2026-06-02T03:22:52.672Z

Allgemeines

Zwei Leistungsträger weg – Ende der guten Zeiten bei 47?

Zum dritten Mal in Folge verpassen die Lichtenberger den Aufstieg in die Regionalliga – Nun hören Vereinsikone und Top-Talent auf

von far · Gestern, 14:30 Uhr · 0 Leser
Luis Millgramm gegen BAK in Aktion
Luis Millgramm gegen BAK in Aktion – Foto: Frank Arlinghaus

Zum dritten Mal in Folge scheitert Lichtenberg 47 an der Rückkehr in die Regionalliga Nordost. Nach dem folgenschweren 4:4 (nach 4:1) gegen den Berliner AK und der 0:1-Heimniederlage gegen Tennis Borussia endet die Saison enttäuschend. Gleichzeitig verabschiedet sich Vereinsikone Sebastian „Bobby“ Reiniger in den Ruhestand, während Top-Talent Luis Millgramm zum Ligakonkurrenten Eintracht Mahlsdorf wechselt. Vor dem Verein liegen richtungsweisende Monate

Bobby Reiniger verlässt die Bühne

Als Sebastian „Bobby“ Reiniger nach dem letzten Saisonspiel gegen Tennis Borussia Berlin zum letzten Mal den Platz verlässt, verabschiedet sich nicht nur ein Spieler. Es verabschiedet sich ein Stück Lichtenberg 47.

Der langjährige Kapitän, Torjäger und Publikumsliebling beendet seine Karriere in einem Moment, in dem der Verein ohnehin vor seiner größten Herausforderung seit Jahren steht.

Sebastian Reiniger hört nach 15 Jahren bei Li47 auf
Sebastian Reiniger hört nach 15 Jahren bei Li47 auf – Foto: Frank Arlinghaus

Der dritte verpasste Anlauf

Drei Jahre nach dem Abstieg aus der Regionalliga Nordost bleibt die Rückkehr erneut aus. Zum dritten Mal hintereinander beendet Lichtenberg die Saison auf Platz zwei. Dreimal gehört die Mannschaft zu den stärksten Teams der Oberliga. Dreimal fehlt am Ende der entscheidende Schritt.

Besonders schmerzhaft verläuft die aktuelle Saison.

Am drittletzten Spieltag scheint die Regionalliga bereits zum Greifen nah. Gegen den Berliner AK führt Lichtenberg zuhause mit 4:1. Die Fans träumen vom Aufstieg. Doch dann folgt der Kollaps. Die Mannschaft verspielt die klare Führung, kassiert noch drei Gegentore und muss sich mit einem 4:4 begnügen.

Tasmania nutzt den Ausrutscher eiskalt aus und macht den Weg Richtung Regionalliga frei.

Ein mentales Problem?

Es ist ein Spiel, das die Probleme des Vereins wie unter einem Brennglas sichtbar macht.

Denn immer wieder zeigt Lichtenberg große Qualität. Immer wieder reicht es am Ende trotzdem nicht. Trainer Rudy Raab findet nach dem Spiel selbst bemerkenswert offene Worte.

„Vielleicht war der Druck zu groß“

Ein Satz, der inzwischen über einer ganzen Dreijahresbilanz steht.

Natürlich haben Nils Kohlschmidt und Rudy Raab den Verein nach dem Regionalliga-Abstieg stabilisiert. Drei Vizemeisterschaften in Folge zeigen, dass Lichtenberg weiterhin zur Spitzengruppe der Oberliga gehört. Das große Aufstiegziel wird verpasst

Denn wer dreimal hintereinander knapp scheitert, muss sich irgendwann die Frage gefallen lassen, warum der letzte Schritt nicht gelingt. Fakt ist: Die Verträge des Trainerduos laufen weiter bis 2027

Li47 schafft nur ein 4:4 gegen BAK nach dem 4:1
Li47 schafft nur ein 4:4 gegen BAK nach dem 4:1 – Foto: Frank Arlinghaus

Ein Kader am Limit

Doch die größere Herausforderung wartet ohnehin im Kader.

Zum Saisonende wirkt die Mannschaft müde und berechenbar. Oft beschränkt sich das Spiel auf lange Bälle in Richtung Reiniger. Kreative Lösungen fehlen. Gegner haben sich längst darauf eingestellt. Das Tebe Spiel spricht eine deutliche Sprache.

Einige Leistungsträger erreichen nicht mehr konstant das Niveau früherer Jahre.

