2026-02-20T12:29:42.904Z

Allgemeines

Winterfrust, Sommer-Leerlauf: Braucht der Rahmenterminplan ein Update?

Umfrage unter Trainern und Verantwortlichen am Mittelrhein

von Andreas Santner · Heute, 07:13 Uhr · 0 Leser
– Foto: IMAGO IMAGES

Gefrorene Plätze, Krankheitswellen und Soccerhallen statt Trainingsrhythmus – die Wintervorbereitung brachte viele Trainer an ihre Grenzen. Gleichzeitig ruht der Ball im Sommer fast drei Monate, obwohl bestes Fußballwetter herrscht. Mit der Veröffentlichung des neuen Rahmenterminplans flammt deshalb eine alte Diskussion neu auf: Sollte die Winterpause verlängert und dafür im Juni länger gespielt oder im August früher gestartet werden? Zwischen Ferienargument, Infrastrukturproblemen und Aufstiegsnachteilen für Mittelrheinligisten gehen die Meinungen auseinander. Ein Stimmungsbild aus den Vereinen zeigt: Gesprächsbedarf gibt es reichlich.

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"Hätte lieber in den ganz kalten Monaten Pause"

Dustin Tesch (33, Trainer des SC Elsdorf in der Bezirksliga 3)
"Als Trainer stehe ich lieber im Warmen am Rand; es ist ein Brett, wenn man sich bei der Kälte nicht mitbewegen kann. Uns sind die Hände gebunden, weil uns die Rahmenpläne aufs Auge gedrückt werden. Aber ich bin ehrlich: Ich hätte lieber in den ganz kalten Monaten Pause und würde die Saison dafür im Sommer strecken.

Natürlich gibt es Stimmen, die sagen, bei 35 Grad mache Fußball keinen Spaß. Aber davon haben wir in Deutschland nur ein paar Tage im Jahr. Ich bin dafür: Wir spielen, wenn es warm ist. Die ständige Suche nach Soccerhallen oder alternativen Trainingsmethoden wie Kampfsport nervt. Das macht den Jungs zwar Spaß, aber das könnte man im Sommer genauso machen. Ich bin dafür, länger in der warmen Jahreszeit zu spielen."

"Entscheidung liegt in anderen Händen"

Tim Gerhards (30 Jahre, Trainer des VfR Würselen in der Bezirksliga 4)
"Prinzipiell wäre es sinnvoller, im Winter länger Pause zu machen – egal ob ein, zwei oder drei Wochen. Dass sich der Spielbetrieb dann länger zieht und die neue Saison später anfängt, nehme ich in Kauf. Es sind sehr viele Eltern, die am Sportplatz stehen. Da ist die Planung unglücklich.

Es ist wie in der Politik: Man kann darüber diskutieren, aber am Ende hat man keinen Spielraum. Ich ärgere mich nicht mehr darüber, weil die Entscheidung ohnehin in anderen Händen liegt.“

"Im Sommer zwei oder drei Wochen dranzuhängen"

Angelo Mazza (39, Trainer der Spielvereinigung Köln-Flittard in der Landesliga 1)
"Gutes Thema, schwieriges Thema, teilweise auch unverständliches Thema. Wir haben eine kurze Winterpause in einer undankbaren Jahreszeit. Ich bin dafür, im Sommer zwei oder drei Wochen dranzuhängen, um das Fußballwetter auszunutzen. Wenn es zu heiß wird, gibt es Timeouts zur Abkühlung.

Über den Winter, gerade im Oberbergischen Kreis, könnten wir eine eigene Geschichte schreiben: Die Plätze sind durchgefroren, die Spieler krank. Ich bin ein Freund des Sommers und würde es eine längere Pause im Winter favorisieren. Das oft genannte Kontra-Argument der Urlaubsphase im Sommer zieht für mich nicht – Urlaub wird heute über das ganze Jahr verteilt.“

"In der Eifel haben wir im Winter massive Probleme"

Sandro Bergs (36, Trainer von Germania Eicherscheid in der Bezirksliga 4)
Wir haben es bisher so hingenommen, wie es an anderer Stelle entschieden wurde. Grundsätzlich stimme ich der Kritik zu. Vor allem hier in der Eifel haben wir im Winter massive Probleme mit dem Trainingsbetrieb, während man in Düren oder Aachen zur gleichen Zeit oft noch problemlos auf den Platz kann.

