2024-05-24T11:28:31.627Z

Interview
Sascha Wernitz tankt Kraft für eine neue Herausforderung
Sascha Wernitz tankt Kraft für eine neue Herausforderung – Foto: Privat

„Wo ich war, habe ich den sportlichen Erfolg mitgebracht“

Der selbstbewusste Sascha Wernitz blickt nach seinem Aus auf seine aufreibende Zeit bei SFC Veritas zurück. Derzeit tankt er Kraft für eine neue Herausforderung

Interview von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/- regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartner: Sascha Wernitz, #515.

Sascha, du hast im Winter Veritas Spandau verlassen. Warum?

Es hat einfach nicht mehr gepasst ,ich hatte schon des öfteren „die Schnauze voll“, weil man teilweise auf sich alleine gestellt war.

Bedeutet genau was?

Ich habe mich um alles gekümmert, das Training, Verpflegung, Outfits der Jungs, Transfers. Ich habe eine gute Reichweite zu verschiedenen Spielern, deswegen konnte ich immer eine gute Mannschaft aufbauen, zumindest wie es auch die finanziellen Mittel zugelassen haben. Doch es war immer sehr schwer Spieler für Veritas zu gewinnen. Und es gab auch einfach Keinen, der den Verein unterstützt hat. Es gab zwar viele Gespräche, immer mal wieder, aber daraus hat sich dann nichts gegeben. Irgendwann fragt man sich, was alles an Zeit, Kraft und Energie investiert wurde, ist einfach zu viel und nicht gerecht.

Es bedeutet, dass in deinen zu viel Last auf deinen Schultern, dem eigentlich nur als Trainer agierenden. Ist der Verein da nicht hinterhergekommen?

Ich hatte das Gefühl, in einem Verein zu sein, wo es nicht voran geht, sondern seit dem ersten Tag meiner Anwesenheit immer gleichbleibend war. Wenn man sich über jahre um alles kümmert und man merkt einfach, vom Verein aus kommt nichts zurück, keine Steigerung, immer nur leere Versprechen und nichts geht in eine positive Richtung, dann ist mir das schlussendlich auch einfach zu schade. Jedes mal, wenn ich mir sportlich etwas Gutes aufgebaut haben, so wie zu Beginn dieser Saison, wo wir die ersten Spiele alle gewonnen haben, dann aber Unruhe kommen, weil irgendwas abseits des Geschehen nicht geklappt hat, dann wurde das immer und immer wieder auf mich und meine Spieler übertragen. Wir konnten uns über längere Zeit nicht richtig auf Fussball konzentrieren. Deswegen habe ich mir dann im Winter gesagt, es ist Zeit aufzuhören, es wird sich nie was ändern und ich habe dafür keine Kraft mehr. Wie sagt man so schön, man wird ja nicht jünger.

Wie blickst auf deine Zeit zurück?

Ich bin fünf Jahre im Verein tätig gewesen, habe alles für den Verein gegeben, es war aber alles andere als leicht.

Nur wegen den äußeren Umständen?

In der ersten Saison, nachdem ich zu Veritas kam, übernahm ich eine Mannschaft, die aus der Bezirksliga in die Kreisliga A abgestiegen war und sich bis auf fünf verbliebene Spieler aufgelöst hatte. Also baute ich schnell eine Mannschaft zusammen, wo ich der Meinung war, den direkten Wiederaufstieg in Bezirksliga zu schaffen, was uns dann auch gelungen ist. Man hat halt immer versucht das Beste aus der Situation zu machen, hat versucht jedes Hindernis zu überwältigen, aber es war sehr schwer. Es war halt nicht wie bei anderen Vereinen, die eine Struktur haben oder/und die finanzielle Unterstützung. Ich musste Jahr für Jahr mit dem klar kommen.

Gibt es noch ein konkretes Beispiel?

Die letzte Saison z.B., wo wir in der Hinrunde alles verhauen haben, weil wir auf einmal nur noch mit elf Mann dastanden, da sich viele Spieler verletzten. Wir hatten keine gestandene 2.Herren oder eine etablierte Jugend, wo man in solchen Situationen auch mal auf Spieler zurückgreifen kann. Es war halt nicht vorhanden und somit spielten wir um den Abstieg. Trotzdem hatte ich eine schöne Zeit bei Veritas und der Verein alleine kann nichts dafür, es fehlte die Unterstützung. Ich möchte mich auch bei alleine meinen Spielern für die Zeit bedanken, ich bin stolz auf sie.

Dass ihr am Ende die Klasse gerettet habt, spricht für euch.

Ja, wir haben tatsächlich von den letzten zehn Spiele nur eins verloren und sind am letzten Spieltag nicht abgestiegen. Das war für uns ein toller Erfolg, vor allem weil wir einfach solche Probleme hatte. Auf einmal steht man da und hat keine Spieler mehr. Es war eine sehr kraftintensive Zeit, die einem auch sehr viel mitgegeben hat, es war wie eine Achterbahn. Ich habe immer alles gegeben für den Verein und stand immer 100 Prozent hinter dem Verein. Das habe ich über Jahre auch mit guter Arbeit bewiesen.

Und ein paar sportliche Highlights waren auch dabei.

Ja, wir hatten auch viele Erfolge. Den Aufstieg in die Bezirksliga, in Cottbus sind wir dreimal Turnierssieger geworden, den Berliner Atatürk Turnier haben wir uns ebenfalls geholt, dann der Klassenerhalt oder der Spandauer Bezirkspokal, als wir um Platz 3 spielten. Im Berliner Pokal sind wir in einer Saison auch weit gekommen. Das alles habe ich mit den mit geringen Mitteln geschafft - aber irgendwann will man auch seine Qualität in ein Verein reinbringen, wo man die gewisse Unterstützung erhält, um seinen Fokus auf den Sport zu richten.

Du bist derzeit ohne Verein - aber wie das so raushöre, soll das nicht lange so bleiben?

Ja aktuell bin ich ohne Verein, was aber auch gerade nicht schlimm ist. So habe ich auch mehr Zeit für meine Familie und den Fussball meines Sohnes und natürlich habe ich mal Zeit, mir andere Mannschaften und Spieler intensiv anzuschauen. Ich kann für mich erste Planungen machen, weil ich auf jeden Fall eine neue Herausforderung als Trainer suche. Das eine oder andere Gespräch wurde schon geführt, aber mal sehen was alles auf mich zukommt in den nächsten Wochen.

Hast du bestimmte Vorstellungen für deine neue Aufgabe?

Meine Vorstellungen sind, dass ein toller Verein auf mich zukommt, wo ich problemlos arbeiten, mich nur auf den Fussball mit meiner Mannschaft konzentrieren kann. Das ist wichtig, auch für den sportlichen Erfolg. Ich denke schon, dass ich dem ein oder anderen Verein sehr weiterhelfen kann. Was ich vorzuweisen habe, ist bekannt. Wo ich war, habe ich den sportlichen Erfolg mitgebracht. Ob bei Blau Weiß Spandau, mit der Gründung der 2. Männer und dem direkten Aufstieg von Kreisliga C bis in die Kreisliga A, oder eben zuletzt bei Veritas.

Und die Liga ist egal?

Kreisliga A sollte es schon sein, den Rest lasse ich offen.

Aufrufe: 018.3.2023, 08:44 Uhr
Marcel PetersAutor