Christian Gawe fehlt die kreative Unterstützung. Reiniger kämpft bis zuletzt, kann die Mannschaft aber nicht mehr alleine tragen. Luis Millgramm verliert ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase seine Leichtigkeit. Auch Hannes Graf baut ab. Im letzten Spiel gegen Tennis Borussia zeigt die Defensive große Probleme und bietet den Gästen große Räume an.

Das Ende einer Generation

Noch schwerer wiegt allerdings die Entwicklung der Altersstruktur.

Die Mannschaft, die den Regionalliga-Aufstieg 2019 prägt gibt es fast nicht mehr.

Namen wie Niklas Wollert, Sebastian Reiniger, Philip Einsiedel, Christian Gawe, David Hollwitz, Philipp Grüneberg, Richard Max Ohlow, Kevin Owczarek, Thomas Brechler, Nils Fiegen, Tarik Gözüsirin, Paul Krüger oder Hannes Graf stehen jahrelang für die erfolgreichste Phase der jüngeren Vereinsgeschichte.

Viele dieser Spieler sind inzwischen nicht mehr da.

Mit Reiniger geht nun das Gesicht des Vereins.

Von den verbliebenen Führungsspielern werden wohl nur noch Christian Gawe (33), Richard Max Ohlow (32), Kevin Owczarek (32), Paul Krüger und Hannes Graf tragende Rollen übernehmen. Drei davon sind bereits über 30 Jahre alt.

Der Umbruch ist deshalb längst keine Zukunftsfrage mehr.

Er hat begonnen.

Top-Talent Luis Millgramm verlässt Lichtenberg 47

Besonders schmerzhaft war bereits der Abgang von Magnus Rösner. Sein Wechsel zur U23 des FC Schalke 04 bedeutet einen erheblichen Qualitätsverlust, den Lichtenberg bis heute nicht vollständig auffangen kann.

Und die nächste Baustelle ist aufgemacht:

Top-Talent Luis Millgramm verlässt Lichtenberg in Richtung Mahlsdorf (FuPa Berlin berichtet). Der 21-Jährige erzielt elf Tore und gehörte zu den großen Hoffnungsträgern. Nun bedient sich der Ligakonkurrent.

Immerhin gibt es aktuell keine konkreten Signale für einen Abschied von Top-Torjäger John Gruber. Nach 20 Saisontoren dürfte allerdings auch er bei anderen Vereinen Interesse wecken.

Luis Millgramm
Luis Millgramm – Foto: Frank Arlinghaus

David Hollwitz vor dem Schlüsselsommer

Damit liegt viel Verantwortung bei David Hollwitz.

Der sportliche Leiter steht vor dem vielleicht wichtigsten Sommer seiner bisherigen Funktionärslaufbahn. Er muss den Verlust von Reiniger auffangen, mögliche Abgänge kompensieren und gleichzeitig einen Kader verjüngen, der über Jahre von erfahrenen Führungsspielern getragen wird.

Die kommenden Monate könnten deshalb über die Zukunft des Vereins entscheiden.

Lichtenberg braucht neue Impulse, mehr Dynamik und perspektivisch Nachfolger für verdiente Kräfte wie Gawe, Ohlow oder Owczarek. Gelingt dieser Umbruch nicht, könnte sich der Verein Schritt für Schritt weiter von der Regionalliga entfernen.

Trainerduo gefordert

Auch das Trainerduo ist gefordert. Es muss mit neuen Spielern ein neues Spielsystem entwickeln und der Mannschaft eine klare Spielidee vermitteln. Dreimal in Folge Zweiter zu werden, kann zwar als Erfolg gewertet werden, wirft aber zugleich die Frage auf, ob der nächste Schritt noch möglich ist.

Trainer und Verantwortliche stehen in der Pflicht, den Kader neu aufzubauen und der Mannschaft eine erkennbare sportliche Handschrift zu geben. Bislang konnten sie sich vielfach auf die vorhandene individuelle Qualität des Kaders verlassen.

Vor diesem Hintergrund dürfte die weitere Entwicklung von der Vereinsführung wohl aufmerksam verfolgt werden.

Unzufriedenheit im Trainerteam beim 4:4 gegen BAK
Unzufriedenheit im Trainerteam beim 4:4 gegen BAK – Foto: Frank Arlinghaus

Mehr als nur ein Abschied

Der Abschied von Bobby Reiniger und der Weggang von Luis Millgramm könnten eine anspruchsvolle Übergangsphase nach sich ziehen

Er könnte der Moment sein, an dem eine erfolgreiche Ära endet.

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