Das Fußballjahr 2024 ist vermutlich keines, auf das Ratingen 04/19 gerne zurückblicken wird. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Verein sein 120-jähriges Bestehen feierte, ging es erst steil bergab, dann gab es einen verheißungsvollen Neustart, einen Einbruch und schließlich den bereits dritten Trainer des Jahres. Dabei sind die Verantwortlichen bei 04/19 eher an langfristigen Engagements interessiert. Eine Zusammenfassung.
Eine starke Hinrunde hatte 04/19 auf Rang zwei der Oberliga überwintern lassen, sogar mit einem Vorsprung auf die eigentlichen Aufstiegs-Favoriten SV Straelen und KFC Uerdingen. Zudem war das Team von Chefcoach Martin Hasenpflug zum zweiten Mal in Folge ins Halbfinale des Niederrheinpokals eingezogen durch einen 2:1-Sieg im Viertelfinale über den damaligen Regionalligisten SSVg Velbert. Der SV Straelen wurde durch die Insolvenz des Bauunternehmers Hermann Tecklenburg erster Oberliga-Absteiger, der Vorsprung der Ratinger auf Uerdingen wuchs dadurch sogar an.
Ein Ortstermin ergab, dass das Stadion Ratingen mit einigen Umbauarbeiten für die Regionalliga geeignet ist, Stadt und Rat sagten ihre Unterstützung zu, 04/19 stellte den Antrag für die vierte Liga. Euphorie und Aufmerksamkeit wuchsen gleichermaßen – letzteres war in der Retrospektive aber wohl zu viel für einige der Beteiligten. Mit einer 1:3-Heimniederlage gegen den Angstgegner VfB 03 Hilden kamen die Ratinger zurück aus der Pause.
Nach der Pleite gegen Hilden verspielte 04/19 durch zwei Unentschieden weitere Punkte, gewann dann aber wieder zweimal in Folge. Dass das Pokal-Halbfinale gegen Drittligist und Rekordsieger Rot-Weiss Essen nicht in Ratingen steigen konnten, weil die Essener Sorgen um die Sicherheit des Stadions anmeldeten und sich so für einen Heimrechttausch beim Verband durchsetzten, brachte 04/19 an die ehrwürdige Hafenstraße. Bei der 1:3-Niederlage schoss der ehemalige RWE-Jugendspieler Emre Demircan das Ratinger Tor zum zwischenzeitlichen 1:1.
In der Liga lief es aber danach überhaupt nicht mehr, es gab drei Niederlagen am Stück – die letzte war die heftigste: Mit der 0:6-Packung bei der SpVg. Schonnebeck war 04/19 sogar noch gut bedient, an diesem rabenschwarzen Samstagabend hätte es noch ärger werden können. Konsequenzen hatte der Auftritt auch so: Hasenpflug trat nach 121 Oberliga-Spielen als Cheftrainer zurück, der Sportliche Leiter Frank Zilles übernahm bis Saisonende seine Tätigkeit mit.
Mit dem Aufstieg hatten die mittlerweile auch durch Verletzungen arg gebeutelten Ratinger da schon nichts mehr zu tun, der Leistungsabfall im Vergleich zur Hinrunde war eklatant. Am Ende sprang ein – gemessen an den im Winter gestiegenen Erwartungen – enttäuschender Rang sieben heraus. Auf einen Sieg waren im Saisonendspurt drei Niederlagen und ein Remis gegen den SC St. Tönis gefolgt, das zwei neue Leute schon live im Stadion miterlebten: Christian Dorda wurde am 28. Mai als neuer Trainer vorgestellt, Sven Kreyer als Königstransfer von Regionalligist SC Rot-Weiß Oberhausen Anfang Juli.
Ex-Profi Dorda machte auf seiner ersten Station als Cheftrainer einen aufgeweckten Eindruck, scheute sich aber auch nicht, Missstände klar zu benennen. Er hatte einen ziemlich großen Kader zur Verfügung gestellt bekommen und neben den Regionalliga-erfahrenen Kreyer, Clinton Asare und Rinor Rexha auch viele junge Spieler dazubekommen. In sieben Testspielen gab es nur eine Niederlage, und auch der Saisonstart war verheißungsvoll mit vier Siegen aus den ersten vier Pflichtspielen.
Mit einem souveränen 3:1-Heimsieg über Schonnebeck zog 04/19 ins Achtelfinale des Niederrheinpokals ein und hielt sich danach auch im sechsten Liga-Spiel schadlos beim 1:0 über den SV Sonsbeck – was allerdings schon ein glückliches Ergebnis war, weil Demircan erst tief in der Nachspielzeit traf. Es folgte die erste Pflichtspiel-Niederlage bei Dordas Ex-Team SSVg Velbert, die zweite gab es direkt danach, einmal mehr gegen Hilden.
Spätestens ab da häuften sich individuelle Fehler und das Auslassen von Großchancen, in den nächsten vier Liga-Spielen gab es nur einen Sieg – 1:0 über Aufsteiger SV Biemenhorst, als Torwart Dario Ljubic einen Elfmeter der Gäste hielt. Auf ein heftiges 0:4 zu Hause gegen St. Tönis folgte wenige Tage später der Einzug ins Pokal-Viertelfinale durch ein 2:1 beim selben Gegner, doch in der Liga lief es einfach nicht – 1:2 beim 1. FC Kleve, 0:1 gegen den 1. FC Monheim. Danach musste Dorda gehen. Am 31. Oktober stellte 04/19 Peter Radojewski als dessen Nachfolger vor, der so an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte.
Spontane Heilungskräfte sind ohnehin selten, Radojewski hatte sie zumindest im ersten Spiel noch nicht – das ging 2:4 beim ETB Schwarz-Weiß Essen verloren. Der bereits dritte Cheftrainer in diesem Fußballjahr in Ratingen änderte das System vom vorher üblichen 4-1-4-1 in ein 4-4-2 mit zwei Stürmern, und das zahlte sich in seinem ersten Heimspiel aus, als es gegen den VfB Homberg auch dank eines Doppelpacks von Angreifer Zissis Alexandris einen 3:1-Erfolg gab.
Und auch die nächste Niederlage war zu verschmerzen, denn im Viertelfinale des Niederrheinpokals zwang der von Radojewski zum Kapitän ernannte Abwehrchef Phil Spillmann den Regionalliga-Spitzenreiter MSV Duisburg mit zwei Toren die Verlängerung – das 2:2 in der Nachspielzeit sorgte für einen in Ratingen selten gesehenen Platzsturm Dutzender Kinder und Jugendlicher. Auch wenn es letztlich mit dem 2:3 das Aus im Wohlfühl-Wettbewerb gab, war es ein Fußball-Fest, das 04/19 da ausrichten durfte.
Der November endete mit einem 4:3-Erfolg beim Schlusslicht TVD Velbert, der Dezember begann mit einer 1:2-Niederlage bei Kellerkind Mülheimer FC. Wahrscheinlich ist es gut, dass das Fußballjahr 2024 für Ratingen 04/19 nun beendet ist.