
Der DFB nimmt den Verdacht sehr ernst: Mehrere unterklassige Fußballpartien sollen laut Hamburger Morgenpost manipuliert worden sein. Der Verband hat aber Zweifel.
Update vom 8. September, 16 Uhr: Der Hamburger Fußballverein Altona 93 hat am Samstag einen sogenannten Datenscout von der Adolf-Jäger-Kampfbahn verwiesen. „Wir haben ein Hausverbot erteilt“, sagte Vizepräsident Ragnar Törber. Zuvor hatte das Hamburger Abendblatt darüber berichtet.
Fans hatten den Mann dabei beobachtet, wie er in Echtzeit das Geschehen des Oberliga-Spiels gegen den SC Vorwärts-Wacker Billstedt weitergab. Offenbar, damit im Ausland Wetten auf die Partie platziert werden können. Der Club reagierte und verwies den Datenscout von der Anlage.
Schon vor dem Spiel hatte es auch auf Englisch eine Durchsage gegeben, dass die Tätigkeit von Datenscouts illegal sei. „Das machen wir schon länger“, sagte Törber auf Nachfrage und ergänzte mit Blick auf den Sportwetten-Markt: „Wir stehen für Amateursport und Nahbarkeit und nicht für diesen Wahnsinn.“ Der Club wolle aktiv für ein hamburgweites Stadionverbot für Datenscouts eintreten.
In der vergangenen Woche hatte es Medienberichte gegeben, wonach 17 Spiele aus der 3. Liga, zwei Regionalligen und mehreren Oberligen unter Manipulationsverdacht stehen.
Erstmeldung vom 6. September:
Frankfurt – Hat Fußball-Deutschland einen neuen Wettskandal? Im deutschen Fußball stehen einem Bericht der Hamburger Morgenpost zufolge 17 Spiele unter Manipulationsverdacht. Demnach könnten in den vergangenen zwei Jahren Partien aus der 3. Liga, zwei Regionalligen und mehreren Oberligen zum Zweck des Wettbetrugs beeinflusst worden sein. Der Deutsche Fußball-Bund wisse laut „Mopo“ von dem Verdacht und nehme diesen „sehr ernst“.
Allerdings zweifle der Verband daran, dass Fußballspiele für das Eintreffen eines exakten Ergebnisses manipuliert werden können. In den betroffenen Partien soll es teilweise auffällige Fehlentscheidungen der Schiedsrichter oder schwere Patzer von Torhütern und Abwehrspielern gegeben haben.
Bei den 17 Partien sollen Informationen über die zu erwartenden Spielergebnisse im Darknet verkauft worden sein. So konnten womöglich hohe Wettgewinne erzielt werden. Entsprechende Chatverläufe sollen die kriminellen Deals belegen.
Welche Spiele genau unter Verdacht stehen, soll aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht öffentlich werden. Der „Mopo“ zufolge hat der für die Überwachung von Sportwetten zuständige DFB-Partner bei Stichproben bislang keine Auffälligkeiten festgestellt.
Im vergangenen Herbst hatte die Staatsanwaltschaft Bochum Ermittlungen wegen ungewöhnlich hoher Wetteinsätze bei der Regionalliga-Partie FSV Frankfurt gegen TSV Steinbach Haiger aufgenommen. Damals hatte das Bundesinnenministerium von einem Wettanbieter Hinweise auf eine mögliche Manipulation bekommen.
Der Wettskandal mit dem damaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 hatte das Thema einst in den öffentlichen Fokus gestellt. Später sorgten vor allem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum gegen eine international agierende Bande für Aufsehen - Partien von der 2. Bundesliga über Champions und Europa League standen unter Verdacht, auch Profispieler in Deutschland wurden gesperrt, Betrüger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. (ck/dpa)