Für Dirk Rurig vom SV Breinig ist der der Fußballverband Niederrhein ein Vorbild.
Für Dirk Rurig vom SV Breinig ist der der Fußballverband Niederrhein ein Vorbild. – Foto: Michael Schnieders

"Warum muss man sich so strikt an die Ferien halten?"

Dirk Ruhrig (54, Trainer des SV Breinig in der Landesliga 2)
"Das Vorbild ist für mich der Fußballverband Niederrhein. Dort werden englische Wochen gespielt, was in der guten Fußballzeit überhaupt keine Problematik darstellt. Warum muss man sich so strikt an die Ferien halten? Warum ist Ostern kein Spieltag? Auch ein Saisonstart bereits Mitte August wäre sinnvoll.

Die Mittelrheinliga müsste man hierbei gesondert betrachten, da deren Meister beim Aufstieg in die Regionalliga regelmäßig benachteiligt ist: Die Pause bis zum neuen Saisonstart ist dort stets die kürzeste. Ich habe das mit Wegberg-Beeck selbst erlebt: Wir mussten nahezu durchtrainieren, eine vernünftige Vorbereitung war kaum möglich.

Mein Vorschlag wäre, die Winterpause etwas zu verlängern, sich weniger an Karneval zu orientieren und stattdessen Wochenspieltage sowie Ostern zu nutzen. Man sollte den Spielplan nicht komplett an die Sommerferien koppeln. Dann hätte man die Kuh vom Eis. Das ist meine persönliche Meinung dazu, ohne den Verband an die Wand nageln zu wollen.“

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"Sehr, sehr schwer umzusetzen"

Maciek Gawlik (37, sportlicher Leiter beim TV Hoffnungsthal in der Bezirksliga 1)
"Für den Verband ist es super schwer zu entscheiden. Hätten wir bereits im Januar oder Februar gespielt, wären viele Partien ausgefallen. Andererseits haben wir im Sommer, bei bestem Wetter, eine riesige Pause. Ich frage mich oft, ob es nicht sinnvoll wäre, den Fußball auf eine Jahressaison umzustellen. Davon würde auch der Amateurbereich profitieren: eine lange Winterpause, dafür mehr Fußball in den Sommermonaten. Aber das ist sehr, sehr schwer umzusetzen.

Natürlich würden wir uns bei einer zu langen Winterpause ebenfalls beschweren. Mein Hauptbedenken gilt jedoch den Nachholspielen unter der Woche. Diese zerreißen den Trainingsrhythmus der Vereine komplett. Wenn die erste und die zweite Mannschaft an unterschiedlichen Wochentagen ihre Nachholspiele bestreiten, findet praktisch kein Training mehr statt. Das ist logistisch kaum zu bewältigen, gerade wenn man – wie viele Vereine – nur einen Platz zur Verfügung hat. Ich denke, es gehört immer ein bisschen Glück dazu, was das Wetter macht.“

David Sasse hält nichts von einer langen Winterpause.
David Sasse hält nichts von einer langen Winterpause. – Foto: LaBima

"Von einer zu langen Winterpause halte ich wenig"

David Sasse (38, Trainer des TuS Chlodwig Zülpich in der Landesliga 2)
„Man könnte die Kreispokale in den Sommer legen und als Turnier ausspielen; so hätte man trotz kürzerer Sommerpause attraktive Pflichtspiele zur Vorbereitung. Von einer zu langen Winterpause halte ich wenig, man sollte auch wegen der Hallenturniere im Rhythmus bleiben.

Allerdings halte ich wenig davon, im Rheinland direkt nach Karneval zu starten. Rosenmontag, Veilchendienstag, Aschermittwoch – und schon am Sonntag folgt das erste Meisterschaftsspiel. Wir sollten die Pause nach der ‚fünften Jahreszeit‘ um eine Woche verlängern, noch ein Freundschaftsspiel machen und dafür eine Woche länger in den Juni hineinspielen.

