Eine komplette Fußballsaison wird es nicht werden
Dienstag 26.01.21 16:53 Uhr|Autor: Lauterbacher Anzeiger1.646
Foto: Thies Meyer

Eine komplette Fußballsaison wird es nicht werden

HFV: +++ Für den Hessischen Fußball-Verband ist ein vorzeitiges Ende der Saison 2020/21 (noch) kein Thema. Dies ist der Konsens der virtuellen Sitzung des Vorstands +++
REGION - Die Corona-Pandemie hat den Amateursport fest im Würgegriff. Doch während andere Sportverbände eine Fortsetzung des unterbrochenen Spielbetriebs für die kommenden Monate bereits ausgeschlossen haben, ist für den Hessischen Fußball-Verband ein vorzeitiges Beenden der laufenden Saison (noch) kein Thema. Zumindest die Vorrunden sollten- sofern die politische Verfügungslage dies zulässt - in den einzelnen Ligen bis Ende Juni noch absolviert werden, damit Wertungen erfolgen können. Dies war der Konsens der virtuellen Vorstandssitzung des HFV. 


"Wir schulden unseren Vereinen grundsätzlich die Durchführung einer Meisterschaftsrunde. Wenn wir Entscheidungen treffen, müssen diese daher darstellbar und gut begründbar sein. Eine Annullierung wäre beispielsweise eine Maßnahme, über die erst als letztes Mittel nachgedacht werden sollte. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine Entscheidung über eine Annullierung völlig übereilt", erklärt HFV-Vizepräsident Torsten Becker. Der Hanauer sprach von einer harmonischen und konstruktiven Sitzung der Verbandsoberen. Die schwierige Lage, in der sich die Vereine befinden, ist den Funktionären bewusst. "Wir sind abhängig von der Politik und wissen nicht, wann Tag X ist. Klar ist, dass wir den Vereinen ausreichend Zeit geben müssen, damit das Vereinsleben nach einer monatelangen Pause wieder anlaufen kann", so Becker. Diskutiert werden mindestens drei oder vier Wochen Mannschaftstraining als Vorlauf. 

Das Absolvieren von kompletten Runden scheint ebenso unrealistisch wie ein Restrundenstart bereits Anfang März. "Wir werden natürlich einen mehrwöchigen Trainingsvorlauf einräumen, um die Verletzungsgefahr der Beteiligten nicht zu erhöhen. Eine ordnungsgemäße Saisonbeendigung in der ursprünglich vorgesehenen Form ist daher in dem überwiegenden Teil der Spielklassen höchst unwahrscheinlich. Auch ein Systemwechsel wie beispielsweise Playoff-Modelle werden nicht umsetzbar sein, daher müssen wir mögliche Alternativen diskutieren. Dazu werden wir unsere Vereine wieder einbinden und entsprechende Kreiskonferenzen sowie Diskussionsrunden durchführen", erklärt Verbandspräsident Stefan Reuß.

Die diffizile Pandemielage und die daraus resultierende Unklarheit bezüglich eines möglichen Startzeitpunktes sowie die Heterogenität der absolvierten Spiele in den einzelnen Ligen und Kreisen machen die Planungen nicht leichter. "Wir haben alle keine Glaskugel vor uns stehen", sagt etwa der Büdinger Kreisfußballwart Jörg Hinterseher. Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg) verfolgt einen pragmatischen Ansatz: "Wir müssen schauen, ob überhaupt noch einmal vor dem Sommer gespielt werden kann und danach stellt sich die Frage nach der Wertung der Saison." Gewisse Überlegungen werden im Falle einer möglichen Fortsetzung auf den juristischen Prüfstand kommen, etwa die Frage, ob es verhältnismäßig ist, beim Kappen einer halben Spielzeit bis zu sechs Vereine aus einzelnen Ligen absteigen zu lassen, oder ob etwa sportlich mildere Abstiegslösungen infrage kommen.  
Präsident Stefan Reuß bedauert es, dass der HFV für seine Fußballer aufgrund des andauernden Lockdowns noch keine Perspektive bieten kann und bat daher weiterhin um Geduld. "Ich kann auch heute an unsere Mitglieder nur appellieren, die behördlichen Vorgaben weiter umzusetzen und durchzuhalten. Durch den Start der Impfungen können wir zumindest mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft schauen", so Reuß. Dass jedoch eine Fortsetzung des Spielbetriebs nach entsprechender Lockerung der behördlichen Verfügungen noch etwas Zeit in Anspruch nehmen wird, blieb für Reuß und die weiteren Teilnehmer der Videokonferenz außer Frage. Der HFV-Präsident beabsichtigt, eine Einheitlichkeit zumindest innerhalb des Süddeutschen Fußball-Verbandes zu erreichen, um die Schnittstelle von der Hessenliga zur Regionalliga Südwest reibungsfrei abzubilden. Die Teilnehmer der Verbandsvorstandssitzung waren sich einig, dass es erklärtes Ziel sein soll, die Vorrunde unter Maßgabe der behördlichen Genehmigungen zu Ende zu bringen.
Große Sorge um Nachwuchs

Große Sorgen äußerte der HFV-Präsident um die hessischen Nachwuchskicker, die sich in dieser Zeit vom Fußballsport abwenden könnten. Damit befürchte er den Verlust eines gehörigen Teils der fußballerischen Zukunft. Auch die wirtschaftliche Situation und Zukunft der Vereine bereite Reuß Kopfzerbrechen. Daher appelliert er an die Politik, dementsprechende Förderungen zu verstärken, um den Vereinen, die eine enorm wichtige soziale Komponente erfüllen, unter die Arme zu greifen.

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