Worms. Das Oberliga-Spiel plätscherte so vor sich hin. Die Wormatia verwaltete ihre 2:0-Führung und hielt die Gäste-Akteure des FC Blau-Weiß Karbach in der zweiten Halbzeit von ihrer Gefahrenzone fern. Doch weil VfR-Offensivspieler Mert Özkaya zweimal im Eins-gegen-Eins an Karbach-Keeper Jonas Bast nicht vorbeikam (61. und 67.) und die endgültige Entscheidung leichtfertig verpasste, kam es, wie es im Fußball nunmal so oft kommt. Ein Tor aus dem Nichts, eine plötzlich verunsicherte Heimelf, ein weiteres Tor der zuvor abgemeldeten Mannschaft und am Ende Frust bei den Hausherren. Über das 2:2 (2:0)-Unentschieden konnte sich im Wormatia-Lager niemand freuen.
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„Einfach, viel zu einfach” habe man die zwei Gegentore kassiert, ärgerte sich Wormatias Interimschefcoach Benny Früh unmittelbar nach dem Abpfiff. „Das ist jetzt das sechste Spiel in dem es zu einfach ist, gegen uns zu treffen. Dass Karbach hier noch zwei Tore schießt, darf nicht passieren.” Mit Dreier-, Vierer- oder Fünferkette, so der Coach, habe das überhaupt nichts zu tun. Dafür sind die Fakten offensichtlich: Sechs Saisonspiele, elf Gegentore. Keine Partie zu null. Die Defensive der Wormatia wirkt in den ersten Saisonwochen weder stabil noch konstant. Auch die Tatsache, dass die Wormser die gegnerischen Standards dieses Mal souverän verteidigten, konnte Früh an diesem hochsommerlichen Nachmittag nicht besänftigen. „Wir müssen viel zu viel Aufwand betreiben, um eigene Tore zu schießen, wenn wir in der Summe immer diese individuellen Fehler machen.”
Vor dem 1:2 spazierte Karbach-Spieler Jan Mahrla in die Wormatia-Hälfte und traf per Distanzschuss unbedrängt in die kurze Ecke. VfR-Schlussmann Luca Pedretti wirkte überrascht, seine Vorderleute so, als ob sie ihrem Gegenspieler diesen Abschluss nicht zutrauten und ihn deswegen gar nicht erst richtig attackierten (71.). Wenige Minuten später spielte der eingewechselte Berkan Küpelikilinc im Aufbauspiel einen Fehlpass ins Zentrum, fehlte anschließend prompt auf seiner rechten Seite, Pedretti zögerte beim Herauskommen, Blau-Weiß-Stürmer Max Wilschrey jubelte (75.). Es waren die zwei ersten nennenswerten Abschlüsse der Gäste in Durchgang zwei, die ihnen aber reichten, um die zuvor dominante Wormatia aus dem Tritt zu bringen. Benny Früh sagt: „Wenn sie uns her gespielt hätten, wären zwei Gegentore okay gewesen, weil Karbach eine gute Offensive hat. Aber so ist das Ergebnis viel zu wenig für unser Spiel und dass es so ausgeht, ist zu 99 Prozent unsere eigene Schuld.”
Nun war es aber nicht so, dass die Gäste zuvor keine Chancen gehabt hätten. In Durchgang eins kamen sie mehrfach gefährlich vor das Wormatia-Tor. Kurz vor dem Halbzeitpfiff verhinderte Pedretti den Anschlusstreffer. Außerdem übersah der Schiedsrichter nach 36 Minuten ein elfmeterwürdiges Handspiel von Worms’ Außenverteidiger Nicolas Obas. Dennoch war die Wormatia die zielstrebigere Mannschaft. Erijon Shaqiri, der sich immer wieder ins Mittelfeld und auf die Flügel fallen ließ und sich bei seiner Auswechslung über lautstarken Applaus der Wormatia-Zuschauer freuen durfte, war ein steter Unruheherd für die Karbach-Defensive. Nach einer perfekten Flanke des später angeschlagenen ausgewechselten Talha Baylan köpfte der 21-Jährige sein Heimteam in Führung (19.). Was Früh gefiel. „Mit Mert Özkaya, Sandro Loechelt und Irfan Catovic haben wir uns gut in den Zwischenräumen bewegt und uns viele Chancen herausgespielt.”
Gelungenes Comeback von Kapitän Sandro Loechelt
Vor allem die Rückkehr des wieder genesenen Kapitäns tat dem Spiel der Wormatia gut. Gekrönt wurde die gute Leistung des Comebackers durch dessen 2:0 nach einem Doppelpass mit Mert Özkaya (43.). Dieser verfehlte unter anderem per Hacke (22. und 45.), ein weiteres Wormser Tor nur knapp. Früh ärgerte sich über den „Chancenwucher” seiner Spieler, den auch Shaqiri (11.), Catovic (29.), Loechelt per Freistoß (78.), und Comebacker Nummer zwei Jan Dahlke nach einem Eckball betrieben (79.). Auch die zwei Eins-gegen-Eins-Duelle von Mert Özkaya gegen Jonas Bast gehörten dazu. Immerhin der Worstcase blieb aus, denn Pedretti verhinderte in der Nachspielzeit ein drittes Gegentor.
Wormatia: Pedretti – Baylan (49- Küpelikilinc, 84. Marquardt), Graf, Franz, Smiljanic, Obas – K. Özkaya – Catovic (84. Manganiello), Loechelt, M. Özkaya – Shaqiri (68. Dahlke).
Tore: 1:0 Shaqiri (19.), 2:0 Loechelt (43), 2:1 Mahrla (70.), 2:2 Wilschrey (75.).
Zuschauer: 716.