Xueer Chen (am Ball, hier gegen Schott Mainz) ist seit Jahren eine feste Größe bei TuS Wörrstadt.	Foto: pakalski-press/Axel Schmitz, Archiv
Xueer Chen (am Ball, hier gegen Schott Mainz) ist seit Jahren eine feste Größe bei TuS Wörrstadt. Foto: pakalski-press/Axel Schmitz, Archiv

Wörrstadt vs. SVOO: Wie ist das 0:1 zu werten?

Mit dem SV Ober-Olm schickt sich weiteres Team an, TuS Wörrstadt in Rheinhessen den Rang abzulaufen

OBER-OLM/WÖRRSTADT. „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey“: Nach dem 1:0 (1:0)-Sieg in der Frauen-Regionalliga tanzten die Siegerinnen vom Aufsteiger SV Ober-Olm gemeinsam auf dem Kunstrasen, während die Verliererinnen von TuS Wörrstadt niedergeschlagen da saßen. Sinnbildlich könnte das, was sich auf dem Ober-Olmer Platz nach Spielschluss bot, für den Verlauf der bisherigen drei Spieltage stehen. Denn während der SVO bereits sieben Punkte gesammelt hat und damit auf dem vierten Platz rangiert, steht für die TuS nach drei Niederlagen nur der vorletzte Rang zu Buche. Ob der Emporkömmling, der bisher nur in der Verbands- und Landesliga war, dem Verein, der 1974 der erste Deutsche Meister im Frauenfußball war, nun dauerhaft den Rang abläuft?

Ergebnisse dieser jungen Saison nicht überbewerten

Aus den Ergebnissen in dieser Saison sollte man nicht zu viel ableiten, sind sich die Vertreter beider Klubs einig. TuS-Spielführerin Alina Schneider und Trainer Christoph Bender verweisen auf das schwere Auftaktprogramm mit den Spielen beim 1. FC Saarbrücken (1:7) und gegen den TSV Schott Mainz (0:6). Das Programm der Ober-Olmer sei, so Bender, mit den Partien gegen den SV Bardenbach (2:2) und bei Wormatia Worms (4:3) „einfacher“ gewesen. Und auch die Vorbereitung habe dem TuS nicht in die Karten gespielt. „Wir hatten selten so schlechte Bedingungen“, analysiert Schneider. „Sie war geprägt von vielen personellen Wechseln, Verletzungen und der Zusammenarbeit mit einem neuen Trainer, was sich erst mal finden muss.“

Ober-Olm
1:0
TuS Wörrsta.

Dazu, so Bender, kamen abgesagte Testspiele. „Wir sind noch in der Findungsphase“, räumt der Nachfolger von Jessica Wissmann, die fünf Jahre als Spielertrainerin am Ruder war und im Sommer ins Nachwuchsleistungszentrum vom 1. FC Kaiserslautern gewechselt ist, ein.

SVOO: Eingespieltheit ein großer Vorteil

Vorsichtig in der Bewertung bleibt auch SVO-Innenverteidigerin Petra Nöth, die gleichzeitig Leiterin der Fußball-Abteilung ist: „Wir haben damit selbst nicht so gerechnet, aber es ist schön, wenn man direkt punktet und sich Selbstvertrauen holen kann.“ Die Eingespieltheit – die Mannschaft sei so im Wesentlichen seit drei Jahren zusammen – sei ein großer Vorteil. Dazu habe man auch das nötige „Spielglück“ gehabt, gibt SVO-Trainer Jochen Berger zu. Allerdings habe man nur einen kleinen Kader, so Nöth. Am Ende werden beide um den Klassenerhalt kämpfen müssen, so die Einschätzung. „Wenn wir in der Liga bleiben, wäre es super, aber es ist kein Muss“, sagt Nöth. „Auf Dauer vor Wörrstadt die Nummer zwei werden“ macht Berger dann doch eine kleine Kampfansage.

"So eine starke Regionalliga hat es noch nie gegeben"

Bei der TuS schätzt Fußball-Abteilungsleiterin Maria Breuer die Chancen auf den Klassenerhalt in dieser Saison als „schwierig“ ein: „So eine starke Regionalliga hat es noch nie gegeben.“ Wie sieht es mit dem Verhältnis der beiden Klubs zueinander aus? „Wir haben uns über den Ober-Olmer Aufstieg gefreut, dort wird gute Arbeit gemacht“, zollt Breuer dem Lokalrivalen Respekt. „In den letzten Jahren haben wir viele Freundschaftsspiele gemacht, waren aber eine Liga drunter“, erklärt Berger. Nun sei die Rollenverteilung eine etwas andere: „Man ist der kleine Aufsteiger und der muckt auf.“ Trotzdem sei das „Verhältnis nach wie vor positiv“.

Keine Fusion als Gegenpol zu Mainz 05/Schott Mainz

In der Ober-Olmer Mannschaft standen mit Christina Geins (36 Jahre) und Carolin Zimmek (26) zwei ehemalige TuS-Spielerinnen. Während es bei Geins schon zwölf Jahre her ist, ist Zimmek nach zwei Jahren im Sommer 2020 zum SVO zurückgekehrt. „Wörrstadt hat vielleicht ein bisschen mehr individuelle Klasse, aber wir haben einen geilen Teamgeist“, vergleicht sie die beiden Teams direkt.

Eine Fusion beider Mannschaften – auch um Konkurrenten wie dem aufstrebenden TSV Schott Mainz Paroli zu bieten, ist kein Thema. „Wir haben alle Jugendmannschaften besetzt, dazu eine erste und zweite Mannschaft, sind da gut aufgestellt“, wehrt Nöth für den SVO ab. Junge Spielerinnen zu gewinnen, sei für die TuS mittlerweile ein Problem, erläutert Breuer. Der SVO habe einen Standortvorteil aufgrund der besseren ÖPNV-Anbindung.



Aufrufe: 020.9.2022, 17:00 Uhr
Alexander SchlögelAutor