Was die Witterung angeht, hatten wir kaum Probleme. Die Zülpicher Börde ist für mildes Wetter bekannt, der Platz war kaum gefroren. Zudem erlaubt uns unsere Infrastruktur mit eigener Halle und Fitnessstudio, das Training flexibel zu gestalten.“

Wolfgang Schlösser würde eine kürzere Sommerpause befürworten.
Wolfgang Schlösser würde eine kürzere Sommerpause befürworten. – Foto: LaBima

"Würde man bei mir offenen Türen einrennen"

Wolfgang Schlösser (55, Trainer TuRa Oberdrees in der Bezirksliga 2)

"Ich kann die lange Pause im Sommer nicht nachvollziehen. Zwei Monate Sommerpause reichen völlig aus – man sollte das gute Wetter nutzen und früher in die Saison starten. Im Gegenzug müsste die Winterpause ausgedehnt werden, was zwar den letzten Spieltag nach hinten verschiebt. Da würde man bei mir offene Türen einrennen.

Das Hauptproblem bleibt die Abstimmung mit den Ferien, da viele Spieler durch familiäre Verpflichtungen in der Vorbereitung fehlen. Doch guter Rat ist teuer: In diesem Jahr waren die Probleme durch die Witterung und die enorme Anzahl an Krankheitsfällen bei uns so massiv wie selten zuvor.“

"Sollten die warmen Monate besser nutzen"

Markus Köppe (Sportdirektor beim FV Bonn-Endenich in der Landesliga 1)
"Es ist bei uns nicht das Riesenthema. Aber es ist auffällig, dass ausgerechnet in der schönen Jahreszeit so lange pausiert wird. Ich würde es begrüßen, die Winterpause zu verlängern, um nicht schon kurz nach Weihnachten in die Vorbereitung starten zu müssen. Oft zwingen uns ohnehin Schnee und Frost zu Platzsperren – die Verletzungsanfälligkeit bei dieser Witterung ist nochmal ein anderes großes Thema.

Im Amateursport sollten wir die warmen Monate besser nutzen, um um Punkte zu kämpfen. Dass man in der besten Zeit des Jahres pausiert, ist mir ein Dorn im Auge. Und wenn es im August tatsächlich einmal zu heiß sein sollte, gibt es Lösungen: Man könnte die Spiele schlichtweg in den kühleren Abend verlegen, statt sonntags um 15:00 Uhr anzupfeifen. Ändern können wir nichts. Es steht und fällt immer, was bei den Profis anliegt.“

"Kann mit dem Status quo gut leben"

Ali Meybodi (50, Trainer des FC Pesch in der Mittelrheinliga)
"Wenn man Anfang Juni aufhört und der Mannschaft die verdiente Pause von fünf Wochen gönnt, landet man beim Saisonstart automatisch Mitte oder Ende August. Eine nur dreiwöchige Vorbereitung funktioniert nicht. Wer zwei Wochen im Sommerurlaub ist, verpasst dann die Hälfte der Vorbereitung. Den Sommer noch weiter zu komprimieren, halte ich daher für schwierig. Auch wenn nicht alle Mütter und Väter sind, ist es nun einmal die Haupturlaubszeit.

Ein Modell wie am Niederrhein, wo man zwei Wochen vor Karneval beginnt und dann eine Pause einlegt, wäre eine Überlegung wert. Aber grundsätzlich kann ich mit dem Status quo gut leben. Sinnvoll wäre es lediglich, die Pausenzeiten im Winter und Sommer etwas ausgeglichener zu gestalten.

Ich kann mit der jetzigen Konstellation gut leben. Wer an jedem Hallenturnier teilnimmt, darf sich nicht über eine zu kurze Pause beschweren – diese Turniere sind nicht verpflichtend. Im Wetter steckt man letztlich nicht drin – dieses Jahr war es fordernder, aber das gehört dazu.“

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