvergessen unser die Saison bei Sechzig, als wir mit der U19 bis ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft vorgestoßen sind und unglücklich an Dortmund scheiterten. Von ihm konnte ich sehr viel lernen, taktisch und spielerisch. Zum anderen würde ich Manuel Baum erwähnen, der mich damals zum FC Augsburg geholt hat und mir zum Bundesliga-Debüt verholfen hat. 

Sein Coach im Nachwuchs der Löwen und beim FCA: Mit Josef Steinberger (li.) verbindet Kilian Jakob eine innige Beziehung.

Sein Coach im Nachwuchs der Löwen und beim FCA: Mit Josef Steinberger (li.) verbindet Kilian Jakob eine innige Beziehung. Foto: Krieger

Ein Blick zurück auf deine bisherige Zeit in Augsburg: Am 3. März 2018 hast du gegen Hoffenheim in der Bundesliga debütiert. Vier Wochen später hast du dir im Spiel der zweiten Mannschaft gegen Wacker Burghausen die Kniescheibe gebrochen. Mit der Hauptgrund dafür, warum der Durchbruch beim FCA bisher ausgeblieben ist?
Das war schon wirklich ein saublöder Zeitpunkt so kurz nach meinem Einstand in der Bundesliga. Ich musste sechs oder sieben Monate pausieren. Das Verhängnisvolle an der ganzen Sache aber war, dass ich mir einfach selbst zu viel Druck gemacht habe. Ich wollte unbedingt schnell wieder fit werden. Ich wollte zu viel - und habe zu früh wieder angefangen. Daraus resultierten Folgeverletzungen wie Flüssigkeit im Mittelfußknochen oder der Außenbandriss fast genau ein Jahr nach der schweren Knieverletzung. Ich bin da richtig in eine Negativspirale reingeraten. 

Sieben Jahre bei den Löwen: "Man hat immer etwas zu erzählen."

Welche Konsequenzen hast du daraus gezogen?
Als junger Spieler bist du einfach zu ungeduldig. Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören, auch wenn`s manchmal schwer fällt. Geduldiger sein, das habe ich verinnerlicht. 

Sieben Jahre, von 2010 bis 2017, hast du beim TSV 1860 München verbracht. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?
Es war eine sehr schöne Zeit. Bei den Löwen bin ich erwachsen geworden. Die sieben Jahre haben mich geprägt und man hat immer etwas zu erzählen. (lacht) 

Wie würdest du dich selbst charakterisieren, auf und neben dem Platz?
Auf dem Platz falle ich schon dadurch auf, dass ich sehr viel laufe. Zudem würde ich sagen, dass ich sehr diszipliniert und mannschaftsdienlich agiere. Neben dem Platz bin ich ein sehr ruhiger Typ. Ein Lautsprecher bin ich sicher nicht. 

Im Sommer zurück nach Augsburg: Abschied mit Aufstieg? 

Zurück in die Gegenwart: Wie sähe für dich im Optimalfall der weitere Saisonverlauf mit Türkgücü aus? 
Wir wollen eine Serie starten und oben angreifen. Ich persönlich will viel Spielpraxis sammeln und werden versuchen, an mein altes Niveau heranzukommen. 

Die Ausleihe endet im Sommer. Dann geht`s für dich mit viel Rückenwind zurück nach Augsburg? 
Richtig, im Sommer werde ich nach Augsburg zurückkehren, wo ich noch ein Jahr Vertrag habe bis 2022. Natürlich würde ich gerne mit viel Spielpraxis im Gepäck zum FCA zurückkehren und mich wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Mein Ziel ist es, in naher Zukunft erste oder zweite Liga zu spielen. 

Das Interview führte Mathias Willmerdinger. 

 


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Tabelle
1. Aschaffenb. 2524 50
2. Nürnberg II 2529 49
3. SpV Bayreuth 2525 49
4. Schweinfurt 2319 44
5. Aubstadt (Auf) 252 39
6. Eichstätt 2614 37
7. Gr. Fürth II 26-2 36
8. Buchbach 253 35
9. FC Augsburg II 259 34
10. SV Wacker 251 33
11. Schalding 24-11 32
12. Illertissen 25-14 31
13. TSV Rain (Auf) 25-15 30
14. Heimstetten 25-10 26
15. 1860 Rosenh. 25-31 21
16. FC Memmingen 22-12 20
17. VfR Garching 20-31 13
18. Türkgücü Mün o.W. (Auf) 00 0
Die vier Erstplatzierten spielen eine Aufstiegs-Playoffrunde um die Relegationsteilnahme, die dann gegen den Meister der Regionalliga Nord ausgetragen wird.

Tordifferenz zählt bei Punktgleichheit.
ausführliche Tabelle anzeigen

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